Nach 100 Jahren ist nun Schluss

Dorsten Ein kleines Schild setzt den Schlusspunkt unter eine lange Geschichte: "Geschlossen" steht seit gestern an der Eingangstür des Tabakwarengeschäfts Buchholz. Was dort nicht zu lesen ist, fügen Stammkunden mit leiser Wehmut gedanklich hinzu: Geschlossen für immer - nach 100 Jahren in Dorsten!

24.07.2007, 18:55 Uhr / Lesedauer: 1 min

"Irgendwann musste es ja mal soweit sein", sagt Irmgard Buchholz, die bis zum Montag mit ihren 80 Jahren in der Lippestraße noch täglich hinter der Ladentheke stand und fast 60 Jahre lang das Geschäft allein geführt hat. Zuletzt bereiteten die Kniegelenke ihr aber immer größere Probleme, so dass sie schweren Herzens entschied, ihren Laden zu schließen.

Gegründet wurde das Tabakwaren-Fachgeschäft vor einem Jahrhundert von ihrem Vater Reinhard Buchholz. 1935 erweiterte er das Ladenlokal an der Lippestraße um einen Fahrrad-Meisterbetrieb. Nach der Zerstörung des Gebäudes durch Fliegerbomben diente beim Neuanfang nach dem Krieg u.a. eine Holzbaracke am Essener Tor als Behelfsdomizil, bis 1951 erneut das wieder errichtete Haus an der Lippestraße bezogen werden konnte.

1960 erfolgte dann die räumliche Trennung: Irmgard Buchholz, die seit 1949 hinter der Ladentheke stand, beschränkte sich auf die Tabakwaren, ihr Bruder Franz führte nebenan das separate Fahrradgeschäft.

Waren in den Sechziger und Siebziger Jahren Pfeifen und Zigarren bei den Kunden ebenfalls stark gefragt, so konzentrierte sich später die Nachfrage immer mehr auf Raucherzubehör und Zigaretten.

Und die Anti-Raucher-Kampagnen bekam Irmgard Buchholz auch zu spüren. "Aber dennoch war ich nie unzufrieden", zieht sie eine Schlussbilanz, die nicht nur für den Geschäftserfolg gilt. Denn der Laden war wortwörtlich ihr Leben und ihr eigentliches Zuhause. Nach Ladenschluss warteten Buchhaltung und Haushalt, so dass es bei ein, zwei Urlaubsreisen in all den Jahren blieb.

Trotzdem beklagt sich Irmgard Buchholz nicht. Der Plausch mit der Stammkundschaft gehörte zu den alltäglichen Freuden. Und beim Rauchen lässt sie sich keinen "blauen Dunst" vormachen: Erst mit vierzig auf den Geschmack gekommen, genießt sie bis heute täglich ihre Zigaretten. Aber getreu ihrem Grundsatz: "Alles in Maßen - also weniger als eine Schachtel pro Tag." kdk

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