Margot-Spielmann-Preis: Dorstener Schülerin führte Interview mit Holocaust-Überlebender

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Eine Dorstener Abiturientin hat eine Facharbeit über die Kindertransporte des Zweiten Weltkriegs geschrieben. Dafür bekommt sie den Margot-Spielmann-Preis. Aber sie nimmt noch viel mehr mit.

Dorsten

, 03.12.2019, 12:23 Uhr / Lesedauer: 2 min

Eine Schülerin des Dorstener St.-Ursula-Gymnasiums ist in diesem Jahr eine Preisträgerin des Margot-Spielmann-Preises. Luca Julie Kuhlmann (17) hat eine Facharbeit über die Kindertransporte von Deutschland nach England geschrieben.

Bereits zum elften Mal wird der Margot-Spielmann-Preis verliehen. Dabei handelt es sich um einen Jugendgeschichtswettbewerb des Jüdischen Museum Westfalens.

Auf die Idee gekommen, ihre Facharbeit über die Kindertransporte zu schreiben, ist sie durch ihren Englischlehrer, deshalb schrieb sie die Arbeit auf Englisch. Die Abiturientin wandte sich während ihrer Recherche an die Kindertransport Association. Die Mitglieder der Association sind häufig Familienmitglieder der Überlebenden und sogar Überlebende des Holocaust.

Dankbarkeit trotz großer Verluste

Linda Waldroup aus Amerika ist ebenfalls Mitglied dort und ist die Tochter einer Überlebenden. Sie erzählte der 17-Jährigen aus Dorsten die Geschichte ihrer Mutter Doris Mason.

Mit neun Jahren kam sie per Kindertransport nach England zu einer älteren Frau. Während des Transportes wurde sie von ihrem älteren Bruder getrennt. Später zog sie dann nach Amerika, wo sie 2009 verstarb.

Die Kinder der Kindertransporte seien in dem Glauben nach England gereist, dass ihre Eltern bald nachkommen würden. Doch irgendwann stoppten die Briefe der Eltern. „Trotz der großen Verluste hat Doris Mason immer eine große Dankbarkeit gespürt, überhaupt am Leben zu sein. Das war sehr berührend“, sagt Luca Julie Kuhlmann. Sie hat ein aufgezeichnetes Interview mit Doris Mason sehen dürfen, das in Besitz der Tochter Linda Waldroup ist.

Zeitzeugin besuchte Deutschland oft

Außerdem vermittelte Linda Waldroup der Dorstener Abiturientin den Kontakt zu einer Frau, die selbst als 16-Jährige mit einem Kindertransport nach England gerettet wurde. Sie heißt Erika E. Estis und ist 97 Jahre alt.

Sie kam in England in ein „Ferienlager“. Dort kamen an den Wochenenden Familien und suchten sich Kinder aus. Doch da Erika E. Estis bereits relativ alt war, wurde sie nicht mitgenommen.

Luca Julie Kuhlmann erzählt, dass die 97-Jährige stolz sei auf die Menschen, die die Kindertransporte organisiert haben. Das reine Überleben sei das Wichtigste gewesen. „Aufgrund ihres relativ hohen Alters für den Kindertransport konnte sie sich an vieles erinnern“, so die Abiturientin. Oft habe sie Deutschland besucht und dort erzählte sie ihre Geschichte, damit andere daraus lernen können.

Geschichten müssen weitererzählt werden

Über das Interview mit Erika E. Estis sagt Luca Julie Kuhlmann: „Diese Möglichkeit wird es in Zukunft nicht mehr geben. Unsere Generation muss diese Geschichten weitererzählen.“

„Es war für mich eine einmalige und unglaublich beeindruckende Erfahrung, die mich mein Leben lang begleiten wird“, sagt Luca Julie Kuhlmann. Empfindungen von Zeitzeugen zu hören, sei etwas gänzlich anderes, als sie von Dritten zu hören.

Margot-Spielmann-Preisverleihung

Am Dienstag. 3. Dezember 2019, wird ab 18 Uhr die Preisverleihung im Jüdischen Museum Westfalen in Dorsten stattfinden. „Für mich ist der Preis eine tolle Ehrung und Anerkennung meiner Arbeit. Aber für mich war es wichtiger, meinen kleinen Teil dazu beizutragen, dass die Geschichten weitererzählt werden“, sagt Luca Julie Kuhlmann. Sie habe viele positive Rückmeldungen zu ihrer Facharbeit bekommen. Besonders berührt habe sie das Geschenk eines Überlebenden. Er sendete ihr ein Exemplar seiner eigenen Geschichte.

  • Weitere Preisträger des Jugendgeschichtswettbewerbs sind: Josef Tewinkel aus Borken, Gabriele Kiedrzyn aus Vreden, Luise Hönig (ehemalige Schülerin des Städtischen Gymnasiums Löhne, das Städtische Gymnasium Herten und die Martin-Luther-Europaschule in Herten.
  • Am Dienstag (3. Dezember) wird ab 18 Uhr die Preisverleihung im Jüdischen Museum Westfalen in Dorsten stattfinden. Es werden Urkunden überreicht und die einzelnen Projekte und Arbeiten werden kurz vorgestellt. Die Veranstaltung ist öffentlich.
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