Weil die Kabel - hier auf einer Baustelle in Raesfeld - Wärme abgeben, müssen sie in Abständen von gut einem halben Meter zueinander verlegt werden. © Frank Peterschröder/Amprion
Meinung

Schluss mit kleinlichen Bedenken: An Stromautobahn führt kein Weg vorbei

Wir alle haben Angst vor den Folgen der Klimakrise. Wir alle wollen aber weiterhin unseren Strom aus der Steckdose beziehen. Ohne Opferbereitschaft wird das nicht funktionieren.

Ein Windrad soll gebaut werden – der Aufschrei ist laut, wenn es in Sichtweite des eigenen Hauses errichtet soll. Eine Gasleitung wird quer durch die Stadt verlegt – wenn das eigene Grundstück tangiert wird, wollen wir Bürger sie nicht haben. Eine Stromautobahn soll durch nahezu alle Dorstener Stadtteile führen.

Schon jetzt ist absehbar, dass es Bürgerproteste geben wird. Denn eine Stromautobahn am Rand des eigenen oder auf dem eigenen Grundstück verbitten wir uns dann doch. Es könnte ja Gefahr davon ausgehen.

Eigene Interessen plötzlich bedeutsamer als das große Ganze

Die Klimakrise ist im vollen Gang und von uns Menschen gemacht. Wir alle sind theoretisch gerne bereit, etwas zu tun, um die Folgen der Klimakrise zu mildern oder abzuwenden. Wenn es um konkrete Projekte geht, sind eigene Interessen plötzlich aber bedeutsamer als das große Ganze. Netzbetreiber und Trassenbauer wissen aus Bürger-Infoveranstaltungen, welche Geschütze aufgefahren werden, um alternative Energieprojekte zu torpedieren.

Spätestens 2038 wird das letzte Kohlekraftwerk abgeschaltet. Die letzten Atomkraftwerke bei uns bis 2022. Es führt kein Weg an weiteren Stromtrassen vorbei, um die Leitungskapazitäten für Windenergie zu erhöhen. Sonst tappen wir alle irgendwann im Dunkeln. Oder sitzen in einer kalten Wohnung im Winter. Auch das ist dann menschengemacht. Nur nicht ganz so umweltschädlich.

Über die Autorin
Redaktion Dorsten
Seit 20 Jahren als Lokalredakteurin in Dorsten tätig. Immer ein offenes Ohr für die Menschen in dieser Stadt, die nicht meine Geburtsstadt ist. Das ist Essen. Ehefrau, dreifache Mutter, zweifache Oma. Konfliktfähig und meinungsfreudig. Wichtige Kriterien für meine Arbeit als Lokalreporterin. Das kommt nicht immer gut an. Muss es auch nicht. Die Leser und ihre Anliegen sind mir wichtig.
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Claudia Engel