Prüf-Frage: Neuer Kreis, neues Glück?

Dorsten Heimlich, still und leise bahnt sich eine Neuordnung an, die wohl auch Dorsten erhebliche Veränderungen bescheren wird: Die Landesregierung bereitet eine große Verwaltungsreform vor.

26.07.2007, 18:56 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Stille wurde jetzt jäh unterbrochen durch einen Paukenschlag vom Niederrhein. Die Stadt Xanten fürchtet, im Konzert der Großen nicht einmal die letzte Geige, sondern allenfalls die Triangel zu spielen, wenn der Kreis Wesel dem Ruhrgebiet zugeschlagen wird. Daher streben die Xantener jetzt vorsorglich ihren Ausstieg aus dem Kreis Wesel an.

Auch in Dorsten war bereits eine politische Debatte pro und kontra Ruhrgebiets-Zugehörigkeit entbrannt, als Haltern Abwanderungsgelüste aus dem Kreis Recklinghausen äußerte. Bürgermeister Lambert Lütkenhorst zog jetzt im Gespräch mit der Dorstener Zeitung Zwischenbilanz zur Standort-Bestimmung:

Herr Lütkenhorst, heißt Dorstens Devise "Abwarten und Teetrinken"? Oder soll die Stadt Farbe bekennen und sich frühzeitig um ihre künftige Zuordnung bemühen?

Lütkenhorst: Generell ist es der richtige Ansatz, sich in Zukunft auf drei Regierungsbezirke zu beschränken. Wenn man das will, müssen aber viele alte Fragen neu beantwortet werden. Und das darf nicht im stillen Kämmerlein geschehen, sondern im Rahmen einer breiten Diskussion. Daran müssen auch die Bürger beteiligt sein, denn bei einer solchen Reform geht es auch um die Identität der Menschen.

Nun gibt es in einer Flächenstadt wie Dorsten deutliche Unterschiede zwischen eher ländlich und stärker industriell geprägten Ortsteilen.

Lütkenhorst: Ganz genau, wenn ich die jetzige Situation betrachte, hat Dorsten eine Art Scharnier-Funktion zwischen Ruhrgebiet und Münsterland. Die Frage "wozu gehöre ich?" lässt sich so einfach nicht beantworten. Gerade deshalb brauchen wir ja eine breit angelegte Debatte, sowohl im Rat wie in der Bürgerschaft.

Wird die Kreis-Zugehörigkeit nicht den Ausschlag geben?

Lütkenhorst: Man muss sich auch trauen, eine Kreis-Diskussion zu führen, wenn die Neuordnung funktionieren soll. Ich gehöre nicht zu denen, die mit der Fahne "Raus aus dem Kreis" herumlaufen, aber ich will eine Debatte darüber führen, zu prüfen, ob die Kreisgrenzen auch in Zukunft noch richtig gezogen sind.

W as ist Ihre größte Sorge?

Lütkenhorst: Ich sehe die Gefahr, dass wir zu einem Zonenrandgebiet werden, wenn wir dem Ballungsraum zugeschlagen werden. Und was das z.B. in der Wirtschaft und bei den Finanzen für Probleme mit sich bringt, spüren wir bereits heute. kdk

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