Lembeck ist auf Flüchtlinge gut vorbereitet

Einzigartige Hilfsbereitschaft

Die Lembecker empfangen die Flüchtlinge mit offenen Armen: Bei einer Informationsveranstaltung in der Laurentius-Kirche machten sie ihren Willen deutlich, sich der Menschen in den beiden Notunterkünften, ehemalige Hauptschule und Jugendherberge, anzunehmen.

Dorsten

, 08.10.2015, 17:05 Uhr / Lesedauer: 2 min
Lembeck ist auf Flüchtlinge gut vorbereitet

Das Thema Flüchtlinge beschäftigt derzeit Politik, Flüchtlingsorganisationen, Wohlfahrtsverbände und breite Schichten der Gesellschaft.

Der Malteser Hi

fsdienst ist als Hilfsorganisation von der Bezirksregierung für die Betreuung und Versorgung der Flüchtlinge vor Ort beauftragt worden. Ein privater Sicherheitsdienst sorgt für geordnete Abläufe innerhalb der Notunterkunft – und auch für die Sicherheit der Flüchtlinge.

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Dr. Wolfgang Polleichtner erläuterte bei der Bürgerversammlung in der Laurentiuskirche: „Es ist die vierte Unterkunft, die wir im Kreis einrichten, jede war bisher anders. Aber es ist immer gut gegangen.“ Damit reagierte er auf einige besorgte und kritische Nachfragen aus der Bürgerschaft. Die bezogen sich vornehmlich auf die jüngsten Berichte über Tumulte und Probleme in den großen Flüchtlings-Lagern.

Bürgermeister Tobias Stockhoff hielt dem die Erfahrungen aus der Dorstener Unterkunft an der Bochumer Straße entgegen. „Hier gab es bislang nur eine Beschwerde.“ Und auch in Lembeck hätten die Flüchtlinge mehr Privatsphäre als in den Massen-Unterkünften. Ordnungsamt, Polizei und Malteser stünden als Ansprechpartner für etwaige Probleme bereit.

So kann es nicht weitergehen

Auch wenn Bürgermeister Tobias Stockhoff erklärte, dass die „Prozesse in der Flüchtlingspolitik so nicht weiterlaufen können“, bekräftiget er: „Wir müssen den Menschen ein Dach über dem Kopf bieten, als Demokraten und als Christen.“ Bei den Lembeckern fielen diese Worte am Donnerstag auf fruchtbaren Boden. Ein Kritiker, der sich zuvor noch um die „Sicherheit der Frauen und Kinder“ sorgte, kündigte an, zehn Fußbälle spenden zu wollen. Willy Schrudde von der Katholischen Pfarrbücherei offerierte Bilderbücher und ein weiterer Bürger will jetzt Handwerker finden, die in den nächsten Tagen zehn bis zwölf Duschen in der Unterkunft einzubauen, damit die Flüchtlinge nicht allzu lange die Sanitäranlagen in der Turnhalle nutzen müssten und so der Sportbetrieb schneller wieder aufgenommen werden kann.

Tagesstruktur bieten

Am wichtigsten sei es, so betonten die Verantwortlichen, den Flüchtlingen eine „Tagesstruktur“ zu bieten, ihnen unter die Arme zu greifen. Dafür hat sich in den vergangenen Tagen um Ulla Küsters und Joachim Thiehoff ein Initiativkreis gebildet, der noch Mitstreiter sucht. „Es liegt an uns Lembeckern, dass wir eine gute Stimmung hinbekommen“, so Ulla Küsters. Auf im Eingangsbereich ausgelegten Formularen konnten Interessenten bereits am Donnerstag eintragen, wo sie sich einbringen wollen. Dutzende Lembecker nahmen die Gelegenheit wahr. Joachim Thiehoff hatte zuvor darüber informiert, was gesucht wird: Übersetzer, Kleidungsspenden, nötig sind auch Menschen, die den Flüchtlingen bei bürokratischen Dingen helfen, ihnen Freizeitmöglichleiten bieten und erste Deutsch-Kenntnisse beibringen.

"Ich erblasse vor Neid"

„Ich erblasse vor Neid, was sie hier schon vororganisiert haben“, sagte Dr. Wolfgang Polleichtner von den Maltesern. Er kündigte an, dass sein Verband über eine Stellen-Anzeige in der Dorstener Zeitung am Samstag „qualifizierte Fachkräfte“ suchen werde. Und Bürgermeister Tobias Stockhoff erhielt am Ende Beifall für seine Ankündigung, dass die Stadt im Zuge der neuen Entwicklung im Gebäudeteil C ein „Dorfgemeinschaftshaus“ errichten wolle, in dem Vereine wie der Spielmannszug, die Blasmusik oder die „Porte“ Platz finden sollen. Die Stadt, so Stockhoff, wolle den Nutzern sogar bei den Betriebskosten entgegen kommen. 

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