„Meine Frau war direkt misstrauisch“

Hervester unterschrieb Vertrag

Eckhard Wiese hat an der Haustür einen Auftrag für Dacharbeiten unterschrieben – ein leichtsinniger Fehler? Wiese glaubt: Der Dachdecker ist ein Betrüger. Dessen Firma mit Sitz in Thüringen dementiert den Vorwurf.

Hervest

, 26.01.2017, 17:29 Uhr / Lesedauer: 2 min
„Meine Frau war direkt misstrauisch“

Eckaard Wiese zeigt den von ihm unterschriebenen Vertrag.

Der 77-jährige Eckhard Wiese ahnt nichts Böses, als er die Haustür öffnet. Ein junger Mann begrüßt ihn – circa 30 Jahre alt, 1,70 Meter groß, blonde Kurzhaarfrisur, gepflegtes Äußeres. Der Mann sagt, seine Firma werde demnächst Arbeiten am Dach seines Nachbarn durchführen. „Dann können wir ihres gleich mitmachen“, zitiert Eckhard Wiese den Mann. Wiese unterschrieb den Auftrag: Dach überprüfen, Dachfirst nachmörteln, 60 Euro.

Hilfe von Verbraucherschützern

Bei milderem Wetter würden die Arbeiten beginnen, sagt der Mann. Dann erst müsse Eckhard Wiese die veranschlagten 60 Euro bezahlen. „Ich hätte nicht gedacht, dass da was faul sein könnte“, sagt Wiese, „aber meine Frau war direkt misstrauisch“. „Die Nachbarn wussten von nichts“, sagt Waltraut Wiese. Und: Ihre Tochter fand im Internet heraus, dass die Masche bekannt sei und die Leute beim zweiten Treffen das Geld auch mit Gewalt forderten. Die Wieses riefen die Polizei. Die sagte, das Ehepaar sollte sich zusätzlich bei der Verbraucherzentrale melden. Mechthild Clever-Schmitz von der Verbraucherzentrale in Dorsten sind solche Maschen bekannt.

Der Fall Wiese sei jedoch der erste dieser Art in Dorsten. „Meist entstehen dabei riesige Summen“, erklärte sie. Der Auftrag von Eckhard Wiese sei von der Verbraucherzentrale umgehend widerrufen worden. Nun warte man auf Bestätigung. Unsere Redaktion kontaktierte die Firma. Der Mitarbeiter, der den Anruf entgegennahm, geriet sofort in Rage und sagte, dass bereits seit 2005 Aufträge in NRW durchgeführt würden, auch in Dorsten. Er bestätigte, dass seine Firma ihre Mitarbeiter von Haustür zu Haustür schicke, um potenziellen Kunden Aufträge anzubieten. „Wenn einer nicht will“, so der Mitarbeiter am Telefon, „dann soll er es lassen“.  Daraufhin beendete er das Gespräch.

Tipps der Polizei

Ramona Hörst, Sprecherin der Kreispolizei Recklinghausen, rät: „Niemanden hereinlassen und kein Geld im Voraus bezahlen“. Man solle versuchen, sich das Autokennzeichen und Erscheinungsbild der Personen merken. Sobald die vermeintlichen Betrüger verschwunden seien, solle man die Polizei rufen – nicht vorher. „Da sollten die Betroffenen kein Risiko eingehen.“ Sei man auf einen Betrug hereingefallen, solle man auf jeden Fall Anzeige erstatten, rät Ramona Hörst.

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