LEG-Mieter wollen bezahlbare Mieten und Nebenkosten

Börsennotiertes Unternehmen

Mieterforum Ruhr und Mieterbeiräte von LEG-Wohnungen schilderten am Mittwoch in einem Pressegespräch an der Dimker Allee in Barkenberg, welche existenziellen Probleme LEG-Mieter quälen. Sie fordern von der LEG, Alternativen zu finden, damit Miete und Nebenkosten für die Mieter bezahlbar bleiben.

Dorsten

, 09.03.2016, 16:13 Uhr / Lesedauer: 2 min

Während die Öffentlichkeit am heutigen Donnerstag (10. März) den aktuellen Geschäftsbericht des an der Börse notierten Wohnungsunternehmens LEG mit seinen insgesamt 110 000 Wohneinheiten präsentiert bekommt, fühlen sich weite Teile der Mieter im Stich gelassen. Das drang  durch, als das LEG-Aktionsbündnis, bestehend aus Vertretern der Mietervereine, des Mieterforums Ruhr und der Mieterbeiräte aus Barkenberg, Dortmund und Witten die Gepflogenheiten der LEG zum Teil scharf kritisierte.

Knut Unger vom Mieterverein Witten, der eine Vielzahl LEG-Mieter beim Streit um Nebenkostenabrechnungen berät, prangerte das Abfallentsorgungssstem der LEG in Barkenberg an. 2010 als kostenreduzierende Maßnahme eingeführt, beschweren sich die Mieter nun über stetig steigende Kosten: „Das Erfassungssystem der Innotec, das ist die Firma, die die chipgesteuerten Müllcontainer auf Wunsch der LEG aufgestellt hat, ist sehr teuer“, meint zum Beispiel Mieterbeirätin Annette Hilfing aus Barkenberg.

Kollege Peter Herok stimmt ihr zu: „108 000 Euro wurden allein von den Barkenberger LEG-Mietern an die Innotec 2014 bezahlt, die Stadt Dorsten hat für die Müllabfuhr 116 000 Euro bekommen. Das ist so, als würde man bei der Heizung fast die Hälfte nur für den Abrechnungsdienst bezahlen“, klagt Knut Unger die kostspielige Praxis an. Innotec kassiere über Gebühr ab, sagen die Mieter und halten eine kostengünstigere Alternative parat: „Wir haben der LEG vorgeschlagen, die Integrationsfirma „Haus und Garten“ der Diakonie am Swebenring in Wulfen damit zu beauftragen“, sagt Rita Zachraj.

Mangel an Ansprechpartnern

Neben der Müllproblematik stinkt den LEG-Mietern in Barkenberg auch der Mangel an direkten Ansprechpartnern gewaltig. „Früher, als die LEG noch eine Landestochter war, hatten wir hier Hausmeister vor Ort. Die sind heute nur noch bei Wohnungsübernahmen oder -abgaben zuständig. Ansonsten ist die Firma B&O für kleinere Reparaturen zuständig“, erzählt Zachraj. Ein Hausmeisterservice, der aber oft überfordert oder überfragt sei, wenn es um handfeste Hilfe gehe, wie Zachraj weiter ausführt.

Ein Beispiel nennt sie dazu: „Eine Klingel an der Wohnungstür einer neu zugezogenen Flüchtlingsfamilie ist kaputt. Der Mieterbeirat wendet sich an B&O, die schauen in ihren Listen nach, finden die Familie nicht und machen dann auch nichts.“ Selbst bei Kleinigkeiten seien viele Telefonate oder beharrliches Nachfragen nötig. Weit mehr Sorgen als über die Alltagsbelange machen sich die LEG-Mieter laut Auskunft des Aktionsbündnisses aber über die Mietpreisentwicklung und der aus ihrer Sicht undurchsichtigen Nebenkostenabrechnungen.

Regelmäßige Mieterhöhungen

„Seit die LEG an der Börse notiert ist, erhöht sie alle 15 Monate die Miete“, meint Knut Unger. Und: „Die LEG orientiert sich beim Mietzins nicht mehr am ortsüblichen Mietspiegel, sondern ermittelt ihn anhand von drei Vergleichwohnungen“. „Dadurch sind in Witten Mieten um 114 Prozent gestiegen“, sagt Unger. Das wiederum bedeute für Hartz IV-Empfänger, die Leistungen vom Job-Center beziehen, der mögliche Verlust ihres langjährigen Zuhauses. Denn die Jobcenter legten einen Höchstsatz für die Nettokaltmieten zugrunde, der bei solchen Praktiken leicht überschritten werde.

Nebenkosten senken

„Es hat schon einen Fall in Barkenberg gegeben, wo die Mieter aufgefordert worden sind, ihre Nebenkosten zu senken oder sich eine günstigere Wohnung zu suchen“, ergänzt Rita Zachraj. Für die Zukunft befürchten die Mietervertreter das Schlimmste, sollte die LEG ihre Mieterhöhungspraxis unbeirrt weiter verfolgen. Warum die Menschen in Barkenberg trotz der für sie schwierigen Bedingungen an ihren Wohnungen und Umfeld hängen und sich keine andere Bleibe suchen, machten langjährige Mieter wie Gabriele Klees und Peter Herok deutlich: „Viele Menschen wohnen seit Jahrzehnten hier, haben viel Geld in ihre Wohnungen gesteckt oder sie behindertengerecht umgebaut. Das gibt man nicht einfach auf.“ 

Die LEG mit Sitz in Düsseldorf gehört mit ihren 110 000 Wohneinheiten mit zu den größten Wohnungsunternehmen Deutschlands. Sie beschäftigt ca. 100 Mitarbeiter
Der Börsengang der LEG erfolgte 2013. Die ehemalige Landesentwicklungsgesellschaft wurde 2008 privatisiert.
Mieter beklagen seit der Privatisierung hohe Miet- und Nebenkostensteigerungen und eine deutliche Verschlechterung des Service.Laut Aktionsbündnis werden LEG-Wohnungen häufig von ALG-II-Beziehern oder Beziehern von Grundsicherung bewohnt.

 

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