Bäume retten vor der eigenen Haustür

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Die Trockenheit und Hitze spüren auch Bäume in Wohnquartieren. Wer dem Baum vor seiner eigenen Haustür helfen will, der kann Pate werden. So gestalten die Stadtsfelder die Baumscheiben.

Dorsten

, 23.09.2020, 14:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Das Komponistenviertel im Stadtsfeld hat sich gewandelt in den vergangenen Jahren und die Bewohner tragen einiges dazu bei. Der auffälligste Trend: Baumscheiben gestalten. Bundesweit kümmern sich Anwohner um die Bäume vor ihrer Haustür, bewässern und pflegen sie.

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Kleine Beete rund um den Straßenbaum gestalten

Die Ideenfabrik Stadtsfeld wollte das Baumscheiben-Gestalten bekannter machen und „systematisch an die Sache rangehen“, wie Gerhard Jendrzey erklärt. Im April 2018 informierte er seine Nachbarn über die von der Stadt neu bepflanzten Baumscheiben und bat in einem Brief darum, die Bodendecker zu gießen, damit sie sich gut entwickeln. „Gemeinsam haben wir die Chance, mit geringem Aufwand unser Wohnumfeld positiv zu gestalten“, schrieb er damals.

Seine Ehefrau Claudia Jendrzey und Nachbarin Karen Perplies gehen mit gutem Beispiel voran. Im Wendehammer der Franz-Liszt-Straße steht eine Eiche, die von den Frauen täglich mit zwei Kannen Wasser versorgt wird. „Der Baum saugt fast alles an Feuchtigkeit auf“, weiß Gerhard Jendrzey. Das sei problematisch, man müsse deshalb genau überlegen, welche Bepflanzung man für die Baumscheibe wähle. Trotz Hilfe wirkt der Baum gestresst: Überall liegen die Früchte des Baums; Eicheln soweit das Auge reicht. Karen Perplies und Claudia Jendrzey haben einen halben Eimer voller Eicheln mit Harke und Besen aus dem Beet zusammengeklaubt.

Claudia Jendrzey und Karen Perplies (v. l.) kümmern sich um die Eiche in ihrem Wendehammer.

Claudia Jendrzey und Karen Perplies (v. l.) kümmern sich um die Eiche in ihrem Wendehammer. © Lydia Heuser

110 Grünflächenpaten in Dorsten

Inmitten des Beets weist ein kleines Schild darauf hin, dass die Anwohner für die Grünfläche eine Patenschaft übernommen haben. „Es reicht nicht, einzelne Personen auf die Patenschaft anzusprechen“, so Gerhard Jendrzey zu den Schildern. Die Ideenfabrik machte vor Corona auch durch Informationsveranstaltungen auf die Gestaltungsmöglichkeiten aufmerksam. 110 Patenschaftsverträge hat die Stadt aktuell mit Dorstenern abgeschlossen. Diese können ganz unterschiedlich aussehen: Rasenmähen auf einem Bolzplatz, Blühstreifen am Straßenrand pflegen oder Bäume gießen und deren Baumscheiben gestalten.

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Bodendecker, Stauden und Blumenzwiebeln

Das Ehepaar Herchl wird ab Oktober eine Patenschaft übernehmen. Den Ahorn am Leharweg kennen sie schon seit 30 Jahren, damals bezogen sie hier ihr Eigenheim. „Wir haben immer mal Blätter weggefegt“, erklärt Herbert Herchl. Nun soll es aber offiziell werden. „Die Felsenbirne wollen wir stehen lassen“, erläutert Ursula Herchl die Pläne. Der Zierstrauch wächst zwischen Baum und Gehweg. Zur Straße hin ist die Baumscheibe blank – Ursula Herchl hat an Bodendecker gedacht, vielleicht immergrünen Bergilex und ein paar Blumenzwiebeln für das Frühjahr, für den Herbst dann vielleicht noch Stauden. Zunächst muss die Stadt aber den Boden zur Bepflanzung vorbereiten. „Wir bekommen Mutterboden geliefert und Ratschläge zur Bepflanzung.“

Herbert und Ursula Herchl wollen ab Oktober diesen Ahorn offiziell pflegen und die Baumscheibe gestalten.

Herbert und Ursula Herchl wollen ab Oktober diesen Ahorn offiziell pflegen und die Baumscheibe gestalten. © Lydia Heuser

Ein paar Straßen weiter steht ein prächtiger Ginko. Das Hinweisschild bestätigt den ersten Eindruck: Auch dieser Baum hat Paten. Gerhard Jendrzey weiß, dass die Paten die Bepflanzung der Jahreszeit anpassen, vieles ist bereits verblüht. Vereinzelt stehen noch zartrosafarbene Nelkenblüten zwischen Erika und Lavendel.

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Die liebevolle Gestaltung der kleinen Beete zeigt: Die Paten sehen die Baumscheiben als Verlängerung des eigenen Vorgartens. „Manche kümmern sich auch einfach so um den Baum vor ihrer Haustür, ohne einen Vertrag abzuschließen“, weiß Jendrzey.

Die Stadt behält weiterhin die Verkehrssicherungspflicht, muss sich somit um morsche Äste kümmern und sicherstellen, dass die Bäume nicht zur Gefahr für Passanten und Verkehr werden. Wer Interesse an einer Baumpatenschaft hat, der kann sich mit der Stadt in Verbindung setzen. Stadtsfeld-Bewohner können eine E-Mail an ideenfabrik@stadtsfeld.de schreiben.

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