Der Priestermangel wird in der katholischen Kirche zu Veränderungen führen. Im Bistum Münster wird die erste Gemeinde jetzt von einem Team aus haupt- und ehrenamtlichen Mitgliedern geführt. (Symbolbild) © picture alliance/dpa
Gottesdienste

Pfarrei in Dorsten stellt sich schon auf den Priestermangel ein

Auf die Pfarreien in Dorsten kommen schwere Zeiten zu. Wenn Priester fehlen, müssen Ehrenamtliche künftig mehr Aufgaben übernehmen. In St. Agatha feiern sie sogar jetzt schon Gottesdienste.

In der Pfarrei St. Willibrord in Kleve ist der Priestermangel angekommen. Als der amtierende Pastor nach Xanten wechselte, konnte kein Nachfolger mehr gefunden werden. Und so hat Bischof Felix Genn vor wenigen Tagen die Leitung der niederrheinischen Gemeinde einem Team von haupt- und ehrenamtlichen Mitgliedern übergeben.

Einige Pfarrer und Pastöre sind schon über 60

Das Beispiel Kleve, längst kein Einzelfall mehr, wird in den nächsten Jahren Schule machen, womöglich auch in Dorsten. Das hält Dechant Dr. Stephan Rüdiger für wahrscheinlich. In „seiner“ Pfarrei St. Agatha werden sonntags schon seit einigen Monaten regelmäßig Wortgottesdienste von Ehrenamtlichen gefeiert, mal auf der Hardt, mal in Altendorf-Ulfkotte, mal in der Altstadt.

Dabei hat die Innenstadt mit drei Priestern, mehreren Pastoralreferenten und Diakone noch keine Personalsorgen. Trotzdem sollen die Gläubigen auf den zu erwartenden Priestermangel vorbereitet und die Gottesdienstbesucher mit diesem Format vertraut gemacht werden.

„In unserer Stadt sind einige Pfarrer und Pastöre schon über 60“, sagt Stephan Rüdiger (46). Nachfolger zu finden, wenn die Kollegen eines Tages in den Ruhestand gehen, werde schwierig werden, ahnt er. „Im Bistum werden deshalb viele Überlegungen angestellt, wie die Strukturen bis 2040 angepasst werden können.“ Ehrenamtliche, die schon jetzt „eine große Hilfe“ seien, werden noch mehr in die Verantwortung genommen werden müssen, um kirchliches Leben aufrecht zu erhalten.

Wortgottesdienste sind ein Anfang. Denn sie dürfen, anders als Eucharistiefeiern, auch von Laien gefeiert werden. Der Wortgottesdienst ist in der katholischen Kirche ein Teil der heiligen Messe, der der Eucharistiefeier vorausgeht. Auch die Feier einiger Sakramente kann in einem Wortgottesdienst geschehen.

Dechant Dr. Stephan Rüdiger
Dechant Dr. Stephan Rüdiger rechnet damit, dass in den nächsten Jahren auch in Dorsten Priesterstellen schwer zu besetzen sein werden. © privat © privat

Dass der katholischen Kirche die Priester ausgehen, hält Stephan Rüdiger für ein vielschichtiges Problem. „Es ist nicht mehr selbstverständlich, dass die Familie ein Ort des Glaubens ist“, meint der Dechant zum Beispiel. „Früher war die Kirche ins Familienleben integriert, Kinder wurden Messdiener, das ist heute oft anders.“ Und das Zölibat sei gerade für junge Menschen mittlerweile „extrem unattraktiv“.

Ein Laie leitet eine Gemeinde

Auch deshalb hatte im Juli des letzten Jahres erstmals ein Laie die Leitung einer Gemeinde im Bistum Münster übernommen, in Saerbeck nämlich. „Es sind einfach nicht genügend Priester da, die die Aufgabe eines leitenden Pfarrers übernehmen können“, betonte der zuständige Weihbischof Christoph Hegge damals. Nach Meinung des Bistums mache es keinen Sinn, an alten Strukturen festzuhalten, die der veränderten Situation nicht gerecht werden.

Ganz so weit ist es in Dorsten noch nicht. Wortgottesdienste von Ehrenamtlichen feiern zu lassen, werde laut Stephan Rüdiger von den Gläubigen aber „sehr gut angenommen“. Der erste Schritt in eine neue Zeitrechnung ist also getan.

Der nächste Wortgottesdienst in der Pfarrei St. Agatha findet am Sonntag (10. Oktober) um 9.30 Uhr in der Heilig-Kreuz-Kirche in Altendorf-Ulfkotte statt. Der Jugendchor unter der Leitung von Christina May und Stefan Stets am Keyboard gestalten diese Feier mit.

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Redaktionsleiter in Dorsten
Veränderungen gab es immer, doch nie waren sie so gravierend. Und nie so spannend. Die Digitalisierung ist für mich auch eine Chance. Meine journalistischen Grundsätze gelten weiterhin, mein Bauchgefühl bleibt wichtig, aber ich weiß nun, ob es mich nicht trügt. Das sagen mir Datenanalysten. Ich berichte also über das, was Menschen wirklich bewegt.
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Stefan Diebäcker