Dorstener Ehepaar sah sein Patenkind zum ersten Mal - in Guatemala

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Eine Patenschaft anzunehmen, ist eine besondere Ehre, aber auch Herausforderung. Ein Dorstener Ehepaar hat Ja gesagt. Und nach sechs Jahren erstmals sein Patenkind persönlich kennengelernt.

Dorsten, Deuten

, 11.04.2020, 10:30 Uhr / Lesedauer: 3 min

Hinter Hedwig und Herbert Tovar aus Dorsten-Deuten liegt eine ereignisreiche Zeit. Im Februar dieses Jahres waren die Eheleute erstmals in ihrem Leben für drei Wochen im weit entfernten Guatemala zu Gast. In dem zentralamerikanischen Land, in dem die heutigen Maya-Nachfahren leben, lernten sie ihr 16-jähriges Patenkind Adela kennen. „Es war ein überwältigender und sehr emotionaler Moment für uns alle“, sagen die beiden Deutener.

Hedwig und Herbert Tovar bei ihrem Besuch in Guatemala, wo sie ihr Patenkind Adela kennenlernten.

Hedwig und Herbert Tovar waren Im Februar in Guatemala, wo sie ihr Patenkind Adela kennen lernten. © privat

Über die von der Bundesregierung unterstützte Organisation „Plan international“ entschlossen sich die Tovars vor sechs Jahren dazu, eine Patenschaft für ein Kind zu übernehmen. Ulrich Wickert, Journalist, Autor und ehemaliger Tagesthemenmoderator, wirbt öffentlich für „Plan international“. Er selbst ist Pate von Kindern, die mit Hilfe von „Plan international“ begleitet und gefördert werden.

Kinderhilfswerk seit 80 Jahren aktiv

Das Kinderhilfswerk ist seit 80 Jahren weltweit tätig und unterstützt soziale, medizinische und schulische Projekte in den Heimatgemeinden der Kinder und Jugendlichen. Die Monatsbeiträge der Eheleute Tovar kommen deshalb nicht direkt Adela und ihrer Familie zugute, sondern zunächst der Gemeinde, in der Adela lebt. Das sorgt für Nachhaltigkeit.

„Für 92 Cent am Tag, 28 Euro im Monat, kann Adela ihren mittleren Bildungsabschluss machen und wird außerdem auch medizinisch versorgt, wenn sie das braucht“, so Hedwig Tovar. Weil die Deutener wissen wollten, was konkret mit ihrem Geld geschieht, zögerten sie nicht lange, als „Plan international“ die Paten anschrieb und sie zu einem Gastbesuch im Heimatland der Patenkinder ermutigte.

Im Februar war es dann soweit. Mit einer Gruppe weiterer Paten, engmaschig betreut von Mitarbeitern von „Plan international“, besuchte die Gruppe „ihre“ Kinder in Guatemala.

Wasser wird aus dem Fluss geholt

Adela lebt in Carchà, das liegt fünf Autostunden nördlich der Hauptstadt Guatemala-Stadt. Sie gehört der indigenen Volksgruppe Q´echi an. Ihre Eltern sind Gemüsebauern und Adela wohnt mit ihnen und ihren zwei jüngeren Schwestern in einem einfachen Holzhaus, fließendes Wasser gibt es nicht. Die Familie läuft zu einem nahen Fluss und holt dort Wasser für den täglichen Bedarf.

Hedwig und Herbert Tovar lernten die Familie ihres Patenkindes Adela ebenfalls kennen. Adela hat zwei jüngere Schwestern.

Hedwig und Herbert Tovar lernten die Familie ihres Patenkindes Adela ebenfalls kennen. Adela hat zwei jüngere Schwestern. © privat

Adela entpuppte sich als sehr schüchternes, zurückhaltendes Mädchen, wie Hedwig Tovar sagt. „Die Mädchen spielen in der patriarchalischen guatemaltekischen Gesellschaft eine untergeordnete Rolle.“ Umso wichtiger sei die Förderung durch „Plan international“, damit die Mädchen eine gute Schulausbildung bekommen und nicht mehr dem tradierten Rollenbild, früh heiraten, Kinder bekommen und Hilfsarbeiten verrichten, ausgeliefert werden.

Erst mit 13 Jahren erstmals zur Schule

„Adela hat erst mit 13 Jahren die Schule besuchen können“, erzählt Hedwig Tovar. In Guatemala sei es üblich, dass die Kinder ihren Eltern bei der Arbeit helfen.„Adelas Vater baut Gemüse an und verkauft es auf den heimischen Märkten. Dabei helfen die Töchter mit“, so Hedwig Tovar. Für Adela war es ein Glücksfall, dass die Eltern ihrer Schulausbildung zustimmten. „Adela muss mehr als eine Stunde zu Fuß oder auf dem Rad zurücklegen, um dorthin zu gelangen.“

Hedwig und Herbert Tovar bei ihrem Besuch in Guatemala, wo sie ihr Patenkind Adela kennenlernten.

Hedwig und Herbert Tovar bei ihrem Besuch in Guatemala, wo sie ihr Patenkind Adela kennenlernten. © privat

Adela lernt in ihrer Schule Lesen, Rechnen und Schreiben, aber auch Spanisch. Sie spricht eine Mundart, die von den Maya an ihre Nachkommen überliefert wurde und heute noch im Land gepflegt wird - auf 22 verschiedene Weisen! So vielfältig sei das Spektrum der Mayasprache im Laufe der Jahrhunderte ausgeweitet worden. „Es war ein wenig mühselig, uns zu verständigen“, sagen die Eheleute Tovar. Zunächst musste von Adelas Mundart ins Spanische übersetzt werden, dann ins Deutsche, um zu verstehen, was das Patenkind bewegt.

Kultur und Historie des Landes sind fesselnd

Neben dem Kennenlernen der Kinder stand aber auch die Kultur und die Historie des Gastlandes im Fokus des dreiwöchigen Aufenthaltes. „Die hügelige Region Alta Verapaz ist mit grünen Nebelwäldern durchzogen. Auf Terrassenfeldern werden Gemüse, Bananen, Kardamom und Avocados angebaut. Die Bauern verkaufen ihre Ernte auf lokalen Märkten in der Umgebung. Hier wächst auch der guatemaltekische Arabica-Kaffee. Er wird in die ganze Welt exportiert“, berichten Herbert und Hedwig Tovar in ihrem „Reisetagebuch“.

Faszinierende Geschichte des Landes

Ungemein faszinierend fanden die Deutener auch den geschichtsträchtigen Boden, auf dem sie sich bewegten. „Auf unserer Reise durch Guatemala lernten wir verschiedene Landschaften und deren Bewohner kennen. Immer wieder fiel uns auf, dass die Maya-Nachfahren ein emsiges und fleißiges Volk sind. Alte Mayakultur (Pyramiden und Paläste), koloniales Erbe (Klöster, Kirchen) und moderne Einflüsse vermischen sich. Arme und reiche Menschen leben nebeneinander. Es gibt noch viel Entwicklungspotential.“

In den Bestrebungen von „Plan international“ sehen Hedwig und Herbert Tovar eine sehr gute Chance, dass „die Rechte der Kinder geachtet werden und Mädchen gleichberechtigt sind“: „Unser Geld ist dort gut angelegt“, sind sie sich sicher.

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