Matilda und Ben mischen sich in Dorstens Politik ein

rnKinderbürgermeister

Matilda und Ben wissen, wie Politik funktioniert. Gut sichtbare Plakate, klare Aussagen - so haben es die Grundschüler aus Wulfen geschafft, Dorstens erste Kinderbürgermeister zu werden.

Dorsten

, 05.11.2020, 18:15 Uhr / Lesedauer: 2 min

Es war die Zeit des Wahlkampfes in Dorsten, als Parteien und Politiker die Straßen in Dorsten mit Plakaten zupflasterten. „Das können wir auch“, dachten sich Matilda Clodt (8) und ihr gleichaltriger Cousin Ben Buttler. Vielleicht sogar besser. Denn Matilda und Ben vermissten auf den Werbeträgern der Erwachsenen, was sie für die Kinder in Dorsten tun wollen.

„Auch wir Kinder haben Rechte“

„Auch wir Kinder haben Rechte“, malten die beiden jungen Wulfener beispielsweise auf ein mit einem Regenbogen verziertes Plakat, verbunden mit der unmissverständlichen Forderung: „Wählt uns als Kinderbürgermeister - für ein buntes Dorsten!“ Und ja, auch „für mehr Spielgeräte auf dem Wittenbrinkschulhof“. Womit dann auch geklärt wäre, welche Schule die beiden Kandidaten besuchen.

Mit solchen Plakaten erregten Matilda und Ben die Aufmerksamkeit von Bürgermeister Tobias Stockhoff.

Mit solchen Plakaten erregten Matilda und Ben die Aufmerksamkeit von Bürgermeister Tobias Stockhoff. © privat

Zur Wahl standen Matilda und Ben natürlich nicht, Dorstens erste Kinderbürgermeister sind sie trotzdem geworden. In der konstituierenden Ratssitzung erhielten sie am Mittwoch von Bürgermeister Tobias Stockhoff die Ernennungsurkunden. So viel politisches Engagement in jungen Jahren muss schließlich belohnt werden. „Aufregend“, fand Matilda das. Ihre Mutter bestätigt: „Sie interessiert sich sehr für ihre Mitmenschen und das, was in ihrer Umgebung passiert.“

Repräsentanten der Kinder in Dorsten

Stockhoff, selbst Wulfener, war im Spätsommer auf die Plakate der Kinder aufmerksam geworden und hatte mit seinen Mitbewerbern ums Bürgermeisteramt, Mauritz Hagemann (Grüne) und Simon Rodriguez Garcia (Die PARTEI), die Idee entwickelt, in Dorsten künftig Kinderbürgermeister einzusetzen. Dahinter steckt tatsächlich mehr als eine sympathische Aktion.

Matilda und Ben erhielten in der konstituierenden Ratssitzung ihre Ernennungsurkunden als „Kinderbürgermeister" von Dorsten.

Matilda und Ben erhielten in der konstituierenden Ratssitzung ihre Ernennungsurkunden als „Kinderbürgermeister" von Dorsten. © Stefan Diebäcker

Als „Repräsentanten der Kinder“ könnten Matilda und Ben im nächsten Jahr zum Beispiel den Weltkindertag mit eröffnen. In den drei Stadtbezirken (Nord, Mitte, Süd) soll es künftig einmal pro Jahr eine Sprechstunde für Kinder geben. „Mindestens zweimal im Jahr möchte ich mich mit den Kinderbürgermeistern treffen und austauschen“, kündigt Tobias Stockhoff an.

Eigene Seite auf der städtischen Homepage

Da wird es dann wohl auch um die Dinge gehen, die Kinder für ihre Heimatstadt vorschlagen. Im Januar wird auf der Homepage der Stadt Dorsten eine Seite freigeschaltet, auf der Kinder direkt ihre Eingaben machen. „Die Verwaltung würde dann wie bei Bürgereingaben das Thema bearbeiten und einen Antwort-Entwurf sowie mögliche Lösungsansätze prüfen“, sagt Stockhoff.

Jetzt lesen

Gemeinsam mit dem Bürgermeister würden die Kinderbürgermeister dann auch antworten. „Dabei können die beiden Kinderbürgermeister selbstverständlich auch noch Ideen einbringen.“ Tobias Stockhoff möchte das neue Angebot als „Ergänzung zum Jugendparlament“ verstanden wissen. Grundschulkinder seien dort ja nicht vertreten.

Amtszeit beträgt ein Jahr

Matilda und Ben bleiben bis Ende 2021 im Amt, ihre Nachfolger dann immer ein Jahr. „Den Auswahlmodus für die nächsten Kinderbürgermeister möchte ich gerne mit den beiden aktuellen Kinderbürgermeistern und unserer Kinder- und Jugendförderung besprechen“, sagt Stockhoff.

Die beiden Grundschüler hatten übrigens schon vor ihrer Ernennung mit der Arbeit begonnen. „Sie sind durch alle Klassen ihrer Schule gegangen und haben Ideen gesammelt“, verrät Matildas Mutter.

Lesen Sie jetzt