Bei der Schuleingangsuntersuchung prüft die Amtsärztin den Entwicklungsstand der zukünftigen i-Männchen. © picture alliance / Markus Scholz/dpa
Meinung

Kinder haben ein Recht auf Bildung – auch unter Pandemie-Bedingungen

Wenn ein Kind schulpflichtig wird, dann legen Eltern ein Stück weit die Verantwortung fürs Kind in die Hände von Lehrern. Daran können auch pandemische Rahmenbedingungen nicht rütteln. Ein Kommentar.

Eltern von Erstklässlern in Dorsten beschleicht Unwohlsein, dass ihre Kinder nach den Sommerferien womöglich unter schwierigen Pandemiebedingungen erstmals die Grundschule besuchen soll. Masken- und Testpflicht, Distanzunterricht – das wollen einige Eltern ihren Kindern ersparen. Sie möchten sie am liebsten noch ein Jahr zurückstellen lassen. Wenn die Luft 2022 wieder rein ist, dann steht einem unbeschwerten Schulanfang nichts mehr im Weg, denken sie.

Doch der Elternwille wiegt bei der Einschulung eines Kindes das Schulgesetz nicht auf. Es schreibt zwingend vor, dass Kinder nur dann zurückgestellt werden können, wenn erhebliche gesundheitliche Bedenken dafür sprechen.

Ob ein Kind schulreif ist oder für ein Jahr zurückgestellt werden soll, dafür geben kinder- und jugendmedizinische Expertise und am Ende die Schulleiter der einzelnen Schulen den Ausschlag – nicht die Eltern.

Großen Wert legen die medizinischen Gutachter und die Schulleitungen vor allem auf die emotionale und soziale Entwicklung der Schulneulinge. Kinder, die hier noch Defizite haben, sind besser in der Kita aufgehoben. Alle anderen müssen ran, ob es den Eltern behagt oder nicht. Emotional sind ihre Bedenken absolut nachvollziehbar. Das Recht auf Bildung wiegt aber schwerer als das Unbehagen der Eltern.

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Redaktion Dorsten
Seit 20 Jahren als Lokalredakteurin in Dorsten tätig. Immer ein offenes Ohr für die Menschen in dieser Stadt, die nicht meine Geburtsstadt ist. Das ist Essen. Ehefrau, dreifache Mutter, zweifache Oma. Konfliktfähig und meinungsfreudig. Wichtige Kriterien für meine Arbeit als Lokalreporterin. Das kommt nicht immer gut an. Muss es auch nicht. Die Leser und ihre Anliegen sind mir wichtig.
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Claudia Engel