Licht am Ende des Tunnels

Wulfen Barkenberg ist schön. Von wegen, dort gibt es nur Gewalt und Drogen - solche Klischees haben die Jugendlichen des Ortsteils bis zum Überdruss satt. Schließlich bleibt auch an ihnen immer ein wenig von dem Schmutz hängen, den andere über Barkenberg verbreiten.

13.07.2007, 18:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Deshalb kleckern die Jugendlichen nicht, sondern klotzen jetzt, um die Schwarz-Weißmalerei Nichtbarkenberger Bürger dauerhaft farbenfroh zu übertünchen: Mit einem großzügigen Wandbild in einem Fußgängertunnel zwischen Barbarakirche und Blauer Schule.

Das Kunstwerk zeigt Barkenberg von einer anderen Seite, nämlich so wie es wirklich ist - aus Sicht der Jugendlichen, die dort leben. "Es ist schön, etwas für Barkenberg tun zu können" - German, vor fünf Jahren als Russlanddeutscher nach Barkenberg übergesiedelt, pinselt mit Hingabe an der Tunnelwand. Gerade füllt er ein zorniges, düsteres Gesicht mit blassen Farben, die Drogenspritze und die Pistole hat er schon vollendet. So stellen sich Auswärtige das "typische" Barkenberg vor. Deshalb nimmt dieses arme Klischee seinen gebührenden Platz im ungleich reicheren Wandgemälde ein. German kann darüber ohnehin nur milde lächeln: "Barkenberg ist schön", weiß er.

Die rund 100 Quadratmeter große Wandfläche zeigt deutlich, was sich wirklich hinter den Kulissen der Häuserzeilen in Barkenberg abspielt - pralles Leben mit Kind und Kegel, mit Engeln und Erwachsenen, die neugierig das Treiben der Kinder und Jugendlichen beäugen, mit Freundschaften, mit Rückzugsgebieten und schöner Landschaft drumherum, so weit das Auge reicht.

Mit Hingabe

Mit Hingabe arbeitet Dennis derweil an seinem "Silver Surfer", einer Comicfigur aus den 60-iger Jahren, "die ihrer Zeit weit voraus war": "Silver Surfer kommt aus einer anderen Galaxie unvoreingenommen auf die Erde und stellt fest, dass Menschen habgierig sind und nach Geld streben. Er weiß gar nichts damit anzufangen", erzählt Dennis, während er weiter liebevoll an seinem Idol herumpinselt. Die Figur ist dem 23-jährigen Bosnier, der seit 21 Jahren in Barkenberg lebt und dort aufgewachsen ist, ans Herz gewachsen. Sein "Silver Surfer" stürzt sich aus dem Nichts in die aus seiner Sicht vitale Welt Barkenbergs.

Vom Rollstuhl aus bearbeitet Sven (14) Figuren an der Wand und verleiht ihnen den letzten Pinselstrich: "Ich bin von Pater Pauly angesprochen worden, ob ich nicht mitmachen möchte", sagt der Junge. Er kommt aus Troisdorf, ist zurzeit auf Besuch in Barkenberg. Sven findet das Kunstprojekt "einfach toll" und kann gar nicht verstehen, dass Barkenberg so einen schlechten Ruf hat.

German, Dennis und Sven stehen stellvertretend für die Jugendlichen, die Streetworker Pater Winfried Pauly mit diesem kreativen Projekt unter einen Hut bekommen hat: "Jugend bekennt Farbe" heißt das Leitmotiv, dem sie zuweilen allerdings erst nach hartnäckiger Ermunterung Folge leisten.

Es dämmert

Denn die allgemeine Miesmacherei hat im Bewusstsein der Barkenberger tiefe Spuren hinterlassen. Doch so langsam dämmert es ihnen, dass ihr "Ortsteil schön ist", wie die Jugendlichen sagen - man muss halt nur Farbe dazu bekennen. Claudia Engel

Pater Winfried Pauly bittet Passanten, mit Kuchen- oder Imbissspenden die jungen Künstler in der Unterführung bei ihrer Arbeit zu unterstützen. Sie sind dort noch bis Freitag, 20. Juli, tätig. Das Abschlussfest findet im Tunnel statt am Dienstag, 24. Juli, 17 Uhr.

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