Lehrermangel an Dorstener Grundschulen? Bezirksregierung versteht die Aufregung nicht

rnLehrermangel an Grundschulen

Grundschulen in Dorsten klagen über Lehrermangel. Die Bezirksregierung Münster hält hingegen die personelle Ausstattung für nahezu ausreichend. Doch es gibt noch andere Baustellen.

Dorsten

, 04.09.2019, 04:30 Uhr / Lesedauer: 3 min

Seit dem 26. August ist Ulrike Goliath, Leiterin der Grünen Schule in Wulfen-Barkenberg, offiziell Sprecherin der Dorstener Grundschulen und damit Nachfolgerin von Burgi Beste. Ulrike Goliath vertritt ab sofort mit der Zustimmung ihrer Kollegen die pädagogischen Interessen der zehn Dorstener Grundschulen mit ihren Teilstandorten. Auch im Schulausschuss der Stadt.

„Lehrernotstand hat sich verstärkt“

Aus jüngsten Gesprächen mit ihren Kollegen weiß sie, dass es an den Grundschulen rumort. Der sich seit Jahren abzeichnende Lehrernotstand habe sich noch weiter verstärkt. Der Personalmangel bei den Lehrern wirke sich aus.

„Die Dorstener Grundschulen sind sehr unterschiedlich bestellt. Uns ist dabei sehr bewusst, dass es bei der Schulaufsicht des Kreises Engpässe gibt und die Landesregierung keine weiteren Ressourcen hat, um die Ausfälle durch zusätzliches Personal zu kompensieren“, sagt Ulrike Goliath. Gleichwohl hätten diese Begleiterscheinungen dazu geführt, dass an einigen Grundschulen Dorstens Lehrer an der Belastungsgrenze und darüber hinaus arbeiteten.

Zuständige Schulrätin ist seit Ostern erkrankt

Die personellen Engpässe bei der Schulaufsicht werden grundsätzlich von der Bezirksregierung bestätigt. Die für Dorsten, Gladbeck und Herten zuständige Schulrätin ist seit den Osterferien erkrankt.

Es sei nicht absehbar, wann sie ihren Dienst wieder aufnehmen könne, hieß es vonseiten der Bezirksregierung. Eine andere Schulrätin des Kreises habe ihr Aufgabengebiet bis auf Weiteres mit übernommen. Sie betreut nun die Schulen von acht Städten im Kreis.

Lehrermangel an Dorstener Grundschulen? Bezirksregierung versteht die Aufregung nicht

Ulrike Goliath, Leiterin der Grünen Schule, ist seit Beginn des neuen Schuljahres Sprecherin der Dorstener Grundschulen. © Foto: Claudia Engel

Im gesamten Kreis Recklinghausen konnten (Stand 23. August) nur 71 von 162 offenen Stellen an Grundschulen besetzt werden. In Dorsten sehe es indes nicht schlecht aus, heißt es von der Bezirksregierung Münster. Zurzeit seien alle ausgeschriebenen Stellen für unbefristete Beschäftigungen an den Grundschulen besetzt, sagt Ulla Lütkehermölle, Sprecherin der Bezirksregierung Münster.

„Bei Erkrankungen gibt es Vertretungspläne“

Die Personalausstattung an den Dorstener Grundschulen liege zurzeit bei 98,3 Prozent. Lütkehermölle erläutert: „Das liegt daran, dass nicht für alle Lehrkräfte, die sich beispielsweise in Elternzeit befinden, ein Ersatz gefunden werden konnte. Das betrifft weniger als drei Stellen in Dorsten. Kurzfristige Erkrankungen, die zu vorübergehenden Unterrichtsausfällen führen könnten, sind dabei nicht berücksichtigt. Dafür gibt es in den Schulen Vertretungskonzepte.“

Bezirksregierung: Dorstener Schulen gut ausgestattet

Die Grundschulen in Dorsten verfügten demnach über eine gute Personalausstattung, die im Vergleich zum Kreis Recklinghausen über dem Durchschnitt liege, betont die Bezirksregierung.

