Nokia schockt auch Dorstener

RHADE „Ich musste meine Frau zweimal anrufen. Sie hat es mir erst nicht geglaubt“, sagt Joachim Lücke (44). Der Rhader arbeitet seit 18 Jahren bei Nokia im Werk Bochum. Jetzt droht die Arbeitslosigkeit.

von Von Rüdiger Eggert

, 16.01.2008, 18:18 Uhr / Lesedauer: 1 min
Joachim Lücke arbeitet seit 18 Jahren bei Nokia in Bochum.

Joachim Lücke arbeitet seit 18 Jahren bei Nokia in Bochum.

Seit Dienstag ist für den Familienvater, für seine Frau Ulrike und die beiden Kindern Stefan (15) und Sandra (11) nichts mehr, wie es war. Der Schock der angekündigten Werksschließung sitzt tief bei dem fachverantwortlichen Test Support Engineer und seinen Kollegen.

Am Dienstag geisterten die ersten Meldungen aus Internetquellen durch den Betrieb. Konkretisiert wurde die Schreckensnachricht erst, nachdem die Mitarbeiter einer Schicht zusammengerufen worden waren. In drei Info-Sessions ab 9.30 Uhr wurden dann die Mitarbeiter aller Schichten von der Schließung informiert.

In Englisch vorgetragen

Ein Vertreter des finnischen Mutterhauses trug die Pläne der Firma auf Englisch vor, die dann übersetzt wurden. Sofort war Lücke klar: „ Ich gehöre auf jeden Fall zu den Betroffenen.“ Den Mitarbeitern wurde frei gestellt, sofort nach Hause zu gehen. Auf den Heimweg machten sich zudem die Leiharbeiter. Sie sollen auch am darauf folgenden Tag nicht an der Produktion beteiligt gewesen sein.

Klare Sache: Alle Nokia-Beschäftigten haben Gesprächsbedarf, ihre Empörung ist groß. „2007 war das Jahr für Nokia in Bochum, wir haben gepowert, Überhänge aus allen Werken übernommen und wegproduziert“, erzählt der Rhader Joachim Lücke und sieht den Einsatz der Mitarbeiter nicht honoriert.

"Ich wollte dort alt werden"

In die Zukunft mag Joachim Lücke nicht schauen. „Eigentlich wollte ich bei Nokia alt werden.“ Vor seinem Wechsel zu Nokia vor 18 Jahren arbeitete er fünf Jahre bei Siemens in Gladbeck. Ein Jahr nach seinem Wechsel zu Nokia wurde das Gladbecker Siemens-Werk geschlossen. Damals war Lücke froh über seinen rechtzeitigen Wechsel. Jetzt hat es ihn und seine Familie eiskalt erwischt. Und mit ihm noch mindestens drei weitere Dorstener Familien.

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