Schweißer aus Dorsten wegen massiven Sozialbetrugs vor Gericht

rnLandgericht Essen

Seit über zehn Jahren schickt eine Dorstener Firma Schweißer auf Baustellen. Jetzt stehen der mutmaßliche Chef und seine Ex-Buchhalterin aus Castrop-Rauxel vor Gericht.

Dorsten/Essen

, 28.10.2019, 19:45 Uhr / Lesedauer: 2 min

Wir betreiben Geschäfte, die wir verstehen.“ So steht es auf der Internetseite eines Dorstener Unternehmens. Doch spätestens seit Dezember 2012 liegt ein Schatten über dem Betrieb. Seit Montag muss sich der mutmaßliche Geschäftsführer in Essen vor Gericht verantworten. Mit auf der Anklagebank: die frühere Buchhalterin. Der Vorwurf: Sozialbetrug.

Der Hauptangeklagte ist 43 Jahre alt, Schweißer von Beruf. Laut Staatsanwaltschaft war der Dorstener der heimliche Chef einer Firma, die Industrieschweißer auf Großbaustellen schickte. Schwerpunkt waren offenbar die Benelux-Länder.

Die Anklage selbst hat es in sich. Es geht um Schwarzlöhne und massiven Betrug der Kranken- und Rentenkassen. Vier Jahre lang sollen viel zu wenig Sozialabgaben abgeführt worden sein. Der Schaden beläuft sich angeblich auf rund 600.000 Euro.

Angeblich Reisekosten manipuliert

Die Ermittler gehen davon aus, dass mit den angestellten Schweißern viel zu geringe - und damit völlig „unrealistische Lohnvereinbarungen“ - getroffen worden sind. Tatsächlich sei viel mehr Geld geflossen – allerdings unter der Hand.

Um diese angeblich illegalen Schwarzzahlungen zu verdecken, habe das Unternehmen auf dem Papier Kosten produziert, die gar nicht entstanden sind.

Laut Anklage wurden sogenannte Scheinrechnungen in die Buchhaltung eingepflegt. Außerdem seien Reisekosten manipuliert worden.

Hier kommt dann auch die ehemalige Buchhalterin aus Castrop-Rauxel ins Spiel. Sie soll dem 43-Jährigen geholfen haben, die Geschäftsunterlagen des Unternehmens nach außen hin in Ordnung zu halten – auf seine Anweisung hin.

Für die Fahnder bedeuteten die Ermittlungen vor allem Fleißarbeit. Anderthalb Stunden hat allein die Verlesung der Anklageschrift gedauert, die fast nur aus Namen und Zahlen bestand.

Angeklagte haben sich noch nicht geäußert

Zum Prozessauftakt vor dem Essener Landgericht haben sich die Angeklagten noch nicht zu den Vorwürfen geäußert. Die Verteidigerin hat allerdings schon angedeutet, dass die Berechnungen der Staatsanwaltschaft nicht akzeptiert werden.

Wegen seiner internationalen Verflechtungen seien ein Großteil der Steuern zum Beispiel in Holland abgeführt worden. Für die grenzüberschreitenden Aktivitäten gebe es in den Niederlanden sogar einen extra Steuerberater. Und die Löhne selbst seien schließlich Grundlage für die Höhe der Sozialabgaben.

Mit dieser Frage beschäftigt sich neben dem Essener Landgericht zurzeit übrigens auch das Finanzgericht in Münster. Der Prozess wird fortgesetzt. Mit einem Urteil ist voraussichtlich Ende November zu rechnen.

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