Langzeitarbeitsloser bekommt Job trotz Krankheit - ein Gesetz macht es möglich

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Trotz zweier Ausbildungen war der Dorstener André Lankes Langzeitarbeitsloser. Dank eines neuen Gesetzes hat er jetzt in der Radstation eine „zweite Familie“ gefunden.

Dorsten

, 31.01.2020, 10:30 Uhr / Lesedauer: 3 min

André Lankes ist 32 Jahre alt und sowohl gelernter Elektriker als auch Industriekaufmann. Beide Ausbildungen hat der Dorstener mit Bravour abgeschlossen. Trotzdem war er mehrere Jahre arbeitslos. Dass er jetzt in der Radstation eine, wie er sagt, „zweite Familie“ gefunden hat, hat er einem Gesetz mit einem sperrigen Namen zu verdanken.

Teilhabechancengesetz heißt es und soll in NRW seit rund einem Jahr dafür sorgen, dass Langzeitarbeitslose eine berufliche Perspektive bekommen. André Lankes gehört genau zur Zielgruppe der Maßnahme: Er ist über 25 Jahre alt und hat in den letzten sieben Jahren mindestens sechs Jahre Arbeitslosengeld bezogen.

Gesundheitliche Probleme bekommen

Nach der Schule hat der Dorstener eine Ausbildung zum Elektriker gemacht. Nach dem erfolgreichen Abschluss bekam er jedoch gesundheitliche Probleme. Über das Arbeitsamt erhielt er daher eine Umschulung zum Industriekaufmann. Auch diese Ausbildung beendete er mit Erfolg. „Ich wurde auch sofort danach eingestellt, dann aber rausgeschmissen, nachdem ich 14 Tage krank war“, erzählt der 32-Jährige.

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Seine Fallmanagerin schlug ihm dann 2014 vor, einen 1,50 Euro-Job in der Dorstener Radstation zu übernehmen. Betreiberin ist die rebeq GmbH, eine Beschäftigungs- und Qualifzierungsgesellschaft, die auch Radstationen in Castrop-Rauxel, Gladbeck und Marl hat. Ein Ziel der Gesellschaft ist es, Arbeitslose zu integrieren und zu qualifizieren. Im Fall von André Lankes hat das funktioniert. Nachdem er zunächst als 1,50-Jobber dort tätig war, kam das neue Teilhabechancengesetz genau zur richtigen Zeit. „Ohne so etwas hätte ich keine Chance gehabt“, sagt Lankes.

Sein Chef, Rebeq-Standortleiter Frank Schmelting, ist sehr zufrieden mit ihm: „Er ist sehr engagiert, kommt auch mal am Samstag, um noch etwas zu erledigen.“ Er ist froh, dass das neue Gesetz Menschen wie André Lankes oder seinem Kollegen Reinhold Röken neue Möglichkeiten bietet und ihnen hilft, neues Selbstbewusstsein zu tanken.

Arbeitgeber erhalten Unterstützung

Als Arbeitgeber, der einen Langzeitarbeitslosen sozialversicherungspflichtig eingestellt hat, erhält er über das Teilhabechancengesetz einen Lohnkostenzuschuss für maximal fünf Jahre. In den ersten beiden Jahren sind das 100 Prozent des Mindest- oder Tariflohns, im dritten Jahr 90 Prozent, im vierten 80 Prozent und im fünften 70 Prozent. „Da sich gerade für Menschen, die lange aus dem Arbeitsleben raus sind, durch so einen Job sehr viel ändert, werden sie mindestens im ersten Jahr durch Coaches betreut“, erklärt Nora Janzen, Ansprechpartnerin für das neue Gesetz beim Jobcenter Kreis Recklinghausen.

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Arbeitgeber können zudem die Förderung von Weiterbildungsmaßnahmen für ihre Angestellten beantragen. „So machen diese sich hoffentlich so unentbehrlich, dass sie nach Ablauf der fünf Jahre von ihrem Arbeitgeber übernommen werden. Wenn nicht, dann erhöhen sie durch Weiterbildungen ihre Chancen auf dem ersten Arbeitsmarkt“, erklärt Janzen. Das neue Gesetz gilt zunächst nur bis 2024 - was danach folgt, ist ungewiss.

70 Arbeitslose bislang in Dorsten vermittelt

Doch bis jetzt sprechen die Zahlen für den Erfolg der Maßnahme. Das vom Jobcenter des Kreises anvisierte Ziel von 500 Integrationen in 2019 war bereits im September erreicht. Zum Ende des Jahres konnten 617 Langzeitarbeitslose im Kreis über das Gesetz in Arbeit vermittelt werden, seit Anfang des Jahres sind schon 24 dazu gekommen. In Dorsten konnten insgesamt 70 Arbeitslose an Träger/Verbände, private Arbeitgeber und Kommunen vermittelt werden. Insgesamt gab es, Stand Mai 2019, 900 Langzeitarbeitslose in Dorsten.

Die Radstation am Dorstener Bahnhof

Die Radstation am Dorstener Bahnhof © Manuela Hollstegge

„Ich kann tatsächlich nur Positives berichten“, zeigit sich Nora Janzen begeistert. Ursprünglich hatte man „bei diesem Klientel“ mit einer Abbruchquote von 20 Prozent gerechnet, tatsächlich liegt diese jedoch nur bei 8 Prozent. „Das zeigt, dass die Motivation bei denen, die vermittelt werden, hoch ist.“

Tätigkeiten im Büro übernommen

So auch bei André Lankes. Nachdem er zu Beginn als 1,50 Euro-Jobber in der Radstation mit drei Tagen in der Woche angefangen hat, arbeitet er inzwischen in Vollzeit. Mittlerweile hat er dort auch Tätigkeiten im Büro übernommen, ist zum Beispiel für die Abrechnungen zuständig. „Ich mache alles, was eben so anfällt und das macht mir Spaß“, sagt er. Ihm gefällt besonders, dass er in der Radstation keine Angst haben muss, wenn er wegen seiner Erkrankung ausfällt. „Hier nimmt man mich so, wie ich bin.“

  • Ansprechpartner für Arbeitgeber, die sich für das Teilhabechancengesetz interessieren, ist Nora Janzen. Kontakt zu ihr gibt es unter Tel. (02361) 90 809 41 bzw. nora.janzen@vestische-arbeit.de
  • Ansprechpartner für Langzeitarbeitslose ist der jeweilige Fallmanager des Jobcenters.
  • Informationen gibt es auch hier.
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