Sabine Fischer (Leiterin Stadtagentur), Tobias Dalhaus (Hofbesitzer) und Hans Rommeswinkel (Planungsamt der Stadt) im Ruhr-Kultur-Garten am Hof Dalhaus in Altendorf-Ulfkotte. © Michael Klein
Ruhr-Kultur-Garten

Lange vernachlässigt: Doch nun erblüht Vorzeigeprojekt zu neuem Leben

Er gehörte in Dorsten zu den Lieblings-Sehenswürdigkeiten im Kulturhauptstadtjahr „Ruhr.2010“. Jetzt werden hier mit vereinten Kräften wieder Natur, Kunst und Landwirtschaft vereint.

Noch sind die jungen Obstbäume am Wegesrand klein, doch irgendwann sollen sie eine richtige Allee bilden, die die Besucher vom Hofgebäude zur Streuobstwiese geleiten wird.

Auch dort, bei den 53 Apfelbäumen hat sich in den vergangenen Wochen einiges getan: Der Weg für Fußgänger und Radler ist erneuert worden, es gibt neue Pflanzen, Bäume, sogar eine Stele des Dorstener Künstlers Ralf Pohlmann ist hinzugekommen.

Ruhr.2010-Vorzeigeprojekt

Alles Maßnahmen, um ein zwischenzeitlich in Vergessenheit geratenes Dorstener Vorzeigeprojekt des Kulturhauptstadtjahres „Ruhr.2010“ wieder aufzuwerten.

Denn der neue Besitzer vom Hof Dalhaus am Achterfeld in Altendorf-Ulfkotte will den „Ruhr-Kultur-Garten“ auf seinem Grundstück mit Partnern wie der Stadt Dorsten und der Biologischen Station Lembeck zu neuem Leben erblühen lassen.

„Wir wollen Naturschutz, Kunst und Landwirtschaft miteinander verbinden“, betont Dr. Tobias Dalhaus, der mit Lebensgefährtin Dr. Tanja Groher den Hof von seinem Vater übernommen hat. Der Agrarwissenschaftler hat eine Assistenzprofessur an der Universität Wageningen inne, „da habe ich viel mit Natur- und Klimaschutz zu tun“, sagt er.

Streuobstwiesen haben nicht nur eine lange Vergangenheit und spielen deshalb eine wichtige Rolle im regionalen Landschaftsbild. „Indem wir hier alte Obstsorten erhalten, bieten wir auch heimischen Tier- und Pflanzenarten einen Lebensraum“, sagt Tobias Dalhaus. Sogar der Steinkauz habe sich hier angesiedelt.

Natur und Kultur im Einklang

Doch mit seiner Lebensgefährtin will er nicht nur die alteingesessenen Baumarten fördern. „Wir wollen ein Bewusstsein für den Einklang von Natur und Kultur schaffen“, sagt er. Und damit der Ursprungsidee des Ruhr-Kultur-Gartens zum Comeback verhelfen.

Sabine Fischer (Leiterin Stadtagentur), Tobias Dalhaus (Hofbesitzer) und Hans Rommeswinkel (Planungsamt der Stadt) im Ruhr-Kultur-Garten am Hof Dalhaus in Altendorf-Ulfkotte.
Die Reaktivierung des Ruhr-Kultur-Gartens wird mit fast 60.000 Euro an Landesmitteln gefördert. © Privat © Privat

2010 hatten Kulturhauptstadt-Chef Fritz Pleitgen und der damalige RVR-Geschäftsführer Heinz-Dieter Klink das im Zuge eines Kunstprojekts hergerichtete große Stück Grün eröffnet. 53 verschiedene Apfelsorten stellten maßstabsgetreu die Städte des Ruhrgebietes dar – vom „Gewürzluiken“ für Fröndenberg im Osten bis hin zur „Schafsnase“ für Sonsbeck im Westen.

Gahlenscher Kohlenweg

Und inmitten der Anlage war der Gahlensche Kohleweg, ein historischer Transportweg für Kohle, symbolisch nachgebildet worden. Mitglieder des Kunstvereins „Virtuell-Visuell“ bestückten den Kulturgarten mit Kunstwerken.

Noch heute kommen hier Besucher vorbei – auch wenn sich der Ruhr-Kultur-Garten zwischendurch stark vernachlässigt zeigte: Wackelnde Sitzbänke, vergilbte Informationstafeln, einige Obstbäume waren eingegangen, die Kunstwerke bis auf die „Heilige Barbara“ im Glaskasten verschwunden. Auf Anregung der SPD stellte die Stadt Dorsten einen Förderantrag beim Land. Mit Erfolg. Für den Ruhr-Kulturgarten wurden knapp 60.000 Euro bewilligt, mit dem das Gelände derzeit auf Vordermann gebracht wird.

