„Lokale Berühmtheit“ der Drogenszene von Dorsten nach langer Diebestour verurteilt

rnGerichtsprozess

Seine drei Mittäter wurden bereits wegen zahlreicher Einbrüche zu Haftstrafen verurteilt, jetzt wurde dem vierten Mitglied einer stadtweit tätigen Diebesbande der Prozess gemacht.

Dorsten

, 14.08.2019 / Lesedauer: 3 min

In unterschiedlichen Konstellationen gingen vier Männer von Sommer 2017 bis Frühjahr 2018 in Dorsten immer wieder auf Diebestouren, klauten in vielen Geschäften Textilien und elektronische Geräte, aus einem Discounter auch schon mal einen Karton mit 50 Überraschungseiern. Während im Januar drei der Täter bereits zu mehrjährigen Haftstrafen verdonnert wurden, stand Mittwoch der vierte im Bunde vor dem Dorstener Schöffengericht.

Beute für Drogen versetzt

Eine „lokale Berühmtheit“ in der Dorstener Drogenszene“, so nannte der Verteidiger seinen Mandaten. Der 47-jährige Angeklagte versetzte - wie seine Mittäter auch - seinen Teil der Beute für Rauschgift. Die Taten räumte er allesamt ein und verkürzte damit die Gerichtsverhandlung entscheidend: Von den 26 Zeugen musste nur der Hausdetektiv eines Ladens aussagen.

Bei Fluchtgerangel geschlagen

Ihn soll der Angeklagte bei einem Fluchtgerangel geschlagen haben. Verletzt wurde Ladendetektiv dabei nicht. Deswegen fiel dieser Vorwurf angesichts der vielen Einbrüche und auch Autoaufbrüche beim Urteil nicht ins Gewicht. Trotz der vielen Vorstrafen, die der 47-Jährige aufweist, forderte die Staatsanwältin eine 21-monatige Bewährungsstrafe, „unter Zudrücken aller Augen“.

Dem schloss sich das Gericht an. Aber auch nur deshalb, weil der Mann nach mehr als 20-jährigem Missbrauchs von Drogen endlich die Kurve zu bekommen scheint: Er hat eine Entgiftung hinter sich gebracht, ist seitdem „clean“, mit einer Betreuerin der Caritas organisiert er sich gerade einen Therapieplatz, will Dorsten und seine Szene-Bekannten künftig meiden.

„Deal“ abgelehnt

So wird Dorsten wohl künftig gleich von zwei Beschaffungskriminellen verschont bleiben. Denn auch einer seiner damaligen Kompagnons erklärte am Mittwoch, dass er nach Entlassung aus der Haft nicht mehr in die Lippestadt zurückkehren wolle, um nicht mehr in Kontakt zur hiesigen Szene zu kommen. Der 42-Jährige musste sich in einer weiteren Verhandlung für den Einbruch in eine Kita an der Marler Straße verantworten.

Da der Mann bereits im Januar wegen oben genannten Gemeinschaftstaten zu drei Jahren Haft verurteilt wurde, aber dagegen Berufung eingelegt hatte, schlug sein Anwalt einen „Deal“ vor: Er würde die Berufung zurückziehen, im Gegenzug wird das neue Verfahren eingestellt, weil sich das endgültige Gesamturteil durch den Kita-Einbruch nur gering erhöhen würde.

DNA wird untersucht

Doch das lehnte die Staatsanwältin ab. Da sich der Angeklagte nicht an den Einbruch erinnern konnte, muss er nun eine Speichelprobe abgeben, das LKA in Düsseldorf untersucht diese und vergleicht sie mit DNA-Spuren, die am Tatort gefunden worden sind.

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