Kassenbons für Currywurst, Brötchen & Co bald Pflicht: „Papieraufkommen wird enorm sein“

rnNeues Gesetz

Gastronomen, Bäcker und Einzelhändler müssen ab dem neuen Jahr Kassenzettel an ihre Kunden ausgeben. Jeder noch so kleine Einkauf muss auf Papier quittiert werden. Das sorgt für Kritik.

Dorsten

, 22.11.2019, 19:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Einen kleinen Drucker hat Peter Finke schon jetzt auf seiner Theke stehen. Demnächst kommt in seinem Holsterhausener Imbiss „Hähnchen Finke“ noch ein großer Mülleimer dazu. Der ist für die ganzen Kassenbons, die seine Kunden eigentlich nicht brauchen, die er ab dem 1. Januar 2020 aber ausstellen muss.

Denn dann tritt die sogenannte Belegausgabepflicht in Kraft. Sie macht die Ausstellung einer Rechnung für jeden noch so kleinen Einkauf zur Pflicht. Currywurst, Brötchen, Eisbecher oder eine gemischte Tüte am Büdchen - alles muss demnächst auf Papier quittiert werden, ganz gleich, ob der Kunde das will oder nicht. „Das Papieraufkommen wird enorm sein“, befürchtet Finke.

5 Milliarden Bons allein im Bäckerhandwerk

Der Zentralverband des Deutschen Bäckerhandwerks läuft bereits Sturm gegen das neue Gesetz: „Wir reden über Umweltschutz und diskutieren über die Reduktion von Coffee-to-go-Bechern, schaffen dann aber auf der anderen Seite Müllberge aus beschichtetem Papier“, sagt Hauptgeschäftsführer Daniel Schneider.

Der Zentralverband hat ausgerechnet, dass bei durchschnittlich 100.000 Kunden je Verkaufsfiliale in Deutschland allein im Bäckerhandwerk mehr als 5 Milliarden Kassenbelege pro Jahr gedruckt werden.

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Mit der neuen Verordnung will das Bundesfinanzministerium Steuerbetrug verhindern und mehr Transparenz in Bargeld-Geschäfte bringen. Während es seit Jahren nicht gelingt, Internetriesen wie Google, Amazon oder Facebook angemessen zu besteuern, geraten kleinere Betriebe zunehmend ins Kreuzfeuer der Betriebsprüfung. „Wir sind halt greifbar“, sagt Peter Finke. „Wir machen und tun und werden bestraft und unter Generalverdacht gestellt.“

Josef Bellendorf, Chef des gleichnamigen Dorstener Fleischereibetriebs, verweist auf eine „noch viel drastischere Änderung“, die im kommenden Jahr in Kraft tritt: „Die Behörden fordern ein Sicherheitssystem, das aktuell noch gar nicht auf dem Markt ist.“ Danach müssen alle computergestützten Kassensysteme ab 2020 umgerüstet werden und über eine technische Sicherheitseinrichtung (TSE) verfügen. Diese verhindert eine nachträgliche Veränderung von Daten im Kassensystem. Weil Technik und Industrie aber noch nicht so weit sind, hat der Gesetzgeber für die Umrüstung Aufschub bis zum 30. September 2020 eingeräumt.

5000 Euro für neues Kassensystem

Für seine beiden digitalen Kassen hat Peter Finke vor ein paar Jahren 8000 Euro bezahlt. Die jetzt geforderte TSE-Umrüstung ist bei diesen Modellen technisch nicht möglich. Also musste er noch mal 5000 Euro in neue Kassen investieren, obwohl die alten fehlerfrei laufen.

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Verkaufen oder entsorgen kann er die alten Modelle nicht: „Es gilt eine Aufbewahrungspflicht von zehn Jahren. So lange muss ich sicherstellen, dass die alten Kassen funktionieren und die Daten bei Bedarf exportiert werden können.“

Für den gelernten Küchenmeister Finke gehört es dazu, unternehmerisch zu denken. Er schätzt auch die Vorteile der Digitalisierung, etwa dass inzwischen fast alle eingehenden Belege im Mailfach und nicht in Aktenordnern landen.

Bürokratie macht den Koch zum Buchhalter

Aber es sei eben auch nicht einfach, immer mehr Zeit für Dokumentation und immer mehr Geld für IT-Dienstleitungen, Soft- und Hardware aufzubringen. Der Schermbecker Fleischer Norbert Hegemann hat deswegen im Sommer seinen Betrieb gleich ganz geschlossen (DZ+).

Ständig neue Auflagen und wachsende Bürokratie würden aus einem Koch einen Buchhalter machen, sagt Finke. „Früher war ich zu 80 Prozent an der Theke und zu 20 Prozent im Büro. Heute ist 70 Prozent Bürokram und 30 Prozent Theke.“

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