Minderjährige auf Diebestour stellen die Behörden vor Probleme

Organisierte Trickbetrüger

Am Montag haben zwei Kinder versucht, einer Seniorin an einem Bankautomaten Geld zu stehlen. Die Täter, die nicht aus Deutschland kommen und keinen festen Wohnsitz haben, wurden gefasst und dem Jugendamt übergeben. Meistens flüchten die jungen Täter nach kurzer Zeit - und gehen wieder auf Diebestour. Den Behörden sind die Hände gebunden.

DORSTEN

von Von Rüdiger Eggert

, 12.09.2012, 11:19 Uhr / Lesedauer: 2 min

Nach Aufnahme der persönlichen Daten werden Kinder dieses Alters normalerweise ihren Eltern übergeben. In diesem Fall aber schaltete die Polizei das Dorstener Jugendamt ein, da die Eltern nicht erreichbar waren.„Die Kinder sind in einem Wohnheim des Landschaftsverbandes Westfalen untergebracht worden“, weiß Lisa Bauckhorn, Pressesprecherin der Stadt Dorsten.

Und wie geht es weiter mit ihnen? „In der Regel flüchten diese Kinder“, berichtet Michael Franz, Pressesprecher der Polizei. Entweder werden sie von ihren Eltern abgeholt oder sie gehen einfach. „Meist vergehen keine acht bis zehn Stunden, bis sie verschwinden“, so auch die Erfahrung von Lisa Bauckhorn. Denn ohne richterlichen Beschluss kann niemand festgehalten werden. Doch wer sind diese Jugendlichen? Die Polizei ist vorsichtig und bestätigt aus Datenschutzgründen nur: „Das waren keine Deutschen.“ Beschreibungen wie dunkle Haare oder südländisches Aussehen tauchen immer wieder in solchen Meldungen auf.

Die Vermutung liegt sehr nah: Hier wird organisiert vorgegangen. Doch das Kind beim Namen zu nennen, macht niemand, auch dann nicht, wenn es Belege gibt, dass die Täter und Anstifter aus dem Südosten Europas stammen. „Lassen Sie bitte ihre Geldbörse nicht so offen herumliegen“, warnt eine besorgte Geschäftsfrau in der Innenstadt deshalb regelmäßig ihre sorglose Kundschaft. Denn an Markttagen sind nicht nur Bettler unterwegs, auch Taschendiebe und Trickbetrüger durchstreifen die belebte Stadt auf der Suche nach leichter und fetter Beute.

„Das ist nicht zu fassen“, erzählt eine Boutiquen-Verkäuferin auf der Lippestraße ihre Beobachtungen vor wenigen Wochen. Damals hatten zwei junge Frauen wahllos Oberbekleidung von einem Ständer des Modegeschäftes gezerrt, zusammengerafft und auf ihrem Kleinkind im Kinderwagen aufgetürmt. Etiketten und Kleiderbügel hingen noch aus dem Kinderwagen, als eine der Frauen gefasst wurde, der anderen glückte die Flucht. Das Strafverfahren läuft – doch die nächste Gelegenheit macht wieder Diebe.

Lesen Sie jetzt