Mit viel Leidenschaft stehen Julia Imping und ihre Mitarbeiter jede Nacht in der Backstube. Die Kostenexplosion in vielen Bereichen werden bald auch die Kunden merken. © Stefan Diebäcker (Archv)
Brötchenpreise

Kostenexplosion in der Backstube: Brötchen & Co. werden in Dorsten teurer

35 Cent für ein Brötchen - das ist mittlerweile Alltag an den Backtheken in Dorsten. Doch die nächste Preiserhöhung kommt schon bald. Experten machen sogar eine Horror-Rechnung auf.

Alles wird teurer. Das merken Julia und Christoph Imping jeden Tag. Die Geschwister führen mit Vater Hermann Dorstens bekannteste Bäckerei. Im Sommer erst haben sie beispielsweise den Preis für ein Brötchen um einen auf 35 Cent erhöhen müssen, doch schon bald wird wohl das gesamte Sortiment erneut teurer. „Wir können gar nicht anders“, sagen sie.

Da sind die Benzinkosten. Das Familienunternehmen betreibt 20 Fachgeschäfte in Dorsten, Schermbeck und Raesfeld-Erle, in Recklinghausen und Marl. Die regelmäßige Belieferung aus der Zentrale auf der Hardt macht sich an der Zapfsäule bemerkbar. Doch die wahre Kostenexplosion findet in der Backstube statt.

Es geht nicht nur um Gas und Strom, steigende Löhne und eine Inflation, die „so hoch ist wie seit Jahren nicht mehr“. Die Rohstoffe vor allem sind in den letzten Monaten teurer geworden, bestätigt Julia Imping, die auch Obermeisterin der Bäckerinnung im Kreis Recklinghausen ist.

Zucker-Preis um 40 Prozent gestiegen

Getreide kostet laut Statistischem Bundesamt ein Drittel mehr als vor einem Jahr, Zucker sogar 40 Prozent. Mehl, Butter, Eier – weitere wichtige Zutaten – steigen ebenfalls kontinuierlich im Preis. Und dann sind da noch die Lieferkosten – wenn denn überhaupt geliefert werden kann. „Engpässe gibt es natürlich“, betont Christoph Imping, „aber die Versorgung ist gesichert.“

Übrigens auch mit Kaffeebechern, auch wenn bei ihnen seit einiger Zeit der Imping-Aufdruck fehlt. Die Verpackungen für die beliebten Stollen hat die Familie schon zu Beginn des Jahres nachgeordert. Julia und Christoph Imping hoffen, dass die Kartons bald eintreffen.

An einer Preiserhöhung führt für sie kein Weg vorbei. „Anfang nächsten Jahres“ könnte es soweit sein, sagt Christoph Imping. Ob ein normales Brötchen dann 36, 37 oder gar 38 Cent kostet, vermag er jetzt noch nicht zu sagen. Aber sicherlich nicht so viel, wie der Branchendienst, die „Bäckerzeitung“, in dieser Woche gewarnt hat: Würden Betriebe alle Kosten, die sie aktuell haben, an die Verbraucher weitergeben, so müssten Brötchen „bald weit über einen Euro kosten“.

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Redaktionsleiter in Dorsten
Veränderungen gab es immer, doch nie waren sie so gravierend. Und nie so spannend. Die Digitalisierung ist für mich auch eine Chance. Meine journalistischen Grundsätze gelten weiterhin, mein Bauchgefühl bleibt wichtig, aber ich weiß nun, ob es mich nicht trügt. Das sagen mir Datenanalysten. Ich berichte also über das, was Menschen wirklich bewegt.
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Stefan Diebäcker