Was tun nach einem Zeckenbiss bei Mensch oder Tier? Experten aus Dorsten geben Tipps

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Hohe Temperaturen und milde Winter haben dafür gesorgt, dass es immer mehr Zecken in Deutschland gibt. Dorstener Experten raten jedoch, nach einem Biss nicht panisch zu reagieren.

Dorsten

, 17.08.2019, 05:30 Uhr / Lesedauer: 3 min

Sie sind zwar klein und unscheinbar, können aber gefährliche Krankheiten übertragen - Zecken. Die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald (SDW) rechnet durch die höheren Temperaturen und die milden Winter der vergangenen Jahre mit einer starken Zeckensaison.

Die Zecke kann einerseits Viren auf den Menschen übertragen, die zu einer Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) führen können, andererseits aber auch Bakterien, die Borreliose auslösen.

Vor allem junge Eltern, die eine Zecke bei ihrem Kind entdecken, reagieren daher oft panisch. „Ich - und wahrscheinlich jeder andere Kinderarzt auch - entferne relativ viele Zecken bei Kindern. Eltern trauen sich oft nicht, das Tier zu entfernen, oder haben Angst, ihrem Kind weh zu tun“, sagt die Dorstener Kinderärztin Dr. Eva Dziezok. Dabei sei das Ziehen der Zecke eigentlich nicht schmerzhaft.

Kräftig ziehen und nicht den Kopf abreißen

Die Kinderärztin empfiehlt, die Zecke möglichst sofort nach dem Entdecken zu entfernen - ob mit einer Zeckenkarte oder wie sie mit einer Zeckenpinzette, das sei egal. „Einfach so, wie man es am besten kann.“ Wichtig sei dabei, kräftig zu ziehen und dabei möglichst nicht den Kopf abzureißen. Im Anschluss sollte die Zecke entsorgt werden.

„Die Härchen sind nicht gefährlich, die Borrelien sitzen im Magen-Darm-Trakt“, erklärt Dziezok. Eigentlich sei so ein Zeckenbiss kein Grund, den Arzt aufzusuchen. Man sollte die Einstichstelle jedoch in der nächsten Zeit beobachten.

Auf erste Anzeichen von Borreliose achten

„Wenn sich um die Stelle ein roter Kreis mit einem hellen Fleck in der Mitte bildet, könnte das ein erstes Anzeichen von Borreliose sein. Dann sollte man sofort zum Arzt, denn ansonsten können die Borrelien in die Organe gehen“, so die Dorstener Kinderärztin. Diese Anzeichen könnten auch noch mehrere Wochen nach dem Biss auftreten.

Gegen Borreliose gibt es bislang keinen wirksamen Impfschutz. Gegen die FSME schon. „Die Impfung wird oft bei uns in der Praxis nachgefragt“, sagt Dr. Eva Dziezok. Ihrer Meinung nach mache diese jedoch nur Sinn, wenn man öfter in Risikogebiete fahre, da die Impfung häufig aufgefrischt werden müsse. Der Kinderärztin ist es wichtig, noch einmal zu betonen, dass die Impfung nicht vor Zeckenbissen schütze, sondern nur vor den Viren, die eine FSME auslösen können. „Da entsteht oft bei vielen ein falscher Eindruck“, erzählt sie.

Neue Zeckenarten breiten sich in Deutschland aus

Die SDW sieht neben der größeren Anzahl an Zecken auch eine Gefahr in der Verbreitung neuer Zeckenarten. So breite sich zum Beispiel die Auwaldzecke immer weiter in Deutschland aus. Diese kann beim Menschen Fleckfieber und bei Hunden Malaria auslösen. Im Raum Hannover, in Osnabrück und der Wetterau sollen zudem, so die SDW, subtropische Zecken gesichtet worden sein, die gefährliche Infektionskrankheiten übertragen können.