Die Frage, welche Konrektoren in Dorsten Schulen und Teilstandorte versorgen müssen, weil die Rektorenstelle nicht besetzt wurde, beantwortet die Sprecherin der Bezirksregierung so:

  • Albert-Schweitzer-Schule: Konrektorin Melanie Frinken ist nach soeben erfolgter Pensionierung von Burgi Beste mit der kommissarischen Schulleitung beauftragt. Das ist ein ganz normaler Vorgang, während das Stellenbesetzungsverfahren läuft. Die Schulleitung ist damit sichergestellt. Die aktuelle Stellenausschreibung für die Schulleiterstelle läuft noch bis zum 7.10.2019 und ist über www.stella.nrw.de einsehbar.
  • Pestalozzischule: Zur Überbrückung und Unterstützung der Schule ist Ulrike Luther, die Schulleiterin der Augustaschule, mit halber Stelle mit der Leitung der Pestalozzischule beauftragt. Das Stellenbesetzungsverfahren für die Schulleitung läuft.

Lehrermangel an Dorstener Grundschulen? Bezirksregierung versteht die Aufregung nicht

Die Wilhelm-Lehmbruck-Schule in Östrich © privat

Zur Frage, ob es besondere Probleme an der Wilhelm-Lehmbruck-Schule, an der Grundschule Deuten oder an der Antoniusschule in Holsterhausen gibt, schreibt Ulla Lütkehermölle:

  • Wilhelm-Lehmbruck mit Teilstandort Deuten: Am Teilstandort befinden sich zwei jahrgangsübergreifende Lerngruppen. Die Personalausstattung entspricht dem grundsätzlichen Bedarf im Grundschulverbund. Der Unterricht sowie die Pausenaufsicht werden durch das gesamte Kollegium des Schulverbundes gewährleistet.
  • Antoniusschule Holsterhausen: Die Schule ist sehr gut besetzt und verfügt über eine Personalausstattung mit mehr als 100 Prozent.

„Sollte es an einer Schule ein konkretes Problem geben, werden wir dem nachgehen“, verspricht Ulla Lütkehermölle.

Hohe Hürden für Lehramtsanwärter

Ulrike Goliath sieht aber mehrere Probleme: „Auf der einen Seite gibt es sehr viele offene Stellen, auf der anderen Seite sehr hohe Hürden für Lehramtsanwärter“, macht sie an einem Beispiel aus ihrem Umkreis deutlich. Eine Erzieherin im OGS-Betrieb der Grünen Schule möchte sehr gerne aufs Lehramt umsatteln. „Sie ist für diesen Beruf prädestiniert“, sagt Ulrike Goliath.

Doch die junge Frau habe keine Zulassung für einen Studienplatz bekommen. Trotz akuten Lehrermangels an den Grundschulen in Nordrhein-Westfalen werde diese begabte Anwärterin sehr wahrscheinlich nur über ein anderes Studium und den Quereinstieg ihren Traumberuf als Lehrerin verwirklichen können, meint Goliath.

„Der Investitionsstau von mehr als 20 Jahren macht sich bemerkbar.“
Ulrike Goliath

Eine Anpassung des Systems an die Bedürfnisse an der Schulfront seien trotz des seit Jahren bekannten Lehrermangels nur unzureichend geschaffen worden.

Zum anderen sei die räumliche Situation an den Grundschulen ein Problem. „Der Investitionsstau von mindestens 20 Jahren zum Erhalt und zur Anpassung der Gebäude an die Bedürfnisse heutigen Lernens macht sich bemerkbar“, sagt Ulrike Goliath auch. Dass nun die ersten Schulgebäude (Geschwister-Scholl-Schule als Standort für die Agathaschule, die Urbanusschule und die Grüne Schule) saniert werden, begrüßten alle Schulleiter.

In der vergangenen Woche gab es ein Treffen mit Vertreter der Stadt Dorsten, um an einem Raumplankonzept zu arbeiten.

Jede Investition ist ein positives Signal

Allen Lehrerkollegen sei bewusst, dass Schulsanierungen in Dorsten nur sukzessive möglich seien, betont Goliath. „Jede Grundschule sieht es als positives Zeichen, wenn die Arbeiten an einer Schule beginnen.“ Dies sei für alle anderen ein Signal, dass sich etwas bewege und auch im eigenen Haus Verbesserungen zu erwarten seien. „Wir freuen uns über alles, was positiv ist.“

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