Schüsse auf SPD-Büro in Dorsten: Hinweise auf mögliche Waffe, Motiv weiter unklar

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Der Staatsschutz ermittelt nach Schüssen auf das Büro der SPD in Dorsten. Das Motiv ist weiterhin unklar, aber die Beschädigungen an den Fenstern geben Hinweise auf eine mögliche Waffe.

Dorsten

, 27.01.2020, 18:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Nach den Schüssen auf das Büro der Dorstener SPD dauern die Ermittlungen an. Vor Ort seien keine Projektile gefunden worden, sagte Polizeisprecher Andreas Wilming-Weber am Montag auf Anfrage. Die Art der Beschädigungen am Fenster des Parteibüros an der Halterner Straße würde „eher Richtung Diabolo-Geschoss oder kleine Kugeln aus einer Zwille“ deuten. Diabolos sind Projektile, die aus Druckluftwaffen verschossen werden.

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Für diese Theorie spricht, dass das Fenster nur oberflächlich beschädigt wurde. Die äußere Scheibe ging kaputt, die innere blieb unversehrt. „Bei einem richtigen Geschoss wäre wohl die komplette Scheibe durchschlagen worden“, so Wilming-Weber. Entdeckt wurden die Beschädigungen am vergangenen Freitag. Die Polizei geht davon aus, dass sie in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch (22.1.) verursacht wurden. Hinweise aus der Bevölkerung seien bislang nicht eingegangen.

Die Ermittlungen führen der Staatsschutz und die Staatsanwaltschaft Essen. Dienststellen des polizeilichen Staatsschutzes in Nordrhein-Westfalen befinden sich in 16 Polizeipräsidien des Landes - unter anderem auch im Polizeipräsidium Recklinghausen. Aufgabe des Staatsschutzes ist die Bekämpfung der Politisch motivierten Kriminalität (PMK).

Aktuell keine Hinweise auf politisch motivierte Tat

„Die Motivlage in diesem Fall ist aber noch unklar“, betont Polizeisprecher Wilming-Weber. Hinweise auf eine politisch motivierte Tat gibt es nach aktuellem Stand nicht. Das SPD-Büro im dritten Stock des Gebäudes, das auch von der Stadtverwaltung und den Grünen genutzt wird, ist als solches von außen nicht zu erkennen. Bis vor Kurzem klebte aber noch ein großer SPD-Aufkleber an genau dem Fenster, auf das jetzt geschossen wurde.

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Jennifer Schug glaub nicht an einen Zufall. „Vielleicht ging es nicht gegen die SPD, sondern gezielt gegen politisch aktive Menschen“, sagt die Stadtverbandsvorsitzende der Dorstener Sozialdemokraten. „Ich will gar nicht dramatisieren, aber man sollte es auch nicht verheimlichen und öffentlich klar Position beziehen.“

Solidarität im Netz

Im Netz machten viele den Dorstener Sozialdemokraten Mut und sicherten ihre Solidarität zu. Das seien keine Dumme-Jungen-Streiche, schrieb etwa Landrat Cay Süberkrüb bei Facebook, „das ist Terror und unverhohlene Drohung“. Der Vorsitzende des SPD im Europäischen Parlament, Jens Geier, twitterte: „Jede neue demokratiefeindliche Aktion ist ein Dammbruch und schafft sofort Nachahmer. Jetzt ist das Büro von Michael Hübner beschossen worden. Eine Drohung, weil eine Ersatzhandlung. Wann fängt diese Demokratie an, sich zu wehren?“

Die Polizei sucht weiterhin Zeugen. Hinweise an Tel. (0800) 2361 111.

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