Leben mit dem Down-Syndrom

Zwei Beispiele aus Dorsten

Montag (21. März) ist der Tag des Down-Syndroms. Eine in Deutschland weit verbreitete Behinderung. Wie leben erwachsene Menschen damit? Veronika und Brigitte aus Dorsten erzählen aus ihrem Alltag.

Dorsten

von Von Andreas Hofmann

, 21.03.2016, 07:00 Uhr / Lesedauer: 2 min
Brigitte (li.) und Veronika leben mit dem Down-Syndrom. Sie berichten über ihren Alltag und wie sie ihn meistern.

Brigitte (li.) und Veronika leben mit dem Down-Syndrom. Sie berichten über ihren Alltag und wie sie ihn meistern.

Mitten unter uns leben viele Menschen, die eine Beeinträchtigung haben. Manche wohnen allein, einige werden betreut. Häufig ist die Trisomie 21 auch als Down-Syndrom bekannt. Brigitte und Veronika haben das Down-Syndrom. Sie werden von der Lebenshilfe Dorsten begleitet.

Die beiden Frauen leben in der Villa Keller beziehungsweise einer Wohngruppe in Dorsten-Holsterhausen. Die Lebenshilfe, zu der die Villa Keller gehört, hat in Dorsten 120 Mitarbeiter, die quer durch alle Altersgruppen, in sechs Einrichtungen tätig sind. Für die Frauen beginnt der tägliche Arbeitstag in der Früh um 5 Uhr. Nach dem Frühstück geht es mit dem Bus zur Arbeit, in die Wulfener Werkstätten. Ein Acht-Stunden-Tag liegt vor ihnen. Hier nähen sie in der Textilwerkstatt Tücher für Operationen. Pausen unterbrechen den Arbeitsrhythmus. Nach der Arbeit geht es nach Haus zurück. 

Dort verbringen sie ihre Freizeit – und die hat es in sich. Beide sind viel beschäftigt: VHS-Kurse, Schwimmkurse, die Trommel- bzw. Theatergruppe und Vorlesungen. An den Veranstaltungen der diesjährigen Frauenkulturtage haben sie begeistert teilgenommen. Da ist erst am Abend Zeit für Hobbys oder Freundschaften. Brigitte und Veronika lesen gern – am liebsten spannende Bücher. Krimis, „Der Herr der Ringe“ oder „Harry Potter“ gehören zur Buchsammlung. Brigitte wurde in Dorsten geboren und hat ihre Kindheit in der Familie verbracht. „Wir waren zu Hause neun Kinder“, schildert sie. Die Kinder gingen aus dem Haus und auch Brigitte wollte selbstständig werden.

In die Wohngruppe gezogen

Also zog sie in die Wohngruppe. Hier lebt sie schon viele Jahre. Seit 28 Jahren arbeitet sie gern in der Werkstatt. Veronika zog im vergangenen Jahr von Warendorf nach Dorsten, hat hier ihr neues Zuhause gefunden. In der Wohngruppe arbeitet tagsüber ein Assistent. Er unterstützt die Bewohner bis zum Abend bei den täglichen Herausforderungen. Dann sind die acht Bewohner allein für sich verantwortlich.

Sie gehen entweder in ihren Wohnbereich oder sitzen zusammen im Wohnzimmer. Menschen mit Down-Syndrom haben besondere soziale Fähigkeiten. Sie blühen in der Gemeinschaft auf. „Am Abend“, erzählen die Frauen, „schauen wir gern Fernsehen. Am liebsten Krimis und Fußball oder wir puzzeln gemeinsam.“ Brigitte sagt: „Wir sind alle für Schalke 04. Die Bayern, die mag ich gar nicht.“

„Früher wohnte hier ein Paar“, erzählt Petra Neuhaus, Leiterin der Villa Keller, beim Gang durch das Haus. Aber wie das so mit der Liebe ist, sie kommt und geht. Die Bewohner reisen weit herum. Die Trommlergruppe der Villa Keller trat im vergangenen Jahr bei einem Kongress in Berlin auf. Gern resümiert Brigitte die aufregende Fahrt. Die Gruppe spielte vor Abgeordneten. Sie erinnert sich: „Wir waren auch in der Kuppel vom Bundestag. Das war beeindruckend.“ Einmal im Jahr fahren alle Bewohner in den Urlaub. 2015 nach Bulgarien. Dort entdeckte Brigitte ihr Lieblingsgetränk: „Sex on the Beach“. Wurden beeinträchtigte Menschen früher eher an den Rand der Gesellschaft gedrängt, werden sie heute integriert. Brigitte und Veronika sind in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Gelebte Inklusion – das gilt auch für Erwachsene. 

Die Trisomie 21 gehört in Deutschland zu den am häufigsten auftretenden Behinderungen.
Jährlich kommen über 1300 Menschen mit dem Down-Syndrom zur Welt. Nicht-betroffene Menschen haben 23 doppelte Chromosome im Erbgut.
Bei der Trisomie 21 bildet sich im Ei der Frau bei der Reifung zu den 21. Chromosomen ein zusätzliches Paar.
Bei Frauen in höherem Alter ist eine Risikogeburt wesentlich wahrscheinlicher. Körperliche Merkmale, organische Beeinträchtigungen oder Lernschwierigkeiten zeigen sich beim Kind.
Die Trisomie 21 wurde 1866 durch den englischen Arzt John Langdon-Down beschrieben.

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