Joanna Dziekan-Elies möchte in den Integrationsrat einrücken

rnKommunalwahl in Dorsten

Es gibt eine Kandidaten-Liste für den Integrationsrat. Und es gibt Joanna Dziekan-Elies. Die gebürtige Polin stellt sich als Einzelkämpferin zur Wahl. Dafür hat sie Gründe.

Dorsten

, 09.09.2020, 15:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Dorstenerin Joanna Dziekan-Elies lebt seit 23 Jahren in Dorsten. „Ich bin eine Ausländerin, die sich 1000 Kilometer weit entfernt verliebt hat“, sagt die 49-Jährige. Die Liebe zu ihrem Mann habe sie nach Dorsten geführt. Hier lebt sie, wie viele andere Menschen mit Migrationshintergrund auch, im Stillen. „Ich arbeite und zahle Steuern.“

Als Kandidatin für den neuen Integrationsrat der Stadt möchte sie den „stillen Mitbürgern“ eine Stimme verleihen: „Wenn Sie für mich stimmen, stimmen Sie für sich selbst, Sie stimmen für uns Migrantinnen und Migranten“, wirbt die 49-Jährige für das Kreuzchen an ihrem Namen.

Sie findet das Bild, das von Migranten in Dorsten besteht, „unvollständig“. Wahrgenommen würden in der Hauptsache Menschen mit Problemen, nicht solche, die unauffällig in der Mitte der Gesellschaft angekommen sind. „Migranten sind nicht nur Flüchtlinge.“ Und: „Das Bild, das Politik von uns hat, muss in die Breite gezogen werden.“

Mit ihrer Wahlwerbung zielt sie insbesondere auf ihre Landsleute in Dorsten ab. Dorsten habe zwei große Einwanderergruppen, neben den Türken eben auch Polen, die hier heimisch geworden sind. Die Europäer seien unterrepräsentiert unter den Wahlkandidaten, sagt die 49-Jährige.

Keine Wahlbenachrichtigungen bekommen

Und auch die Wahlberechtigten hätten Probleme, hat sie in Gesprächen festgestellt. „Einige haben keine Wahlbenachrichtigung bekommen, weil sie nicht im Wählerverzeichnis stehen. Viele scheuen aber den Gang zum Wahlamt, um das Versäumnis aufzuholen. Das finde ich nicht gut“, so Joanna Dziekan-Elies.

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Der Integrationsrat der Stadt, der jetzt erstmals gewählt wird, weil es mehr als 5000 ausländische Einwohner in Dorsten gibt, wird 15 Mitglieder haben. Zehn sind Menschen mit Migrationshintergrund, fünf werden vom Rat delegiert. Der Integrationsrat soll Teilhabe und Chancengleichheit von Migranten im Blick behalten. Joanna Dziekan-Elies sieht einen guten Ansatz in Schulen: „Es wäre doch schön, wenn Kinder Polnisch oder Türkisch in Schulen lernen können von Lehrern, die aus diesen Ländern stammen.“ Dabei würde dann auch vermittelt, „wie man Integration würdig und friedlich betreiben kann“.

Anerkennung ausländischer Bildungsabschlüsse fehlt

Die Anerkennung ausländischer Bildungsabschlüsse in Deutschland sei ein Problem für Migranten. Dziekan-Elies hat das selbst erlebt: „Ich habe an der schlesischen Universität einen Masterabschluss in Psychologie und Pädagogik mit 1,0 erworben. Hier zählt er nicht“, sagt sie. Dziekan-Elies hat daraufhin erneut studiert: Sozialpädagogik. Seit ihrem Abschluss arbeitet sie beim LWL und begleitet junge Geflüchtete aus dem Nahen Osten: „Das ist eine tolle Erfahrung.“

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