Publikation über Marschlager in Holsterhausen erschienen

LWL

DORSTEN 2000 Jahre schlummerten die Zeugen der Historie in Holsterhausener Boden, bis Archäologen des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe sie fanden und analysierten. Jetzt erzählen sie auf rund 500 Buchseiten ihre spannende Geschichte.

von Von Anke Klapsing-Reich

, 20.01.2010, 18:42 Uhr / Lesedauer: 2 min
Ein wahrhaft gewichtiges Werk über die Ergebnisse der Ausgrabungen in Holsterhausen präsentierten (v.l.): LWL-Kulturdezernentin Dr. Barbara Rüschoff-Thale, Bürgermeister Lütkenhorst, Prof. Dr. Michael M. Rind, Direktor der LWL-Archäologie für Westfalen, Architekt Rainer Thieken und Prof. Dr. Wolfgang Ebel-Zepezauer, Grabungsleiter und Autor.

Ein wahrhaft gewichtiges Werk über die Ergebnisse der Ausgrabungen in Holsterhausen präsentierten (v.l.): LWL-Kulturdezernentin Dr. Barbara Rüschoff-Thale, Bürgermeister Lütkenhorst, Prof. Dr. Michael M. Rind, Direktor der LWL-Archäologie für Westfalen, Architekt Rainer Thieken und Prof. Dr. Wolfgang Ebel-Zepezauer, Grabungsleiter und Autor.

"Es war nicht irgendeine Grabung, sondern eine der größten Grabungen des Landschaftsverbandes, die einen Meilenstein für die Wissenschaft weit über Westfalen hinaus markiert", freute sich LWL-Kulturdezernentin Dr. Barbara Rüschoff-Thale gestern die wissenschaftliche Publikation "Augusteische Marschlager und Siedlungen des 1. bis 9. Jahrhunderts in Dorsten-Holsterhausen" als Abschluss der dreijährigen Ausgrabungen präsentieren zu können.120.000 Quadratmeter durchkämmt

Von März 1999 bis Mai 2002 hatte sich Grabungsleiter Dr. Wolfgang Ebel-Zepezauer mit seinem insgesamt 50 Personen starken Team durch das 120 000 qm große Areal an Kreskenhof und Koldenfeld gegraben. "Eine Grabung mit Pilotcharakter, denn zum ersten Mal haben wir hier digitale Vermessungssysteme eingesetzt, die es ermöglichen, große Flächen in kurzer Zeit vermessen zu können", verweist Prof. Dr. Michael M. Rind, Direktor der LWL-Archäologie für Westfalen, auf eine Besonderheit der Holsterhausener Grabung, der noch weitere Superlative folgen sollten:

"Erstaunlich und für den Bereich des LWL einzigartig ist, dass es in der Zeit von 12. vor bis 16 nach Christus in Dorsten mindestens fünf römische Lager gegeben hat", betont Autor Dr. Ebel-Zepezauer und schiebt gleich den nächsten "Rekord" hinterher: Nicht weniger als 280 Feld-

backöfen konnten in den Marschlagern nachgewiesen werden: "Da wurde wohl der Proviant, eine Art Ultra-Knäcke, gebacken", veranschaulicht der Grabungsleiter.

Seit etwa 10 000 Jahren ist das untersuchte Gebiet immer wieder einmal von Menschen aufgesucht worden, ohne durchgängig besiedelt worden zu sein.

Die Autoren schlagen den Bogen von der vorgeschichtlichen Besiedlung über die römische Okkupationszeit, der römischen Kaiserzeit mit einheimischen Siedlungsspuren bis hin zur germanischen Besiedlung. Zu den bedeutendsten Funden zählt sicherlich der mit Silbermünzen gefüllte Geldbeutel. "Die 36 Münzen entsprechen etwa dem Legionärssold zweier Monate", vermutet Ebel-Zepezauer, dass dieser Soldat starb, bevor er den Beutel bergen konnte. Jetzt glänzen die Münzen im LWL-Museum für Archäologie in Herne.

"Schade", würde sich Bürgermeister Lütkenhorst den Schatz gerne näher bei den Dorstenern wünschen, "so ist uns von den Grabungen nicht mehr viel geblieben".

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