Skandal im Jugendamt Dorsten: Mitarbeiter soll sechsstellige Summe unterschlagen haben

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Ein Finanzskandal erschüttert das Jugendamt in Dorsten. Ein Mitarbeiter soll über Jahre mit städtischem Geld privat eingekauft haben. Es geht um eine sechsstellige Summe.

Dorsten

, 11.12.2019, 18:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Einzigartig“ - so beschreibt die Erste Beigeordnete Nina Laubenthal den Fall, den sie am Mittwoch auf Anfrage der Dorstener Zeitung bestätigte. Stunden zuvor hatte sich die Stadtverwaltung mit dem Mitarbeiter des Jugendamtes auf einen Aufhebungsvertrag zum Jahresende verständigt.

Der Verdächtige ist seit Ende November vom Dienst freigestellt und hat sich laut Laubenthal in den bisherigen Gesprächen „sehr kooperativ verhalten und signalisiert, dass er zur materiellen Wiedergutmachung entstandener Schäden beitragen möchte“. Trotzdem gilt für die Juristin zunächst die Unschuldsvermutung.

Anonymer Hinweis kam im September

Seit mehr als zwei Monaten laufen die internen Ermittlungen im Rathaus. Im September hatte Nina Laubenthal einen anonymen Hinweis erhalten, beinahe zeitgleich meldete sich das Rechnungsprüfungsamt, dem Unregelmäßigkeiten in einem Vergabeverfahren aufgefallen waren. Seit Ende November ist für die Dezernentin klar, dass es sich „um einen schwerwiegenden Fall handeln könnte“.

Verdachtsfälle ergeben sich nach Angaben der Stadtverwaltung seit 2013, untersucht wird derzeit mit Priorität der Zeitraum ab 2016, weil mögliche Straftaten in dieser Zeit noch nicht verjährt wären. Bei den Nachforschungen ist offenbar schon Erschreckendes ans Tageslicht gekommen.

Jeder einzelne Fall muss geprüft werden

„Es besteht aktuell der Verdacht, dass der Mitarbeiter nicht direkt Geld unterschlagen hat, sondern vielmehr auf Kosten der Stadt Sachwerte zur persönlichen Verwendung angeschafft hat“, sagt die Beigeordnete mit aller Vorsicht. Die Stadt Dorsten geht derzeit von einem sechsstelligen Schaden aus. „Geklärt werden muss aber in jedem einzelnen Fall, welche gekauften Gegenstände für die Aufgaben des Fachbereichs zur Verfügung stehen“, so Laubenthal.

Der Mitarbeiter des Jugendamtes konnte dank seiner Position offenbar über Jahre ungehindert Dinge schaffen, die grundsätzlich ins Profil seines Fachbereiches gepasst hätten. Fußmatten müssen auch mal in einem städtischen Fahrzeug erneuert werden, Unterhaltungselektronik wird zum Beispiel beim Weltkindertag benötigt.

„Deshalb gab es auch keinen Anlass, misstrauisch zu werden“, erklärt Amtsleiter Stefan Breuer. „Der Mitarbeiter war in einer Position angesiedelt, in der sich üblicherweise Verantwortung und ein hohes Maß an Vertrauen miteinander verbinden.“ Mit anderen Worten: Er durfte selbstständig über Ausgaben entscheiden.

Ab sofort gilt das Vier-Augen-Prinzip

Für Breuer und Laubenthal steht fest, dass keine Verwaltung und kein Unternehmen davor gefeit ist, dass dieses Vertrauen in Einzelfällen missbraucht wird. „Ein System, das jede kleine Anschaffung eng kontrolliert, würde jedes Unternehmen in Teilen lähmen oder ihre Aufgabenerfüllung deutlich verlangsamen.“

Doch genau das passiert jetzt im Jugendamt. Eine aktuelle Dienstanweisung besagt, dass bei jeder noch so geringen Anschaffung das Vier-Augen-Prinzip gilt.

„Noch in diesem Jahr“, so Nina Laubenthal, wird die Stadtverwaltung Strafanzeige erstatten, auch um unabhängige Ermittlungen der Staatsanwaltschaft zu ermöglichen. Doch der Fall hat noch eine andere Dimension. Im Rathaus ist die Sorge groß, dass alle Mitarbeiter, mindestens aber die aus dem Jugendamt, von außen unter Generalverdacht gestellt werden könnten. „Es ist ein Einzelfall“, betont Nina Laubenthal deshalb. „Einer, den wir in dieser Dimension noch nicht hatten.“

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