NRW-Karte: Wo es viele Unfälle gibt - und wo nicht

Serie ''Heimat-Check''

Wo in der Region passieren die meisten Verkehrsunfälle? Wo gibt es die meisten Verletzten und Toten? Wo die meisten Unfälle mit Radfahrern, Fußgängern, Kindern - und wo die meisten Unfallfluchten? Für unsere Serie "Heimat-Check" haben wir Daten für mehr als 100 Städte verglichen. Mit erstaunlichen Ergebnissen.

DORSTEN

, 05.07.2016, 04:17 Uhr / Lesedauer: 3 min

Wo gibt es die meisten Verkehrsunfälle?

Je größer die Stadt, desto mehr Unfälle passieren dort - das stimmt nicht nur in absoluten Zahlen. Diese Faustregel gilt auch, wenn man die Unfallzahlen auf die Einwohner umrechnet. Dortmund, Essen und Münster stechen aus den meisten kleineren Orten ringsumher heraus.

Negativer Spitzenreiter allerdings: Hagen. Auf 1000 Einwohner kommen dort pro Jahr 40 Unfälle. Doch auch in Teilen des Münsterlandes gibt es verhältnismäßig viele Unfälle.

Wo gibt es die meisten Verletzten und Toten?

Alle sieben Minuten wird jemand irgendwo in Nordrhein-Westfalen bei einem Verkehrsunfall verletzt. Alle 17 Stunden stirbt sogar jemand. Das sind die 2015er-Durchschnittswerte für das ganze Bundesland. Doch wie sieht es in den einzelnen Orten aus? 

Hagen liegt auch hier im negativen Sinne vorne. Generell ist das Münsterland aber tiefer rot eingefärbt als das Ruhrgebiet. Viele Landstraße, gerade Strecken, weniger Verkehr - das bedeutet also nicht automatisch, dass die Gefahr sinkt, bei einem Unfall sich selbst oder andere zu verletzen.

Die beiden großen Gefahren: das Smartphone und die Geschwindigkeit. Das verdeutlichte NRW-Innenminister Ralf Jäger, als er im Februar die offiziellen Zahlen für 2015 vorstellte: "Viele unterschätzen den kurzen Blick aufs Handy. Wer bei Tempo 50 für zwei Sekunden aufs Display schaut, fährt fast 30 Meter im lebensgefährlichen Blindflug." Und: "Geschwindigkeit ist nach wie vor der Killer Nr. 1 im Straßenverkehr. Jeder dritte Verkehrstote ist Opfer von Geschwindigkeit. Sie entscheidet über die Schwere der Folgen gerade bei den schwachen Verkehrsteilnehmern."

Neue strengere Gesetze und mehr Kontrollen müssten her, forderte Jäger. Er hofft, dass der Trend der Jahre 2011 bis 2015 weitergeht. Denn in den vergangenen Jahren wurden weniger Menschen bei Unfällen getötet oder verletzt.

Wichtig ist hier auch der Langzeitvergleich: 1970 gab es in Deutschland noch mehr als 20.000 Verkehrstote pro Jahr, 1990 waren es noch über 10.000, im Jahr 2000 noch 7500. Mittlerweile ist diese Zahl unter die 4000er-Marke gefallen.

Wo gibt es die meisten verunglückten Kinder?

Eindeutige Antwort: nicht in den großen Städten des Ruhrgebiets, sondern in einigen Orten im Münsterland und am Niederrhein. Also ebenfalls dort, wo es verlockend ist, auf geraden Straßen schnell zu fahren.

Übrigens: 2015 verunglückte alle 85 Minuten ein Kind auf einer Straße in NRW. Rund 1000 Kindern jährlich passiert ein Unfall auf dem Schulweg.

Wo gibt es die meisten verletzten Radfahrer?

