Dorstener Norden lechzt nach Wasser - der Blaue See soll es liefern

rnKlimawandel in Dorsten

Der Dorstener Norden sitzt auf dem Trockenen. Landwirte etwa dürfen kein Grundwasser mehr für die Bewässerung ihrer Felder entnehmen. Die Lage ist dramatisch.

Dorsten

, 22.07.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der Hammbach hat ein Problem: Er trocknet zeitweise aus. In den vergangenen Sommern hat sich das besorgniserregend regelmäßig gezeigt. Grund dafür ist, dass es „vielfältige Nutzungsansprüche“ an das Grundwasser gibt, wie die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) sagt. Landwirte brauchen viel Grundwasser für die Bewässerung ihrer Felder. Im Dorstener Norden sitzen sie auf dem Trockenen. Denn die Ampel für die Grundwasserentnahme steht auf Rot.

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In Trockenjahren braucht die Landwirtschaft in Dorsten laut Lippe Wassertechnik GmbH, ein Tochterunternehmen des Lippeverbandes, bis zu 27 Millionen Kubikmeter Wasser jährlich. Die bisherigen Wasserrechte sehen aber nur 2,34 Millionen Kubikmeter vor. „Das ist auch bei Nutzung der gepumpten Wässer im Süden nicht machbar“, stellt Projektleiter Dr. Johannes Meßer von Lippe Wassertechnik in einem umfassenden Abschlussbericht zu dem Maßnahmenkonzept für die „konkurrierende Wassernutzung im Einzugsgebiet des Hammbachs/Dorsten“ fest. Zurzeit beschäftigen sich Akteure, Wasserversorger und -verbraucher mit Einzelheiten.

Der Dorstener Süden soll es richten

Ein Vorschlag ist: Dass der Dorstener Süden, der Bereich nördlich der Lippe, dem Dorstener Norden aus der Patsche hilft. Lippe Wassertechnik stellt sich das so vor: „An den Pumpwerken Hammbach und Marienviertel stehen mindestens 9 Millionen Kubikmeter Wasser/Jahr zur Verfügung. Die Infrastruktur zur Hebung des Wassers in den Blauen See ist bereits vorhanden, um diesen als Zwischenspeicher zu nutzen. Das Wasser wird regelmäßig überwacht und ist für eine Versickerung geeignet. Das Wasser müsste von dort zirka zehn Kilometer nach Norden transportiert und nördlich von Rhade versickert werden, zum Ausgleich der Wasserbilanz im gesamten Bereich. Damit könnten weitere Wasserrechte vergeben werden. Eine Stützung des Wasserhaushaltes im Deutener Moor und in den Rhader Wiesen wäre zusätzlich sinnvoll“, heißt es.

Die Wasserrechte, so die Feststellung im Bericht der Lippe Wassertechnik, „schöpfen das derzeit verfügbare Grundwasserdargebot aus“ - eine Sorge, die die Nachbargemeinde Dorstens, Schermbeck, seit Längerem umtreibt. Seitdem die Bezirksregierung Münster Wasserrechte von 25 Millionen Kubikmeter an RWW bewilligt hat, ist die Sorge in Schermbeck groß, dass die den RWW genehmigten Grundwasserfördermengen in der Üfter Mark „das ökologische System überfordern“.

Was kann im Norden unternommen werden?

Vor diesem Hintergrund wird geprüft, wie der Dorstener Norden zuverlässig mit Grundwasser versorgt werden kann, ohne dass der Hammbach austrocknet oder die Grundwassermengen erschöpft werden. Im Auftrag der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) hat die Lippe Wassertechnik mit Unterstützung des Lippeverbandes und der Rheinisch-Westfälischen Wasserwerke geprüft, was notwendig ist, damit die Reservoirs in Dorsten geschont werden. Eine Fortführung des Projektes ist geplant.

Ampelkarte als Entscheidungshilfe für Wasserrechte

Um dem Trockenfallen des Hammbaches entgegenzuwirken, hat das Unternehmen Lippe Wassertechnik ein Maßnahmenkonzept entwickelt, „das unter anderem das Schließen von Entwässerungsgräben sowie eine Ampelkarte als Entscheidungshilfe für die Wasserentnahme enthält“, wie die DBU mitteilt. Steht die Ampel so wie jetzt auf Rot, darf kein Wasser mehr zusätzlich entnommen werden: „Die Situation ist angespannt“, sagt Meßer.

Lippe Wassertechnik empfiehlt daher, dass oberhalb „des Pegels Hammbach keine Entnahmen aus den Fließgewässern oder aus ihrem direkten Umfeld erlaubt werden“. Weitere Maßnahmen sind „Umbau der Wälder in Laub- bzw. Mischwälder im Einzugsgebiet des Rhader Baches oder Mühlenbaches“ sowie die Aufhebung von Dränagen. Darüber wird zu reden sein.

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