Abstand in Corona-Zeiten? Schockierendes Erlebnis an der Wursttheke

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„Zeig Anstand! - Halt Abstand!“ Mit diesem Slogan wirbt die Stadt Dorsten in der Coronakrise. Durchaus erfolgreich, doch viele Menschen erleben den Alltag inzwischen ganz anders.

Dorsten

, 05.07.2020, 18:15 Uhr / Lesedauer: 2 min

Seit vergangenen Freitag ist Dorsten nach offizieller Lesart wieder „Corona-frei“. Doch Vorsicht ist weiter geboten. Gebetsmühlenartig wiederholen Bürgermeister Tobias Stockhoff und die Pressestelle der Stadtverwaltung, dass die positive Entwicklung nicht zu Sorglosigkeit verführen dürfe. Zahlreiche Kampagnen, nicht nur für Kinder, hat es gegeben, um an die „Corona-Disziplin“ zu appellieren.

Doch viele Dorstener erleben den Alltag inzwischen anders, In den sozialen Netzwerken häufen sich die Einträge über Menschen, die sich nicht an Abstandsregeln halten, den Mund-Nase-Schutz „vergessen“, sich vordrängeln oder in übergroßen Gruppen zusammen sind. Sorglosigkeit, Rücksichtslosigkeit, Provokation - es ist wohl von allem etwas dabei.

Schockierendes Erlebnis an der Wursttheke

Besonders eindrucksvoll schilderte jetzt eine Dorstenerin, die namentlich nicht genannt werden möchte, ihre Eindrücke aus den letzten Tagen. In einem Lebensmittelgeschäft „lehnte sich eine junge Frau auf die Wursttheke, zeigte mit ihrem Finger über die Theke auf Wurstsorten und zog ihre Gesichtsmaske dabei mit der anderen Hand nach unten, um besser sprechen zu können. Und dann hustete sie auch noch mit heruntergehaltener Maske.“

Die Dorstenerin sprach die andere Kundin an, bekam jedoch nur ein Schulterzucken als Antwort. Also wandte sie sich empört an die Verkäuferin. „Sie sagte mir, dass sie keine Lust mehr habe, sich nach solch einem Hinweis von den Kunden beschimpfen und anfeinden zu lassen. Sie meinte auch noch: Sie können sich nicht vorstellen, was wir uns hier hinter der Theke alles anhören müssen, wenn wir die Kunden auf Corona-Regeln hinweisen.“

Mit verschiedenen "Hamster-Plakaten" und sogar einem Kinderbuch hat die Stadt Dorsten appelliert, sich an die Abstandsregeln zu halten.

Mit verschiedenen "Hamster-Plakaten" und sogar einem Kinderbuch hat die Stadt Dorsten appelliert, sich an die Abstandsregeln zu halten. Doch verschiedene Lockerungen verführen offenbar immer mehr Menschen dazu, die Corona-Gefahr nicht mehr ernst zu nehmen. © Stadt Dorsten

Aus Sicht der Dorstener Stadtverwaltung entspricht dieser Vorfall „nicht dem, was der Kommunale Ordnungsdienst (KOD) seit Beginn der Corona-Krise im März beobachtet hat“. Es könne festgestellt werden, dass die weitaus meisten Dorstener von sich aus die Vorschriften aus der Landesverordnung einhielten und die Restriktionen beachteten.

Nur wenige Bußgelder in der Coronakrise

„Natürlich gab es von Beginn an auch Übertretungen“, räumte Stadtsprecher Christoph Winkel auf Nachfrage ein. „Der Ansatz, dass der KOD bei festgestellten Missständen zunächst informierte und Überzeugungsarbeit leistete, statt sofort mit Sanktions- und Zwangsmitteln zu arbeiten, zahlte sich aus. Die Anzahl der Fälle, in denen etwa mit Bußgeldern vorgegangen werden musste, blieb sehr gering.“

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Winkel räumt ein, dass es „leider wohl immer wieder auch zu Ausreißern kommen wird“. Mit Dank für das gute bisherige Mitwirken appelliere die Verwaltung „an alle in die Grundregeln des Infektionsschutzes einsichtsfähigen Personen“, sich auch weiterhin im öffentlichen Raum so zu verhalten, dass sie sich und andere keinen vermeidbaren Infektionsgefahren aussetzen“.

Die empörte Kundin glaubt, dass solche Appelle in Zeiten von Corona-Lockerungen immer häufiger ungehört bleiben. Kurz nach ihrem Erlebnis an der Wursttheke kam ihr bei einem Discounter ein Kunde ganz ohne Maske entgegen - und niemanden schien es zu stören. „Nur ich konnte meinen Mund nicht halten, bekam aber auch nur ein Schulterzucken als Antwort.“

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