Moment entschied über Leben und Tod

09.11.2007 / Lesedauer: 3 min

Dorsten Es gibt Dimensionen menschlichen Leids, die sich den Buchstaben des Gesetzes entziehen.

Und so blieb sicherlich ein fader Beigeschmack bei allen Beteiligten zurück, die an der Verhandlung gegen Michael K. wegen "fahrlässiger Tötung" vor dem Dorstener Schöffengericht teilnahmen.

Diesiger Wintertag

Der 26. Januar 2007 war ein kalter, diesiger Wintertag. Schnee lag in der Luft, als der Mecklenburger Michael K. zur Mittagszeit mit seinem dunklen BMW die Dülmener Straße (B 58) Richtung Haltern befuhr.

Überholverbot, Höchstgeschwindigkeit 70 km/h - keine Chance, den vor ihm fahrenden VW Passat hinter sich zu lassen. Als kurz hinter der Zufahrt zum Wulfener Schacht das Verkehrsschild die Aufhebung des Überholverbotes signalisierte, packte Michael K. die Gelegenheit beim Schopfe: "Ich habe in den Innen- und Außenspiegel gesehen und den Blinker gesetzt", sagte er vor Gericht aus.

Doch den schwarzen Corsa, der von hinten das Feld der Auto-Schlange aufrollte, bemerkte er erst, als er mit seinem Vorderreifen bereits die Mittellinie überfahren hatte. Zu spät!

Die beiden Wagen im Überholmanöver stießen zusammen, wobei der schwarze Corsa auf die gegenüberliegende Seite geschleudert wurde und gegen einen Baum prallte.

"Es krachte, und plötzlich flogen lauter Autoteile um mich herum", bezeugte die an der Spitze fahrende Passat-Fahrerin. Für Andreas D. kam jede Hilfe zu spät. Der 28-jährige Dorstener erlag am gleichen Tag im Knappschaftskrankenhaus seinen schweren Verletzungen.

Die Untersuchungen und Zeugenaussagen konnten keine eindeutige Aufklärung des Unfallhergangs ergeben: Traf das Unfallopfer vielleicht auch eine Mitschuld? War es zu schnell gefahren, nicht angeschnallt und ohne Licht unterwegs? Hätte Michael K. das Auto sehen müssen? Hat er rücksichtslos verkehrswidrig gehandelt oder war es eine Ordnungswidrigkeit mit schlimmen Folgen?

Geringe Schuld

"Die Voraussetzungen für eine fahrlässige Tötung sind jedenfalls nicht gegeben", urteilte Richterin Regine Heinz.

Sie stellte das Verfahren wegen geringer Schuld ein. Die Geldbuße von 600 Euro, die Michael K. an den Verein für Lebenshilfe zahlen muss, kann die als Nebenkläger aufgetretene Familie des Unfallopfers nicht trösten. Ihr Sohn bleibt tot. Und Michael K. muss mit seiner Mitschuld weiterleben. sing

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