Marschieren will gelernt sein

Schermbeck "Die Augen links", "Im Gleichschritt marsch!", "Kompanie - halt!". Wo sonst Gesamtschüler lachend in den Pausen herumtollen, schien die Bundeswehr ein neues Trainingsfeld für junge Rekruten eröffnet zu haben.

13.07.2007, 17:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Nur wenige derer, die am Abend auf dem Schulhof der Gesamtschule den militärischen Kommandos folgten, haben jemals Soldatendienst verrichtet wie Kurt Gerwien, der in den Jahren 1973/74 beim Siegburger Wachbataillon "diente".

Die überwiegend jungen Leute aus den Reihen der Blaskapelle "Einklang" und des Tambourkorps Schermbeck haben den "Bund" noch nicht kennen gelernt. Sie können wunderbar musizieren, wenn irgendwo ein Schützenfest gefeiert wird, aber nicht jeder setzt den Fuß im rechten Moment an die richtige Stelle.

In dieser Situation ergriff "Einklang"-Vorsitzender Winfried Striewe die Initiative. Er bat den Trompeter Thomas Bienbeck, sein als "Zwölfender" der Bundeswehr erworbenes Wissen um die Formalausbildung zu reaktivieren und für die beiden Kapellen nutzbar zu machen, damit bei den Umzügen zu Kilian jeder Musiker seinen Fuß an die richtige Stelle setzt.

Bienbeck ließ sich nicht zweimal bitten, holte die "Formaldienstordnung ZDV 3/2" vom Februar 1987 aus der Schublade und begann auf der Basis dieses Jubiläumsheftchens die Formalausbildung für die etwa 70 männlichen und weiblichen Musiker.

"So geht`s nicht! Zigaretten aus, Jacken zu!", sorgte Bienbeck zunächst für eine Grundordnung, bevor sich die Musiker unter dem Pausendach aufstellten, um wenig später in Viererreihe den ersten Marschversuch zu starten. Die Wand auf der einen Seite und die Pfeiler des Pausendaches auf der anderen Seite, da blieb kein Raum fürs seitliche Ausbüchsen; die Längsrichtung stimmte schon mal.

Im Zickzack

Aber wie die Kurve hinterm vorletzten Pfeiler kriegen? Eine bunte Mischung aus Quetscherei innen und Rennerei außen machte dem Ausbilder Bienbeck klar: Hier gibt`s noch viel zu tun. Zunächst ohne Instrumente und hernach mit Pauken und Trompeten um die Ecke. Zunächst nur Linkskurven an allen vier Ecken des Schulhofes, dann Richtungswechsel und schließlich - so gemein können Ausbilder sein - im Zickzack mal rechts und mal links. Es klappte von Mal zu Mal besser. Dazu erklangen die Märsche "Das Lieben bringt groß Freud", "Morgengrauen" und "Seetaler" so oft, dass ein paar Nachbarn vorsichtig ums Schulgebäude herumkamen, um sich das "Spielchen" näher anzuschauen.

Kehrtwende

Zum krönenden Abschluss der Exerzierens wurde eine Kehrtwendung eingeübt. Trommler Johannes Breuer erlebte wenigstens einmal eine Marschausbildung, denn sein Zivildienst, der am 1. August beginnt, hält ihn auch weiterhin von Marschkommandos der Bundeswehr fern. H.Sch.

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