Cornelia Schwankl sorgt sich um ihre Ponys, nachdem es zuletzt in Hünxe und Kirchhellen fünf Wolfsrisse gegeben hat. © Stefan Diebäcker
Wolfsgebiet

Pony-Besitzer in Angst: „Wann taucht das Wolfsrudel hier auf?“

Nach mittlerweile fünf Wolfsrissen in Kirchhellen und Hünxe geht auch bei Pony-Besitzern in Dorsten die Angst um. Und sie sind fassungslos über Schuldzuweisungen.

Spirella und Kalista haben ein schönes Leben – eigentlich. Morgens geht es raus auf die Weide, am frühen Abend sind es nur ein paar Meter zurück in den Stall auf einem Hof in Östrich. Und am Wochenende machen sie mit ihrer Besitzerin meistens eine Kutschfahrt.

Seit drei Jahren gehören Cornelia Schwankl die beiden 14 Jahre alten und etwa 1,20 Meter großen Ponys. „Sie sind mir ans Herz gewachsen“, sagt sie, „und deshalb ist die Sorge natürlich groß, dass auch ihnen etwas zustoßen könnte.“ Denn in Kirchhellen und Hünxe sind in den letzten Wochen fünf Ponys gerissen worden.

Wo das Rudel das nächste Mal auf die Jagd geht, weiß niemand. Aber in der Nachbarschaft von Spirella und Kalista war es auf jeden Fall schon. Cornelia Schwankl erinnert sich genau: „Es war am 10. September. Spirella war den ganzen Nachmittag und am Abend ungewöhnlich unruhig. Ich konnte mir das nicht erklären, aber am nächsten Tag habe ich gehört, dass auf einer Weide in der Nähe zwei Schafe gerissen worden waren.“

Die beiden Ponys waren zu diesem Zeitpunkt im Stall und sicher vor einem Angriff. Cornelia Schwankl vermutet aber, dass die Wölfe schon tagsüber in der Nähe waren. Da standen ihre Tiere im Freien, umgeben von einem schlichten Holzzaun und Stromlitzen. Einen Wolf, davon ist Cornelia Schwankl überzeugt, kann das nicht stoppen.

Für Cornelia Schwankl (r.) und ihre Tochter Melanie Wolf sind Spirella und Kalista fast wie Familienmitglieder.
Für Cornelia Schwankl (r.) und ihre Tochter Melanie Wolf sind Spirella und Kalista fast wie Familienmitglieder. © Stefan Diebäcker © Stefan Diebäcker

Mit dem Bauern, dem die Weide gehört, will sie über weitere Sicherungsmaßnahmen sprechen, holt ihre Tiere aber nach den Vorfällen in Hünxe und Kirchhellen inzwischen früher als sonst in den Stall. Denn wie viele andere Pony-Besitzer stellt sich Cornelia Schwankl die Frage: „Wann taucht das Wolfsrudel hier auf?“

Die Raubtiere haben auch nach Meinung ihrer Tochter Melania Wolf nichts in dicht besiedelten Gebieten zu suchen. „Solange den Tieren kein Einhalt geboten wird, wird es so weitergehen“, fürchtet sie. Für Pferde- und Ponyhalter gebe es bisher keinerlei Unterstützung zum Schutz ihrer Tiere. Wer auf einer Weide und womöglich kilometerweit vom Stall entfernt eine Schutzhütte bauen möchte, bekommt keine Genehmigung. Weil es sich um einen Außenbereich oder gar ein Naturschutzgebiet handelt.

„Niemand würde ein Pony einem Wolf zum Fraß vorwerfen.“

Melanie Wolf

„Fassungslos“ hat die beiden Ponyhalter die Aussage des Vereins Wolfsschutz Deutschland gemacht, der Pferdehaltern unterstellt, sie würden ihre Tiere absichtlich wie auf dem Präsentierteller auf einer Weide abstellen, damit der Wolf sie reißen kann und dann zum Abschuss freigegeben wird. „Pferde und Ponys sind in der Regel fast wie Familienmitglieder. Die Tierhalter lieben ihre Tiere und würden sie niemals sehenden Auges dem Wolf zum Fraß vorwerfen.“

Eine Verwandte, die ihren Namen aus Sorge vor Anfeindungen nicht nennen mag, berichtet aus eigener Erfahrung von einem hohen zeitlichen und auch finanziellen Aufwand, den die Aufzucht eines Fohlens bedeutet. „Wir leben in einem der weltweit bedeutendsten Pferde- und Tierzuchtgebiete der Welt und sollen jetzt Tausende Tiere einsperren, damit ein Rudel Wölfe hier leben kann?“

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Redaktionsleiter in Dorsten
Veränderungen gab es immer, doch nie waren sie so gravierend. Und nie so spannend. Die Digitalisierung ist für mich auch eine Chance. Meine journalistischen Grundsätze gelten weiterhin, mein Bauchgefühl bleibt wichtig, aber ich weiß nun, ob es mich nicht trügt. Das sagen mir Datenanalysten. Ich berichte also über das, was Menschen wirklich bewegt.
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Stefan Diebäcker