Ab 10. Januar müssen die Schulkinder an zwei Teststäbchen lutschen. Eins geht in den Pool, eines ist die „Rückstellprobe“. (Symbolbild) © picture alliance/dpa
Coronavirus

Lolli-Test 2.0: Dorstener Schulleiter sehen neues Verfahren skeptisch

Der Lolli-Test 2.0 soll im nächsten Schulhalbjahr Eltern und Kindern mehr Sicherheit für die Planung ihres Alltags geben. Die Schulleiter sind noch skeptisch. Und ein Labor hat gekündigt.

Zweimal pro Woche machen Kinder an Grund- und Förderschulen den Lolli-Test. Sie lutschen am Teststäbchen, die Proben einer Klasse bilden einen Pool und gehen ins Labor. Ist ein Pool positiv, müssen alle Kinder der Klasse einen individualisierten Test machen, um das Corona-positive Kind herauszufiltern und geeignete Maßnahmen ergreifen zu können.

Ab 10. Januar soll sich das Vorgehen ändern. Das Schulministerium spricht von Optimierung, Lehrkräfte zeigen sich dagegen skeptisch. Eltern hoffen auf schnellere Testergebnisse und weniger unberechenbare Ungewissheit.

An den Testtagen sollen die Kinder ab dem 10. Januar zusätzlich zum Pooltest einen Einzel-Lolli-Test in der Schule durchführen, der als sogenannte „Rückstellprobe“ mit an an die Labore übergeben wird. Fällt ein Pooltest positiv aus, kann das Labor direkt die Einzeltests untersuchen und die Familien schnell benachrichtigen. Bis 6 Uhr am nächsten Morgen sollen die einzelnen Testergebnisse vorliegen.

Demnächst kann sofort ein Einzeltest ausgewertet werden.

Bisher mussten die Eltern an Tag 2 einen Einzeltest ihrer Kinder zur Schule oder ihre Kinder für einen Einzeltest zur Schule bringen, die Ergebnisse wurden meist am Nachmittag des Tages bekannt gegeben. Für alle Eltern der Klasse bedeutet dieses Verfahren derzeit, dass alle Kinder kurzfristig für einen Tag daheim bleiben müssen, bis die Infizierten und ihre Kontaktpersonen identifiziert sind. Ab dem 10. Januar entfällt praktisch dieser „Tag der Ungewissheit“, weil das Labor beide Ergebnisse am gleichen Tag liefern kann. Fällt der Pooltest negativ aus, werden alle Rückstellproben vernichtet.

Ein Kind ist positiv

Derzeit (Stand 17. November) gibt es nach Auskunft der Kreisverwaltung in Recklinghausen ein einziges positiv getestetes Grundschulkind in Dorsten.

Soweit die Theorie, die von den Praktikern skeptisch gesehen wird. Ulrike Goliath, Leiterin der Grünen Schule und Sprecherin der Dorstener Grundschulen, hat noch viele Fragen zum künftigen Vorgehen. „Die Labore sollen die Eltern direkt informieren. Werden die Schulen auch informiert? Weiß ich auch künftig noch, welches Kind eigentlich gar nicht da sein dürfte? Kann ich sicher sein, dass das Labor die Eltern auch wirklich erreicht hat?“

Schulen befürchten erhebliche Mehrarbeit durchs neue Verfahren

Wie wird die Einzelprobe verpackt und gekennzeichnet? Wie viel zusätzliche Arbeit kommt dadurch auf die Schulen zu? Ulrike Goliath: „Allein an unserer Schule würden wöchentlich rund 580 zusätzliche Teströhrchen anfallen. Ist das nicht Ressourcenverschwendung?“

Ulrike Goliath, Leiterin der Grünen Schule Barkenberg, hat noch viele offene Fragen.
Ulrike Goliath, Leiterin der Grünen Schule Barkenberg, hat noch viele offene Fragen. © Claudia Engel (A) © Claudia Engel (A)

Ihr Kollege Herbert Rentmeister von der Agathaschule macht immer wieder die Erfahrung, dass Eltern häufig ihre Handynummern und Mail-Adressen ändern und die Schule darüber nicht informieren.

Und Ulrike Goliath weiß, dass viele Eltern aus Datenschutzgründen nicht gern ihre Handynummer rausrücken. „Oft müssen wir versprechen, sie nur im Notfall zu benutzen und auf keinen Fall weiterzugeben.“ Sie prognostiziert, dass sich einige aus Datenschutzgründen damit schwertun werden, ihre Daten an die Labore zu vergeben.

Ministerium muss nach Kündigung ein neues Labor suchen

Die Agathaschule mit ihren zwei Standorten hat ein zusätzliches Problem: Sie arbeitet mit zwei unterschiedlichen Laboren zusammen. Rentmeister: „Unsere Datensätze führen wir aber zentral und alphabetisch, nicht nach Standorten.“

Mit elf Laboren arbeitet die Landesregierung bei den Lolli-Tests zusammen. Dorstener Schulleiter haben mit Bestürzung zur Kenntnis nehmen müssen, dass das Münsteraner Labor MVZ aus den Testungen aussteigt.

Herbert Rentmeister von der Agathaschule hat es gleich mit zwei Laboren zu tun.
Herbert Rentmeister von der Agathaschule hat es gleich mit zwei Laboren zu tun. © Claudia Engel (A) © Claudia Engel (A)

Goliath und Rentmeister bedauern das sehr und hoffen, dass sie mit dem nächsten Labor ebenso vertrauensvoll zusammenarbeiten können. Und dass sich überhaupt eines findet angesichts der insgesamt dramatisch steigenden Fallzahlen.

Eine Nachfrage der Redaktion ans Schulministerium zum neuen Lolli-Test und den Laborkapazitäten ist bisher unbeantwortet geblieben. Auch die Schulen warten auf Antworten auf viele offene Fragen.

Den vom Ministerium formulierten Elternbrief mussten sie derweil schon versenden, versehen mit ihrem Namen, nicht dem der Schulministerin. Das wäre ihnen lieber gewesen.

Über die Autorin
Redaktion Dorsten
Geboren und geblieben im Pott, seit 1982 in verschiedenen Redaktionen des Medienhauses Lensing tätig. Interessiert an Menschen und allem, was sie anstellen, denken und sagen.
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Petra Berkenbusch

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