Bodo Klimpel, Bürgermeister von Haltern am See und Lippeverbandsratsvorsitzender, Autorin Emma Koch, Künstlerin Brigitte Stüwe, Autorin Ursel Kipp und Bürgermeister Tobias Stockhoff am Freiluft-Bücherregal © Lydia Heuser
Freiluft-Bücherregal

Lippe-Lese-Lounge lädt zum Verweilen und Schmökern ein

Dort, wo der Schölzbach in die Lippe mündet, gibt es jetzt Kunst satt. Das Freiluft-Bücherregal und weitere Kunstinstallationen machen den einstigen Schandfleck zu einem gemütlichen Ort.

Das Lippe-Ufer in Dorsten ist seit Donnerstag (27.8.) um eine Attraktion reicher. Künstlerin Brigitte Stüwe hat für Spaziergänger und Radfahrer einen Ort zum Verweilen geschaffen.

Großes Wohnzimmerregal auf dem Deich

Auf Höhe des Pumpwerks steht nun ein überdimensioniertes Bücherregal. Gemeinsam mit Rainer Engenhorst von der Dorstener Arbeit setzte Stüwe ihre Idee um. „Das Prinzip sollte ein großes Wohnzimmerregal sein. Da es hier auf dem Deich speziellen Bedingungen ausgesetzt ist, ist es etwas massiver als angedacht“, sagt die Künstlerin über das fertige Ergebnis. Um das Freiluft-Bücherregal langlebig zu gestalten, hat die Dorstener Arbeit unbehandeltes Lärchenholz verwendet.

Die Installation bildet zusammen mit dem neu gestrichenen Pumpwerk am Schölzbach und den gestalteten Funktionsrohren, die den Bach über den Deich heben, ein stimmiges Gesamtkonzept.

Bürgermeister Tobias Stockhoff hob bei der Einweihung die optische Aufwertung des Zuflussbereichs hervor. Im Rahmen des städtebaulichen Erneuerungsprogramms „Wir machen Mitte“ werden allein 3 Millionen Euro in die Sichtbarmachung und ökologische Umgestaltung des Schölzbaches investiert. Der Lippeverband investierte 45.000 Euro in die Umgestaltung der Fassade des Pumpwerks, die Rohrgestaltung sowie die Lippe-Lese-Lounge.

Künsterlin Brigitte Stüwe stellt ihre Kunstinstallationen vor.
Künstlerin Brigitte Stüwe stellt ihre Kunstinstallationen vor. © Lydia Heuser © Lydia Heuser

Mitmach-Fluss

Lippeverbandsratsvorsitzender Bodo Kimpel bezeichnete den Fluss als den „Mitmach-Fluss in NRW“. „Das Freiluftbücherregal kommt allen Menschen in der Region zugute.“

Die Dorstener Künstlerin wollte nach ihrem Kunstprojekt „Polderklicks“ wieder ein Projekt mit Bürgerbeteiligung kreieren. Nach dem Thema Fotos wollte sie die Bürger zum Schreiben animieren. Denn im Bücherregal stehen keine Bücher, sondern lediglich Tafeln, die wie Buchcover anmuten und einen QR-Code enthalten. Hinter den Codes verbergen sich ganze Büchersammlungen, die aus Texten von Dorstener Bürgern bestehen.

Emma Koch (13) hat als Schülerin der Wulfener Gesamtschule einen Text beigesteuert, der im Rahmen eines Schülerprojekts entstanden ist. „Das Lippemonster“ handelt von einem Tsunami-Ungeheuer, das aus dem Lippewasser besteht.

Emma Kochs Geschichte über das Lippemonster können nun alle mit einem Smartphone lesen.
Emma Kochs Geschichte über das Lippemonster können nun alle mit einem Smartphone lesen. © Lydia Heuser © Lydia Heuser

Lyrik von Ursel Kipp verbirgt sich hinter dem Schild „Flaneur*in“. Besucher können mit ihrem Smartphone die Codes abfotografieren. So gelangen sie auf die online hinterlegten Texte. Ältere Smartphone-Besitzer müssen eventuell eine entsprechende App runterladen.

120 Texte umfasst die Sammlung bisher. Stüwe freut sich über weitere Geschichten, Gedichte und Erinnerungen an und mit der Lippe.

In Vorbereitung ist außerdem, die digitale Form in die analoge Buchform zu überführen. Alle Beiträge sollen in einem Band versammelt werden. Wann es soweit ist, steht noch nicht fest.

  • Die Lippe liegt höher als das Poldergebiet auf Seiten des Schölzbaches. Aus diesem Grund muss der Bach mittels des Pumpwerks über den Deich in die Lippe gehoben werden.
  • Die unansehnlichen Funktionsrohre wurden von einem Malermeister gereinigt und vorbehandelt, das Pumpwerk fachkundig gestrichen. Künstlerin Brigitte Struwe gestaltete schließlich die Rohre mit einem Muster, das die Wasseroberfläche widerspiegelt. Die zum Deich gerichtete Außenfassade ziert nun eine künstlerische Arbeit Stüwes.
Über die Autorin
Volontärin
Geboren und aufgewachsen im Bergischen Land, fürs Studium ins Rheinland gezogen und schließlich das Ruhrgebiet lieben gelernt. Meine ersten journalistischen Schritte ging ich beim Remscheider General-Anzeiger als junge Studentin. Meine Wahlheimat Ruhrgebiet habe ich als freie Mitarbeiterin der WAZ schätzen gelernt. Das Ruhrgebiet erkunde ich am liebsten mit dem Rennrad oder als Reporterin.
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