Kassetten gegen Kippenschachteln: Dorstener bringt Soundtrack zum Saubermachen raus

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Im Streaming-Zeitalter lebt die Kassette in der Nische weiter. Maximilian Gesing von der „Moody Roots Tape Station“ nimmt regelmäßig Tapes auf - das neueste soll auch der Umwelt helfen.

Dorsten

, 23.02.2020, 10:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Sie ist handlich, robust und bei Bandsalat hilft der Bleistift. Bis in die 90er gehörte die Musikkassette zu den wichtigsten Tonträgern. Heutzutage ist der Siegeszug des Musikstreamings nicht mehr aufzuhalten. Während die Anzahl der Audio-Streams in Deutschland laut dem Bundesverband Musikindustrie im Jahr 2018 auf fast 80 Milliarden gestiegen ist, hat sich der Absatz physischer Tonträger im zurückliegenden Jahrzehnt halbiert.

In der Nische leben Schallplatte, Kassette und Co. aber weiter. In Deutschland werden relativ konstant rund 100.000 Kassetten pro Jahr verkauft. „Ist halt ein Liebhaber-Ding“, sagt Maximilian Gesing.

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Der 28-jährige Dorstener ist auch so ein Liebhaber. Zwar weiß auch er die Vorteile von Streamingdiensten zu schätzen, aber es ist eben nicht dasselbe. „Tapes haben einen ganz eigenen Sound“, sagt Gesing. „Und es ist einfach schön zu wissen, dass sich da ein Tonband dreht und etwas passiert - das finde ich besser als nur Bits und Bytes.“ Besonders der basslastige und dumpfe Sound von Rapmusik komme per Kassette und dem richtigen Abspielgerät gut rüber.

Kleines Studio in der Feldmark

In seinem kleinen Studio in der Feldmark, der „Moody Roots Tape Station“, stehen gleich mehrere Tapedecks. Die braucht der 28-Jährige auch, denn er nimmt auf Anfrage regelmäßig Kassetten auf. Eher unbekannte Künstler erhalten so die Möglichkeit, auf Samplern Gehör zu finden. Bislang sei das zwar noch ein reines „Szene-Ding“. Weil die Nachfrage aber steige, kann er sich auch vorstellen, das vielleicht auch mal im kleinen Rahmen neben dem Studium gewerblich zu machen.

Gesings neuestes Non-Profit-Projekt trägt den Namen „Clean Up Tapes Vol. 1: One 4 Feldmark“ - eine Kassette mit 18 Instrumentalstücken von Produzenten aus ganz Deutschland, die Ende Februar in limitierte Auflage (50 Stück) erscheint.

Das "Clean Up Tape Vol. 1 - One 4 Feldmark" erscheint am 29. Februar in limitierter Auflage (50 Stück).

Das „Clean Up Tape Vol. 1 - One 4 Feldmark" erscheint am 29. Februar in limitierter Auflage (50 Stück). © Robert Wojtasik

„Wir wollen finanziell so gut es geht auf null kommen“, sagt Gesing. Was darüber hinaus eingenommen wird, soll zum Beispiel in Müllsäcke, Handschuhe und Greifzangen investiert werden. An einem schönen Tag im Frühling oder Sommer will er mit Freunden dann losziehen und und in seiner Nachbarschaft in der Feldmark aufräumen und dabei die „Saubermachen-Kassette“ laufen lassen.

„Es ist nicht so, dass es bei uns schmutzig ist“, betont Gesing. Der Wind wehe aber einiges in die Felder und Kippenschachteln und Bierflaschen auf kleinen Wegen sind ihm ein Dorn im Auge. Meckern will er deswegen nicht, „sondern einfach machen und im eigenen Umfeld anfangen“. Getreu dem Motto, das der gelernte Grafikdesigner, der Cover und Etiketten seiner Kassetten selbst gestaltet, auf das Cover des Clean Up Tapes geschrieben hat: „We can not change the world, but we can change our Hood.“

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