Nervenkitzel in ehemaliger Steigerkaue in Dorsten

Escape Room öffnet Samstag

Tamer Örge eröffnet am Samstag den „Hammer Escape Room“ für bis zu zehn Mitspieler in der ehemaligen Steigerkaue von Fürst Leopold – ein erster Einblick.

Dorsten

, 26.10.2017, 12:16 Uhr / Lesedauer: 3 min
Tamer Örge in seinem Escape Room.

Tamer Örge in seinem Escape Room.

Die originalen Kauenkörbe hängen unter der Ecke, gespickt mit Skelett-Teilen – aus Plastik. Eingerichtet ist der Raum wie eine abgerockte Arztpraxis von anno dazumal. Klopfgeräusche, versteckte schummrige Lichteffekte: Es ist eine geheimnisvolle, leicht morbide Szenerie, auf die Tamer Örge den Blick freigibt.

Der 24-Jährige hat 2016 in Enschede den Studiengang „Creative Technology“ abgeschlossen – und setzt nun auch das dabei Erlernte ab Samstag (28.10.) in der ehemaligen Steigerkaue der Zeche am Fürst Leopold-Platz 1 (neben der Tätowier-Manufaktur) in ein Projekt um, das in Dorsten einzigartig ist: in einen so genannten „Escape Room“. Das Prinzip: Man betritt mit einer Gruppe von drei bis zehn Personen den Abenteuerraum und wird gemeinsam ermittelnder Protagonist in einer Art Kriminalfall.

Eigentlich hört sich die Sache recht simpel an: 60 Minuten haben die Mitspieler Zeit, die Rätsel zu lösen, um dem Raum wieder entfliehen zu können. Doch einfach hat es der 24-jährige „Hausherr“ Tamer Örge seinen Gästen nicht gemacht. „Man muss schon Kreativität und logisches Denkvermögen mitbringen, um die mysteriöse Geschichte aufdecken zu können.“

Live-Erlebnis

Das Live-Ereignis namens „Escape Room“ ist inzwischen erfolgreich aus Japan und den USA nach Deutschland geschwappt. „Allein im Ruhrgebiet gibt es 20 solcher Räumlichkeiten“, sagt der aus Dülmen stammende Unternehmensgründer. Doch seien seine Mitbewerber fast alle Franchise-Nehmer. „Ich aber habe meine Geschichte und das Raumdesign komplett selbst entwickelt“, betont der 24-Jährige. Während des Spiels wird er im Vorraum sitzen, die Mitwirkenden beobachten, „ich schließe den Raum aber nicht ab, jeder kann raus, wann er will“.

Sein Thema: Der verrückte Professor Balsinger hat in den 1950er Jahren sein Unwesen in diesem Gebäude getrieben. Seine Geheimnisse durften nicht an die Öffentlichkeit gelangen und so hielt er sein Labor versteckt. Gelingt es nun den Besuchern, des Professors Experimente zu stoppen?

„Um das zu schaffen, ist viel knifflige Arbeit zu erledigen“, sagt Tamer Örge. Die Teilnehmer müssen mikroskopieren, müssen auf einer Schreibmaschine schreiben, die aber viel zu wenige Tasten hat, müssen einen Code ausfindig machen, der in den so ungemein wichtigen Patienten-Nebenraum führt, müssen Röntgenaufnahmen analysieren, Symbole deuten, versteckte Nachrichten entschlüsseln und allerlei Fundsachen sind ebenfalls mit im Spiel.

Doch die „Horror“-Praxis enthält nicht nur Retro-Elemente. „In meinem Studium habe ich viel mit 3D-Technologie und Virtual Reality zu tun gehabt“, erzählt Tamer Örge. „Die sollen in meinem Escape-Room für Wow-Effekte sorgen.“ Und diese digitalen Erlebnisse möchte er in Zukunft noch ausbauen. Wenn das Angebot gut angenommen wird, will er weitere Räume im Seitenflügel der Kaue hinzunehmen.

Pläne dafür hat er genug. „Warum nicht mal ein Wild-West- und Archäologie-Thema oder eines mit Bergwerks-Bezug?“, meint er. Denkbar wäre für ihn auch, mit dem geplanten Hotelbetrieb in der Lohnhalle zusammenzuarbeiten. „Dann könnten Firmen meinen Escape Room für mehrtägige Teambuilding-Workshops buchen.“ Kontakt zur hiesigen städtischen Wirtschaftsförderung hat der Jungunternehmer jedenfalls schon aufgenommen.

In Hamm, im Seitenflügel einer Kinder- und Jugendpsychiatrie, hat der 24-Jährige vor einem Jahr seinen ersten Escape-Room aufgemacht. „Der lief sofort richtig gut an.“ Auch auf der diesjährigen „Extraschicht“ im Quartier Heinrich Robert in Hamm, auch eine ehemalige Zeche, richtete er einen solchen Raum ein. „Der war die ganze Nacht ausgebucht.“

Erste Termine vergeben

Nun also Dorsten, wo er mit seiner Idee beim Creativ-Quartier-Investor Jürgen Tempelmann auf offene Ohren stieß. „Am Samstag geht es los, die ersten Termine sind bereits vergeben.“ Als Mindestalter für die Teilnehmer gibt Tamer Örge „14 bis 16 Jahre“ an, nach oben hin offen. Er hat übrigens in Hamm die Erfahrung gemacht, dass gemischte Gruppen am erfolgreichsten sind. „Reine Männergruppen sind oft zu träge, bei reinen Frauengruppen gibt es zu viel Kommunikation, das ist auch nicht gut.“ Und Familien? „Da ist immer einer dabei, der erst keine Lust hat, aber nachher schweißt die Aufgabe alle Generationen zusammen.“

Öffnungszeiten bis Freitag 16 bis 20 Uhr, Samstag und Sonntag 12 bis 20 Uhr.

Kosten: 23 bis 30 Euro pro Person/Stunde, je nach Gruppengröße

Buchung (nur online möglich) unter www.hammer-escape.de

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