Richterin mit vulgären Worten beleidigt

Geldstrafe und Arrest für Angeklagten

„Sexistisch“, „frauenverachtend“, „unterste Schublade“: So charakterisierten Staatsanwalt und Richter die ehrverletzenden Worte, wegen denen sich am Montag ein 20-Jähriger Dorstener vor dem Jugendschöffengericht einfinden musste. Die Beleidigung hatte der junge Mann im Februar dieses Jahres am selben Ort gegenüber der Dorstener Strafrichterin Lisa Hinkers ausgestoßen. „In der Form hat sie so etwas während ihrer langen Laufbahn noch nicht erlebt“, erklärte der Staatsanwalt.

DORSTEN

, 17.10.2016, 15:24 Uhr / Lesedauer: 1 min

Der 20-Jährige musste sich damals wegen Fahrerflucht vor Gericht verantworten. Richterin Lisa Hinkers hatte den Dorstener zu einer milden Straße verurteilt: Er sollte seinen Führerschein für drei Monate abgeben. Nach der Verkündung dieses Urteils drehte sich der junge Mann beim Verlassen des Gerichtssaals um und beschimpfte Lisa Hinkers mit dem Satz „Wir sehen uns, Du......“ (die äußerst vulgäre Bezeichnung, mit der sie tituliert wurde, ersparen wir uns hier).

"Im Nachhinein alles peinlich"

Der 20-Jährige, der noch bei seinen Eltern wohnt, erklärte, ihm sei dies „im Nachhinein alles peinlich“: Er habe der Richterin zwar anschließend einen Brief geschrieben: „Aber das kann man eigentlich nicht entschuldigen.“ Auch seine Eltern, die damals mit im Gerichtssaal saßen, seinen total geschockt gewesen. „So bin ich sonst nicht.“

Die Schmähung sei einem „berufstechnischen Blackout“ geschuldet, so der Angeklagte. Er sei Auszubildender bei einem großen deutschen Post-Dienstleister und habe nach dem Urteil Angst um seinen Job gehabt: Für die Zustellungsfahrten bräuchte er seinen Führerschein. Zu seinem Glück wurde er während der führerscheinlosen Zeit aber in einem anderen Unternehmensbereich eingesetzt.

„Auch eine Bedrohung“

Eine Schöffin merkte an, dass die ausfallenden Worte des Angeklagten auch eine Bedrohung gewesen seien, angeklagt war aber nur die Beleidigung. Das Jugendschöffengericht verurteilte den Dorstener zu zwei Wochenenden Freizeitarrest und zu einer Geldstrafe von 1000 Euro zugunsten des Vereins „Frauen helfen Frauen“. MK

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