Margit Kruse stellt ihre Jugend im Ruhrgebiet vor

Lesung

DORSTEN Gut besucht war die Lesung, zu der die Stadtbücherei am vergangenen Mittwochabend die Gelsenkirchener Autorin Margit Kruse und den Saxofonisten Norbert Pollmann, der die Veranstaltung musikalisch umrahmte, einlud. Kruses Buch handelt von Discobesuchen, Geborgenheit bei der Familie und Leberwurstbroten von Mutti.

von Von Werner Wenig

, 04.03.2010, 12:10 Uhr / Lesedauer: 2 min
<p>"Im Schatten des Turmes. Eine Jugend im Ruhrgebiet" so heißt das neue Buch von Margit Kruse. Die Gelsenkirchenerin stellte es vor, Saxophonist Norbert Pollmann unterstützte sie. <p></p> Wenig</p>

<p>"Im Schatten des Turmes. Eine Jugend im Ruhrgebiet" so heißt das neue Buch von Margit Kruse. Die Gelsenkirchenerin stellte es vor, Saxophonist Norbert Pollmann unterstützte sie. <p></p> Wenig</p>

"Im Schatten des Turmes. Eine Jugend im Ruhrgebiet" heißt das Buch, aus dem sie las. Der Turm, das ist der 1918 gebaute Wohnturm am Eingang der Zechensiedlung Alleestraße, ein Wohngebiet, das einst zur Zeche Graf Bismarck gehörte, doch die wurde schon 1966 geschlossen. Von 1971, da war sie vierzehn, bis 1975 wohnte Margit Kruse hier. Diese vier Jahre und das, was sie in dieser Zeitspanne erlebte, ist der Inhalt des Buches.

An diese Zeit erinnern sich die Älteren gerne, denn es war eine Zeit des Wohlstands und der blühenden Wirtschaft, obwohl das Zechensterben schon begonnen hatte. In diesen Jahren erlebte Margit Kruse ihre Jugend, an diese Zeit hat sie ihre ganz privaten Erinnerungen.

Es sind scheinbare Nebensächlichkeiten wie der Kampf gegen das Übergewicht, gelegentliche Auseinandersetzungen mit dem Vater oder der Arztbesuch. Aber am Wichtigsten ist der "Tempel", eine Disco, in der erste Kontakte zum anderen Geschlecht geknüpft werden. Schnell wird deutlich: Es sind immer die Männer, um die sich alles dreht. Aber was heißt "Männer", meistens sind es doch nur Halbwüchsige, die für ein junges neugieriges Mädchen nicht wirklich prickelnd sind. Sie flieht vor einem Elektrikerlehrling mit blühender Akne, und der "gestandene" Dreißigjährige kommt auch nicht in Frage, wenn er sich von Mutti das Leberwurstbrot schmieren lässt.

"Wer wohnt schon in der Zietenstraße" Margit Kruses Vortrag lässt vor den Augen der Zuhörer ein Bild des Ruhrgebiets entstehen, wie es damals war und zu großen Teilen heute noch gültig ist. Ein wenig erinnert das Buch an den Roman von Brigitte Wiers "Wer wohnt schon in der Zietenstraße", in der ebenfalls die Jugend eines jungen Mädchens in Gelsenkirchen beschrieben wird, allerdings mehr als zwanzig Jahre früher.

Doch man spürt, es geht nicht darum, ob es schon Waschmaschinen und Autos gab, es geht um die Geborgenheit in der Familie, aus der heraus ein junges Mädchen die Welt erfahren kann. Margit Kruse beschreibt dies in fließend erzählerischer Sprache. Ihr Vortrag macht, wie es eine Zuhörerin formulierte, "neugierig auf das Buch". Im Herbst wird uns die Autorin wohl noch neugieriger machen, denn dann erscheint ihr Buch "Ruhrpott gestern". Und auch mit einem Krimi will sie uns überraschen.

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