Schon in seiner Jugend hat sich Thomas Wißmann für das Theater begeistert. Aus Liebe zum Schauspiel ist der Rhader nach Köln gezogen. © Lisa Wissing
Theaterpädagogik

Schultheaterstücke gegen Homophobie: „Von Herzen schwul“

Vorurteile gegen Homosexuelle entstehen schon in der Schulzeit. Das weiß Thomas Wißmann nur zu gut. Deshalb führt er Theaterstücke in Klassenzimmern auf. Zuletzt in der Gesamtschule Wulfen.

Knapp 40 Augenpaare schauen auf einen Mann, der mit einem Teststreifen beweisen will, welche Sexualität jemand hat. „Der Streifen wird einmal über den Arm gestrichen und wenn er blau wird, heißt das, die Person ist heterosexuell.“ Ein leicht beunruhigtes Kichern geht durch die Menge von Achtklässlerinnen und Achtklässlern. „Wer will sich denn testen lassen“, fragt Thomas Wißmann und hält den weißen Teststreifen hoch.

Ist Homosexualität angeboren?

Nach viel Gekicher und einem Testergebnis fragt er, wer dieses denn für nachvollziehbar hält. Zögernd gehen ein paar Hände in die Luft. „Die Kinder sind gerade in dem Alter verunsichert, was das Thema Sexualität angeht“, sagt der Theaterpädagoge. In seinem Solotheaterstück „Von Herzen schwul“ spielt er den Journalisten Stefan Weh. Dieser möchte in einer Schulklasse recherchieren, was Homophobie ist: Wie nennt man Homosexuelle, wie bewegen sie sich oder ist Homosexualität angeboren?

Seit 2010 führt Thomas Wißmann als Stefan Weh sein Solotheaterstück
Seit 2010 führt Thomas Wißmann als Stefan Weh sein Solotheaterstück „Von Herzen schwul“ in Klassenzimmern auf. © Lisa Wissing © Lisa Wissing

All diese Fragen werden in vielen Familien nicht besprochen, erzählt Thomas Wißmann. Und in der Schule erst recht nicht. Bereits in seiner eigenen Schulzeit war für den Schauspieler klar, dass er schwul ist. „Meine Klasse hat das einfach so akzeptiert. Ich habe das aber auch mit einer gewissen Selbstverständlichkeit ausgestrahlt“, erinnert sich der heute 56-Jährige. Und das auf einer streng katholischen Schule. „Damals habe ich auf den Klos geraucht und die Messen geschwänzt. Da war schwul sein das kleinere Übel“, sagt er lachend. Begleitet hat ihn durch diese Zeit seine Freundin Linda.

Die Oberstufe bezeichnet Thomas Wißmann als Befreiung. „Ich konnte die Kurse wählen, die mich interessierten. Dann habe ich angefangen, Theater zu spielen und für die Schülerzeitung geschrieben“, sagt er. Und die Liebe zum Theater verschlug ihn letztendlich nach Köln. Dort gab es vor allem eine schwule Theaterszene. Die Stadt hat dem gebürtigen Rhader so gut gefallen, dass er bis heute dort wohnt. Auch seine Mutter und seine Schwester sind ihm gefolgt.

Jetzt ist Thomas Wißmann Schauspieler, Sänger, Moderator und Theaterpädagoge.

Theaterstück gibt es seit 2010

Das Stück „Von Herzen schwul“, das er in Klassenzimmern vorführt, gibt es seit 2010. „Ich finde es einfach unheimlich wichtig, dass die Kinder mit mir und auch untereinander diskutieren können“, sagt er. Dabei sollen die Kinder lernen, emphatisch miteinander umzugehen. „Eines meiner Ziele ist es, dass schwul nicht mehr als Schimpfwort benutzt wird.“ Denn es gäbe weitaus schlimmere Dinge, als einen Mann zu lieben.

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