Eindeutig im Münsterland. Nicht nur in Deutschlands Fahrradhauptstadt Münster selbst, sondern auch in den Kreisen Borken und Coesfeld. Das allerdings nicht durchgehend. In Ledgen, Nottuln, Olfen und Nordkirchen passieren ähnlich selten Unfälle mit Radfahrern wie in Herne, Hagen und Essen.

Im Durchschnitt wird die Polizei in NRW übrigens alle 34 Minuten zu einem Unfall mit Radfahrer gerufen.

Wo gibt es die meisten verletzten Fußgänger?

Was diesen Punkt angeht, ist das Daten-Material kleiner. Dennoch zeigt sich hier die klassische Trennung zwischen Großstadt und ländlichem Raum. In Dortmund, Essen und Münster werden verhältnismäßig häufig Fußgänger verletzt. Den höchsten Wert hat erneut Hagen.

Wer ist schuld an diesen Unfällen? Immer die Autofahrer? Innenminister Ralf Jäger erklärt, dass es nicht so einfach sei: 123 Fußgänger wurden 2015 auf den Straßen in Nordrhein-Westfalen getötet. Und die Analyse der Fälle habe ergeben, so Jäger, dass rund die Hälfte der Toten den Unfall selbst verursacht habe.

Sorge bereitet Jäger auch, dass 66 dieser 123 gestorbenen Fußgänger Senioren waren: "Das bedeutet nicht, dass ältere Menschen häufiger gegen Regeln verstoßen als andere. Sie sind aber wegen ihres Alters und ihrer körperlichen Konstitution mehr von den schweren Folgen eines Unfalles betroffen."

Wo gibt es die meisten Unfallfluchten?

Ein recht lückenhaftes Bild, zugegeben. Aber eins, das zeigt: In Dortmund, Essen, Hagen, Hamm, dem Märkischen Kreis, aber auch in Bocholt und Gronau fahren viele Autofahrer nach dem Unfall weiter - und informieren nicht die Polizei. 

Rund 120.000 Unfallfluchten gibt es pro Jahr in NRW - Tendenz steigend. Weniger als die Hälfte aller Fälle kann die Polizei aufklären - Tendenz leicht fallend. In der Polizeistatistik für das ganze Land heiß es: "Insgesamt ist festzustellen, dass die Gesamtzahl der Verkehrsteilnehmer, die sich unerlaubt vom Unfallort entfernen, tendenziell zunimmt." Für Unfälle mit Verletzten gelte das allerdings nicht.

So haben wir die Daten ermittelt

  • Einmal pro Jahr veröffentlicht die Polizei die offizielle Verkehrsstatistik für das Vorjahr.
  • Wir haben die Zahlen für 2015 genommen und in Relation zur Einwohnerzahl der Städte und Gemeinden gesetzt. Sodass man Münster, Essen, Dortmund und Gelsenkirchen überhaupt mit Lünen, Selm, Castrop-Rauxel, Ahaus, Haltern, Heek und den vielen anderen Orten in der Region vergleichen kann.
  • Ein kleines Problem: Nicht alle Statistiken sind gleich aufgebaut. Jede einzelne Kreispolizeibehörde kann selbst entscheiden, welche Zahlen sie für wichtig hält und welche nicht. Und auch, ob sie diese Zahlen bis auf die kommunale Ebene detailliert auflistet. Deshalb haben wir in unseren Grafiken die Zahl der verletzten Kinder, Radfahrer, Fußgänger und Unfallfluchten nicht für alle Orte in der Region darstellen können.
  • Für Gelsenkirchen und Hagen waren ausführliche Polizei-Statistiken für 2015 nicht online zu finden. Daher haben wir die Zahlen für 2014 verwendet.
  • Für die Städte und Gemeinden im Märkischen Kreis gab es keine einzelnen Zahlen. Es gab nur den Durchschnittswert für den gesamten Kreis. Daher sind all diese Orte in den Karten gleich eingefärbt.

 

Die bisherigen Folgen der Serie "Heimat-Check":

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