Freudenberg-Nützling

Damit wurden einige der abgestorbenen Städte-Bäume ersetzt – auch der „Freudenberg-Nützling“, der Dorsten repräsentiert hatte. Es wurden 600 Meter Wegstrecke erneuert, sie bilden nicht nur einen Rundweg um den Obsthain, sondern auch eine Verbindung zwischen den Straßen „Achterfeld“ und „Buerelter Weg“.

Auch dieser Steinkauz hat im Ruhr-Kultur-Garten angesiedelt.
Auch dieser Steinkauz hat im Ruhr-Kultur-Garten angesiedelt. © Privat © Privat

Bodendecker sorgen dafür, dass die Wiese noch artenreicher geworden ist, die Flüsse Rhein, Ruhr und Lippe werden durch blau blühende Pflanzen in Szene gesetzt. Und der Verlauf des Gahlenschen Kohlenwegs wird durch dunkle Basaltsteine angedeutet.

Neue Infotafeln und Sitzmöglichkeiten wie eine „Wellenliege“ sind ebenso geplant wie mehr Öffentlichkeitsarbeit, „wir wollen außerdem 53 Paten akquirieren“, sagt Sabine Fischer.

Viel Potenzial für Stadtagentur

Für die Leiterin der Stadtagentur hat die unmittelbare Umgebung des Ruhr-Kultur-Garten eine Menge Potenzial. „Als Ort für Kunstausstellungen, für kleinere Musikveranstaltungen oder für Lesungen“, sagte sie.

Aber auch als (rad-)touristisches Ziel. So ließen sich der Führungen der Stadtinfo zum Thema „Kunst im öffentlichen Raum“ mit Projekten im Stadtsfeld bis hin zum Ruhr-Kulturgarten verbinden.

Auch Hans Rommeswinkel vom Planungsamt der Stadt sieht eine Menge Entwicklungsmöglichkeit für den Ort, ökologisch und ökonomisch. „Bislang wird Landwirtschaft in Dorsten in der Öffentlichkeit immer mit den nördlichen Dörfern verbunden“, sagt er. „Dass es im Süden auch Höfe gibt, vergisst man leicht.“

Urbane Landwirtschaft

„Urbane Landwirtschaft“, nennt er das, sie habe durchaus Chancen, sich und ihre Produktangebote zu vernetzen. „Das kann bis zur Brennerei Böckenhoff und über die Stadtgrenzen hinaus gehen.“

Der Saft aus den Äpfeln des Ruhr-Kultur-Gartens wird als
Der Saft aus den Äpfeln des Ruhr-Kultur-Gartens wird als „Appelpulle“ im Hofladen verkauft. © Privat © Privat

Hof-Eigentümer Tobias Dalhaus nennt Beispiele. „Allein auf unserer Straße gibt es Freilandeier, Strohschwein und von uns den Spargel, die Weidehähnchen sowie den Hofladen, den wir verpachtet haben.“ Zudem sei die Lage hervorragend, um den „Agro-Tourismus“ anzukurbeln. „Wer aus Städten des nördlichen Ruhrgebiets raus aufs Land will, für den sind wir doch eigentlich die erste Adresse“, sagt er.

Wenn die Corona-Zeit vorbei ist, sollen die ersten Kunst-und-Natur-Veranstaltungen stattfinden, auch wieder die beliebten Hoffeste am 1. Mai oder das Apfelfest am 3. Oktober.

„Achterfelder Appelpulle“

Dann wird sicherlich auch der gesunde Tropfen kredenzt, den es auch im Hofladen zu kaufen gibt: die „Achterfelder Appelpulle“. „Ein selbstgemachter und einzigartiger Streuobstwiesenapfelsaft im Geschenkflaschenformat, dessen Einnahmen wir für den Erhalt des Ruhr-Kultur-Gartens verwenden.“

Über den Autor
Redaktion Dorsten
Geboren 1961 in Dorsten. Hier auch aufgewachsen und zur Schule gegangen. Nach erfolgreich abgebrochenem Studium in Münster und Marburg und lang-jährigem Aufenthalt in der Wahlheimat Bochum nach Dorsten zurückgekehrt. Jazz-Fan mit großem Interesse an kulturellen Themen und an der Stadtentwicklung Dorstens.
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Michael Klein