Richard Gemke misst seit 31 Jahren den Niederschlag

Im Auftrag des Wetterdienstes

HERVEST Regen, Hagel, Griesel, Schnee. Alles, was in den vergangenen 31 Jahren in Dorsten vom Himmel gefallen ist, lagert bei Richard Gemke im Keller. Fein säuberlich auf Papier notiert, denn der 81-Jährige ist Niederschlagsbeobachter.

von Von Michael Klein

, 05.03.2010, 16:57 Uhr / Lesedauer: 2 min
Richard Gemke füllt jeden Morgen die Niederschläge, wenn sie denn gefallen sind, in sein Messglas.

Richard Gemke füllt jeden Morgen die Niederschläge, wenn sie denn gefallen sind, in sein Messglas.

Richard Gemke musste nicht lange überlegen, als er 1978 gefragt wurde, ob er diese Aufgabe übernimmt. Damals arbeitete der Hervester noch als Revieroberforstwart für die Zeche. Hatte 600 Hektar Wald und sechs Mitarbeiter unter sich. Auf Fürst Leopold war auch die Messstation seit 1928 untergebracht. 1986 dann siedelte sie in Richard Gemkes Garten an der Schachtstraße über. „Ich hatte in dem Jahr auf Fürst Leopold aufgehört und kam deswegen nicht mehr auf das Gelände.“

Hat der Hervester die Werte gemessen, überträgt er die Daten in sein Tagebuch. Für Unwissende sind es Hieroglyphen, die Zeugnis darüber ablegen, ob neue Niederschläge gefallen sind, wie stark sie waren, wie feucht oder trocken der Boden ist. „Insgesamt dauert diese Arbeit höchstens 15 Minuten am Tag.“ Dennoch wird es Richard Gemke langsam zu viel. Das Alter, der Herzinfarkt vor ein paar Wochen. „Deswegen möchte ich aufhören.“ Der Hervester hat immer Zeit für seinen Nebenjob gehabt. „Die letzten zehn Jahre sind wir nicht in Urlaub gefahren.“ Und wenn er doch mal nicht nach den Niederschlägen schauen konnte, ist die Familie eingesprungen.

Stolz ist der 81-Jährige darauf, dass ihm Ex-Bundesminister Manfred Stolpe vor acht Jahren eine Verdienstmedaille zukommen ließ. „Reich wird man mit dem Job ja nicht“, so Richard Gemke. Es gibt eine Aufwandsentschädigung von einem Euro pro Tag. Und die Gewissheit, dazu beigetragen zu haben, den Klimawandel dokumentieren zu können. Denn die Listen, die Richard Gemke handschriftlich auszufüllen hat, werden monatlich auch per Brief nach Essen geschickt, dort überprüft, bevor sie in die zentrale Datenbank des Deutschen Wetterdienstes in Offenbach einfließen.

In diesem Winter waren es endlich mal wieder ein paar Schneehöhen, die der 81-Jährige in seinem Heft festhalten konnte. Die weißen Flocken werden aber nicht per Hellmann-Topf gemessen. Schön zu wissen, dass die Wetterfrösche trotz aller Computer-Simulationen doch noch die gute alte Handarbeit zu schätzen wissen: Der Schnee, den der Hervester misst, fällt auf ein simples Brett im Garten des Hervester Zechenhauses.

26 000 nebenamtliche Wetterstationen betreibt der Deutsche Wetterdienst (DWD) in ganz Deutschland. Für den Raum Dorsten sucht der DWD altersbedingt einen Nachfolger für Richard Gemke. Ein geeignetes Grundstück für das Mess-Gerät ist Voraussetzung. Kosten entfallen für die Interessenten nicht. Diese können sich an Harald Bohne (0201/4374312) oder Uwe Milenk (0201/4374301) beim Wetterdienst melden, beide sind auch über Fax (0201/4374350) oder per email erreichbar: harald.bohne€dwd.de oder uwe.milenk@dwd.de

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