Kippen-Dreck in Fußgängerzone von Dorsten: Stadt testet Gladbecker Saugermann

rnUmweltverschmutzung

Weil die Kehrmaschine dort noch nicht eingesetzt werden darf, verschandeln weggeworfene Kippen das neue Pflaster der Fußgängerzone in Dorsten. Nun wird eine Gladbecker Lösung getestet.

Dorsten

, 02.09.2019, 18:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Um der Verschmutzung durch achtlos weggeworfene Zigarettenkippen in den neu gepflasterten Bereichen der Fußgängerzone Herr zu werden, wird die Stadt testweise mit einem bereits seit einem Jahr in Gladbeck erfolgreich eingesetzten Rezept über das Pflaster ziehen.

„Anschließend wollen wir entscheiden, ob das auch für Dorsten eine Übergangslösung sein könnte“, sagt Johannes Windbrake, einer der beiden Geschäftsführer des Entsorgungsbetriebs Dorsten, auf unsere Anfrage.

Riesenstaubsauger

„Wir haben uns von der Stadt Gladbeck eine Art Riesenstaubsauger ausgeliehen“, so Windbrake. Dieser hört auf den Namen „Glutton“, stammt aus Belgien und trägt eine dreieckige 240-Liter-Mülltonne am Heck, die von einem Mitarbeiter gezogen wird.

Das Elektro-Gerät mit Turbo-Saugmotor und drei Meter langem Saugrüssel soll am heutigen Dienstag (3. September) um 9 Uhr zum Einsatz kommen.

Da sich die frischen Fugen des neuen Pflasters in der Lippestraße erst noch setzen müssen, kann die städtische Kehrmaschine nach Angaben der Stadt derzeit dort nicht reinigen.

Kippen-Dreck in Fußgängerzone von Dorsten: Stadt testet Gladbecker Saugermann

Die Stadt Dorsten leiht sich diesen Riesen-Staubsauger testweise von der Stadt Gladbeck. © Stadt Gladbeck

Die Folge: Vor allem in den Abflussrinnen und auf den neuen Baumscheiben sammeln sich Abfall und Kippen, was zu erheblichen Unmut bei Passanten geführt hat. „Getränkedosen und ähnlichen Müll haben wir in der Übergangszeit von Hand gesammelt, das ist bei Kippen aber nur eine bescheidene Lösung“, so Windbrake.

Die Berichterstattung in unserer Zeitung über die Verschandelung der neuen Fußgängerzone hatte kürzlich Dutzende von Leserkommentaren auf unserer Facebook-Seite hervorgerufen. Viele Diskussionsteilnehmer fordern dabei die Stadt auf, mehr Abfallbehälter mit Aschenbechern in der Fußgängerzone aufzustellen. „Mülleimer sind in der Stadt echt rar“, schrieb ein User: Es sei blöd, dass man seinen Abfall beim Einkaufsbummel „mit durch die Läden schleppen“ müsse.

„Glut von Kippe trennen“

Andere Bürger hingegen sind anderer Meinung. „Da können noch mehr Mülleimer hängen, die Kippen und der Müll würden trotzdem nicht ordnungsgemäß entsorgt“, so eine Userin. Ein anderer Leser appelliert an die Verantwortung der Raucher: Es sei Dreck, „für den die Kippenverursacher verantwortlich sind und nicht die Stadt“.

In die gleiche Kerbe schlägt ein anderer Facebook-Nutzer: Man könne auch die Glut von der Kippe trennen und den Filter zunächst mal in die Tasche stecken, schlägt er vor.

Die Stadtverwaltung sieht keinen Handlungsbedarf, die Zahl der bisherigen und im weiteren Verlauf des Innenstadtumbaus geplanten Mülleimer zu erhöhen. „Im öffentlichen Raum müssen viele Ansprüche berücksichtigt und gegeneinander abgewogen werden“, erklärt Pressesprecher Ludger Böhne auf unsere Anfrage. „Dem Anspruch, diesen Belangen Rechnung zu tragen, wird die Planung aus Sicht der Stadt gerecht.“

25 neue Abfalleimer

Die Anzahl, die Größe und die Standorte der Müllbehältnisse seien laut Böhne sowohl im Vorfeld der Planung im Baustellenbeirat als auch mit dem Entsorgungsbetrieb abgestimmt worden. In der Fußgängerzone werden 25 neue Mülleimer aufgestellt. Die Mülleimer verteilen sich abschließend wie folgt: obere Lippestraße (3), mittlere Lippestraße/Im Kühl/Hühnerstraße (4), Klosterstraße/Franziskanerkloster (3), untere Lippestraße (1), Marktplatz (4), Essener Straße (3), Agathakirche/Ursulastraße (3), Recklinghäuser Straße (3).

Um überlaufende Mülleimer zu vermeiden, sei das Fassungsvolumen der einzelnen Behälter von bisher 40 Liter auf jetzt 80 Liter verdoppelt worden.

Kippen-Dreck in Fußgängerzone von Dorsten: Stadt testet Gladbecker Saugermann

Die Stadt Dorsten will insgesamt 25 Mülleimer mit integriertem Aschenbecher in der Fußgängerzone aufstellen. © Robert Wojtasik

Im Gegensatz zu den Kunststoffbehältnissen der Vergangenheit haben die neuen Edelstahlbehälter alle einen integrierten Aschenbecher, in dem Zigaretten ausgedrückt und entsorgt werden können.

Die Müllbehälter werden laut Böhne ganz bewusst nicht unmittelbar neben den Bänken positioniert, weil Essensreste Wespen anlocken und eine mögliche Geruchsentwicklung ebenfalls die Nutzbarkeit der Bänke beeinträchtigt.

SPD fordert drastische Maßnahmen

„Niemand muss seine Zigarette oder seinen Müll leichtfertig auf der Straße oder in den Grünanlagen entsorgen“, so die Folgerung der Stadt. „Dies sollte auch nicht toleriert werden.“ Das meint auch die Dorstener SPD. Sie hat aufgrund unserer Berichterstattung einen Antrag gestellt, das Thema auf der nächsten Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses zu machen.

Die Politik, so die SPD, solle die Stadtverwaltung beauftragen, die Verunreinigung in der Fußgängerzone durch Zigarettenkippen als Ordnungswidrigkeit mit drastischen Bußgeldern in Höhe von mindestens 50 Euro zu sanktionieren.

„Mehr Ordnungskräfte abends nötig“

„Zu ergänzen wäre hier eine weitere Hinterlassenschaft wenig sozial agierender Zeitgenossen: eine Vielzahl von Kaugummis“, so Fraktionsvorsitzender Friedhelm Fragemann in dem Antrag. „Dazu ist es notwendig, mehr Ordnungskräfte einzusetzen, eventuell auch in den Abendstunden, um effektiver gegen die Verursacher der Verschmutzung vorzugehen und diese zur Rechenschaft ziehen zu können“, betont Fragemann.

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