St.-Elisabeth-Krankenhaus: Verstorbene hatten Vorerkrankungen

rnCoronavirus

Das Elisabeth-Krankenhaus kehrt ganz vorsichtig und in kleinen Schritten zur Normalität zurück. Auf Corona-Patienten und ihre Intensivbehandlung ist man dort trotzdem jederzeit gefasst.

Dorsten

, 17.05.2020, 08:30 Uhr / Lesedauer: 3 min

Das Dorstener St.-Elisabeth-Krankenhaus hatte schon immer eine Isolierstation. Ärzte und Pflegekräfte waren es gewohnt, dort Patienten mit infektiösen Erkrankungen zu behandeln. Doch die Corona-Pandemie hat viele Routinen gesprengt, das Dorstener Haus des Klinikverbundes KKRN hat sich wie alle Krankenhäuser angesichts der alarmierenden Bilder aus Italien in der Krise ganz neu aufgestellt.

Erste vorsichtige Lockerungen

Jetzt gibt es auch hier die ersten vorsichtigen Lockerungen. Die allerdings jederzeit ganz schnell wieder zurückgenommen werden, wie Dr. Andreas Weigand, der medizinische Geschäftsführer der KKRN, in einem Pressegespräch betont: „Weil wir das ja bereits geübt haben, ginge das diesmal sehr schnell.“ Das gilt übrigens auch für die etwas gelockerte Besuchsregel, die ab 18. Mai gelten soll und pro Patient pro Tag einen Besucher für eine Stunde erlaubt. Sollten diese Besuche nicht eigenverantwortlich auf ein notwendiges Mindestmaß beschränkt werden, könne das Krankenhaus auch wieder „dicht gemacht“ werden.

Von 35 Patienten sind zwei im Krankenhaus gestorben

Selbstverständlich hofft die gesamte Krankenhausleitung, dass es keine Rückschritte gibt. Aber Dr. Norbert Holtbecker, Chefarzt der Lungenklinik, verhehlt nicht, dass die Situation unberechenbar sei, auch die Fachärzte jeden Tag hinzulernten und die Komplexität von Covid-19 noch längst nicht zu Ende erforscht sei. 35 Erkrankte hat er mit seinem Team bisher betreut, die Zahl der Verdachtspatienten war wohl dreimal so hoch.

Auch in Dorsten sind derzeit genügend Intensivbetten für Corona-Patienten frei. (Symbolbild)

Auch in Dorsten sind derzeit genügend Intensivbetten für Corona-Patienten frei. (Symbolbild) © AFP

Zwei Patienten seien im Krankenhaus in Dorsten gestorben, zwei nach ihrer Verlegung in Spezialkliniken, einer der Dorstener Todesfälle in der amtlichen Statistik sei gar nicht im Krankenhaus gewesen. „In allen Fällen war das Alter nicht das Hauptproblem“, berichtet Dr. Holtbecker, „sondern die Vorerkrankungen, die die Patienten schon vor der Ansteckung mit Corona hatten.“ Aber generell könne man schon sagen, dass alte Menschen schwerer von Covid-19 genesen.

70 zusätzliche Pflegekräfte verstärken die Intensivstation

Auf der Intensivstation tragen im Normalbetrieb rund 100 Pflegekräfte dazu bei, dass schwerkranke Patienten jede Behandlung bekommen, die sie brauchen. In Erwartung zahlreicher Coronafälle wurde diese Zahl um 70 aufgestockt.

Pflegedirektorin Hiltrud Hachmöller ist dem gesamten Team sehr dankbar für die spontane Bereitschaft zu Mehrarbeit und vorübergehenden Versetzungen - auch auf ungewohntes Terrain. „Wir haben dem Personal viel abverlangt.“

Der frühe Aufruf des Hauses an ehemalige oder gerade pausierende Mitarbeiter, in der Krise wieder zur Mannschaft zu stoßen, habe eine überwältigende Resonanz gehabt. Die Stärkung des Teamgedankens und das Einreißen von Mauern zwischen den vielen Professionen des Krankenhauses sei ohne Zweifel auf der sonst wohl eher schmalen Haben-Seite des Coronavirus‘ zu verbuchen.

Corona-Mehrkosten belasten die Bilanz

Neben schweren Erkrankungen und Todesfällen wiegt auf der Corona-Soll-Seite die wirtschaftliche Situation des Krankenhauses schwer. Der Kaufmännische Betriebsleiter Guido Bunten blickt mit Sorge auf die Zahlen, die zum Beispiel durch die zahlreichen Tests belastet sind.

Jeder Patient muss sich im St.-Elisabeth-Hospital einem Corona-Test unterziehen. (Symbolbild)

Jeder Patient muss sich im St.-Elisabeth-Hospital einem Corona-Test unterziehen. (Symbolbild) © picture alliance/dpa

Jeder Patient, der ins Krankenhaus kommt, wird getestet. Bis das Testergebnis vorliege, werde der Patient in einem Aufnahmezimmer untergebracht. Erst bei einem negativen Testergebnis gehe es auf Station.

Getestet werden selbstverständlich auch Mitarbeiter, die möglicherweise mit einem Infizierten in Kontakt gekommen sind. Manchmal würden pro Tag bis zu 50 Abstriche gemacht, deren Refinanzierung noch völlig ungewiss sei. Dr. Weigand: „In Fallpauschalen sind diese Kosten auf jeden Fall nicht eingepreist.“

70.000 Schutzmasken in einer Lieferung vom Land

Auch das zusätzliche Schutzmaterial schlägt zu Buche, denn es ist seit Ausbruch der Pandemie unverhältnismäßig teuer geworden. Manchmal bereitet auch die Lieferzeit Kopfzerbrechen. Umso freudiger wurde von Bärbel Hoffmann, der Fachkrankenschwester für Krankenhaushygiene, die Ankündigung des Landes aufgenommen, das dem Klinikverbund für Freitag (15. Mai) unter anderem 45.000 FFP2-Masken und 26.500 Mund-Nasen-Schutzmasken über den Krisenstab des Kreises avisierte. Das Krankenhaus halte zwar stets einen Vorrat an Schutzausrüstungen für vier Monate bereit, da aber allein bei der Behandlung jedes Isolierpatienten am Tag zehn FFP2-Masken gebraucht würden, seien solche Vorräte allerdings schnell aufgebraucht.

Nicht nur die Vorratshaltung scheint sich zu normalisieren, auch der Krankenhausbetrieb habe schon wieder 70 Prozent des Normalmaßes erreicht, sagt Weigand. Notwendige Operationen bei Krebspatienten oder operative Notfallbehandlungen seien ohnehin nicht vom Lockdown betroffen gewesen. Jetzt gehe es darum, auch die sogenannten elektiven Maßnahmen wieder durchzuführen, die bislang einen Aufschub vertragen haben.

Chefarzt: „Eine Heilungschance gibt es auf jeden Fall“

Derweil sind die Fachärzte an der Corona-Front jederzeit darauf gefasst, kritisch erkrankte Patienten zu versorgen. Dr. Holtbecker: „Corona hat die Besonderheit, dass sich die Krankheit oft erst eine Woche nach ihrem Ausbruch böse verschlimmert und auf die Lunge übergreift. Die kritischsten sind die Tage 10 und 11 im Krankheitsverlauf.“ Da komme es dann auf eine ausreichende Sauerstoffversorgung bei gleichzeitig lungenschonender Beatmung an. So knifflig das mit der Beatmung auch sei, der Arzt macht Hoffnung: „Eine Heilungschance gibt es auf jeden Fall.“

Lesen Sie jetzt