Passanten empören sich über Reichskriegsflagge nahe der Dorfkirche

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Mitten im Ortskern eines Stadtteils in Dorsten flattert im Schatten der Dorfkirche eines Reichskriegsflagge im Wind. Verboten oder nicht? Passanten jedenfalls sind empört und irritiert.

Dorsten, Wulfen

, 18.05.2020, 20:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Hoch oben in einem Garten mitten im Ortskern von Alt-Wulfen hängt seit geraumer eine Flagge und flattert im langen Schatten der Matthäuskirche im Wind. Inzwischen sorgt sie für Empörung und Irritationen unter Anwohnern und vorbeikommenden Passanten. „Warum duldet die Polizei das?“, fragt uns beispielsweise ein Leser aus Barkenberg, der mit anderen häufig mit dem Rad dort vorbeikommt.

Beliebt bei Rechtsextremen und Reichsbürgern

Denn bei der Fahne am Mast handelt es sich um eine Reichskriegsflagge. Eine von denen, die vor allem bei sogenannten „Reichsbürgern“ und Rechtsextremen beliebt ist. Denn häufig nutzen diese unterschiedliche Versionen der Reichskriegsflagge bei Demonstrationen, als Internetprofilbilder oder an Fahnenmasten als legale Alternative zu verbotenen Reichskriegsflaggen mit NS-Symbolen.

Auch die aufgehängte Reichskriegsflagge in Wulfen „ist nicht verboten, genauso wenig wie Schalke- oder Dortmund-Flaggen“, so Ramona Hörst, Sprecherin der Kreispolizeibehörde. „Obwohl sie nicht schön ist, weil sie eine bestimmte Gesinnung und Geisteshaltung ausdrückt.“

Zum Fachkommissariat weitergeschickt

Sie hat die Anfrage unseres Lesers dennoch weitergeschickt zum zuständigen Fachkommissariat, damit dieses eine genaue Bewertung vornimmt. Vielleicht wäre ein Gespräch mit dem Besitzer der Flagge angeraten, „damit er zur Einsicht kommt“, so die Polizeisprecherin.

Mit schwarzem Deutschorden

Bei dem Exemplar in Wulfen mit dem schwarzen Deutschorden handelt es sich übrigens um die Kaiserliche Kriegsflagge. Sie war bis 1892 die offizielle Kriegsflagge der Kaiserlichen Marine, danach unter der Bezeichnung „Reichskriegsflagge“ die Flagge der Streitkräfte des Deutschen Reiches bis 1921. Die zum Teil davon abgeleiteten Versionen in der Weimarer Republik sowie die Flaggen in der Zeit des Nationalsozialismus werden ebenfalls als Reichskriegsflaggen bezeichnet.

Kaiserreichflaggen erlaubt

Die Flagge des Kaiserreichs ist also grundsätzlich erlaubt, ebenso wie andere Symbole des Kaiserreichs. Allerdings wurde sie bereits in der Weimarer Republik von rechtsextremen Parteien und Organisationen als Identifikationssymbol benutzt.

Wie Stadtpressesprecher Ludger Böhne auf Anfrage erklärte, können die Behörden dennoch auch das Zeigen von solchen legalen Kriegsflaggen unterbinden. Laut des Bundesamts für Verfassungsschutz könne die Polizei solche Fahnen sicherstellen, „wenn dies in konkreten Einzelfällen die erforderliche, geeignete und verhältnismäßige Maßnahme ist, um konkrete Gefahren für die öffentliche Sicherheit und Ordnung abzuwehren“.

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