Zur Vorbeugung rät die SDW, in Risikogebieten den Gang durch Gebüsch, Unterholz oder ungemähte Wiesen zu vermeiden und geschlossene und helle Kleidung zu tragen. Zeckenschutzmittel (gekauft oder aus Naturstoffen wie Lavendel- oder Nelkenöl selbst gemacht) könnten zudem das Risko eines Zeckenbisses vermindern.

Nach dem Spaziergang sollte man Kleidung und Körper nach Zecken absuchen. Dabei sollte besondern in Kniekehlen, Achselhöhlen und im Schritt nachgeschaut werden.

„Die Wälder in Dorsten sind momentan voll mit Zecken“

Doch nicht nur Menschen haben mit Zecken zu kämpfen, sondern auch Tiere. „Alle Tiere, die raus gehen, sind betroffen. Die Wälder in Dorsten sind momentan voll mit Zecken“, sagt die Dorstener Tierärztin Dr. Susanne Ewens. Sie habe öfter Tiere mit Zecken in der Praxis, jedoch ist es nicht extremer als sonst, denn es gebe seit Jahren immer wieder Höhepunkte - je nachdem wie warm oder kalt der Winter gewesen sei.

Was tun nach einem Zeckenbiss bei Mensch oder Tier? Experten aus Dorsten geben Tipps

Die Dorstener Tierärztin Dr. Susanne Ewens rät, die Einstichstelle nach einem Zeckenbiss bei Tieren gut zu beobachten. © Manuela Hollstegge (A)

Vorbeugend könne man bei Hunden und Katzen dank zahlreicher Präparate einiges tun, erklärt die Tierärztin. So gebe es für Katzen beispielsweise sogenannte „Spot ons“ - Tropfen, die man zwischen die Schulterblätter des Tiers tropft, um es für rund vier Wochen vor Zecken zu schützen.

Tierärztin aus Dorsten rät bei Hunden zu Kautabletten

Für Hunde empfiehlt Ewens Kautabletten, die rund drei Monate lang dafür sorgen, dass am Tier haftende Zecken den Wirkstoff der Tablette aufnehmen und absterben. „Es gibt auch noch Zeckenhalsbänder, aber die mag ich persönlich nicht. Denn wenn ich dann mit meinem Hund kuschel, kuschel ich ja irgendwie auch mit der Chemie im Halsband“, so die Tierärztin.

Auch Hunde kann man impfen lassen. Anders als beim Menschen wird hier jedoch gegen Borreliose geimpft. „Die Impfung ist jedoch aufwendig und kostenintensiv. Innerhalb von zwei Jahren muss viermal geimpft werden und das kostet über 300 Euro“, erklärt Dr. Susanne Ewens. Der beste Schutz sei, dafür zu sorgen, dass die Zecke nicht lange am Tier sitze, denn die Krankheit werde erst nach rund zehn Stunden übertragen.

Einstichstelle kann sich bei Tieren schnell entzünden

Zur Entfernung rät die Dorstener Tierärztin zur Zeckenzange oder zum Zeckenhaken. Wichtig sei es, konsequent in eine Richtung zu drehen, bis die Zecke raus sei. „Konnte der Kopf nicht ganz entfernt werden oder entzündet sich die Einstichstelle, sollte man auf jeden Fall zum Tierarzt gehen“, rät Ewens.

  • FSME-Risikogebiete befinden sich laut SDW in großen Teilen Bayerns und Baden-Württembergs sowie in einzelnen Regionen im Süden Hessens, in Sachsen und in Thüringen. Einzelne Risikogebiete gibt es außerdem in Mittelhessen, im Saarland und in Rheinland-Pfalz. Im Februar 2019 wurde auch der Landkreis Emsland in Niedersachsen als Risikogebiet ausgewiesen.
  • FSME kann nach Angaben der SDW unerkannt zu neurologischen Schäden, psychischen Veränderungen und sogar zum Tod führen.
  • Borrelien trägt laut SDW bundesweit jede dritte Zecke in sich. Diese können nach einem Stich auf den Menschen übetragen werden. Wichtig ist hier, dass die Zecke schnell entfernt wird, da die Erreger erst nach 12 bis 24 Stunden auf den Menschen übergehen.
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