Siegerin trotz Niederlage

Dorsten Als Ringrichter Daniel van de Wiele bei der Urteilsverkündung den Arm von Zhang Xi Yan Richtung Hallendach reckte, senkte sich der Kopf von Pia Mazelanik zu Boden und die ersten Tränen vor Wut und Enttäuschung kullerten über ihre Wangen.

26.07.2007, 17:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

"Die Reaktion kann ich absolut verstehen, aber Pia hat keinen Grund, enttäuscht zu sein. Sie hat eine phantastische Leistung gezeigt", erklärte Workers-Hall-Chefcoach Sebastian Louven. Im WM-Kampf um den vakanten Gürtel der International Women´s Boxing Council (IWBC) am Mittwochabend im schweizerischen Ascona brachte das Dorstener Fliegengewicht die ungleich erfahrenere Chinesin Zhang Xi Yan an den Rand einer Niederlage.

"Wir wussten schon immer, dass Pia ein unglaubliches Potenzial besitzt. Aber in diesem Kampf hat sie gezeigt, dass auch ein riesiges Kämpferherz in ihrer Brust pocht", so Louven, der den Ritterschlag für seine Boxerin gleich hinterher schickt: "So ein Talent findet man nur alle paar Jahre."

Die warmen Worte ihres Trainers werden Mazelaniks Enttäuschung aber erst in einigen Tagen verdrängen können. Noch sitzt der Frust über die Niederlage zu tief. Eine Niederlage, die sich fast wie ein Sieg anfühlt, denn die letzten Runden des Fights gingen eindeutig an Mazelanik. Nur zu Beginn des Kampfes hatte die 19-Jährige Probleme, die richtige Distanz zu ihrer Gegnerin zu finden. Zhang Xi Yan platzierte einige harte Treffer.

Doch ab der vierten Runde legte Mazelanik jeglichen Respekt vor der Nummer fünf der Weltrangliste ab und marschierte nach vorne. Spätestens ab Runde acht hatte "Madame Butterfly", so Mazelaniks Kampfname, das Heft fest in der Hand und trieb ihre Gegnerin vor sich her. Die 27 Jahre alte Chinesin spielte aber ihre ganze Erfahrung aus und ließ sich selten an den Ringseilen stellen. Zu selten jedenfalls, um den in den ersten Runden erarbeiteten Punktvorsprung noch zu verspielen. Zwei Punktrichter sahen die Chinesin mit vier Runden vorne, einer sogar mit acht.

"Bei der Wertung hat sich der Heimvorteil ein wenig bemerkbar gemacht. Der Sieg geht aber insgesamt in Ordnung", erweist sich Louven als fairer Sportsmann.

Die Zukunft sieht für Mazelanik trotz der Niederlage rosig aus. "Wir haben noch am Abend Angebote aus China und England bekommen", so Louven. Vorerst wird Mazelanik aber nicht mehr im Ausland boxen. Der Rohdiamant soll nicht verheizt werden. Der nächste Kampf findet am 25. August in Karlsruhe statt, die Gegnerin steht noch nicht fest.

Das nächste Highlight soll im Frühjahr 2008 folgen. Sebastian Louven möchte einen Kampf um die Europameisterschafts-Krone nach Dorsten holen. Wenn alles gut geht, muss Mazelanik also nicht lange auf ihre nächste Titel-Chance warten. gg

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