So schnell wird Milch nicht zu Gold

Dorsten Da purzelt der Verbraucher glatt vom Butterberg: Horrormeldungen von Milchverknappung und Preisexplosionen machen die Runde. Somit müssten die Landwirte doch eigentlich in Milch und Honig baden, oder?

30.07.2007, 18:55 Uhr / Lesedauer: 1 min

Weit gefehlt. "Das dicke Geld ist bei uns noch nicht angekommen", schmunzelt Hubert Krampe. Der Rhader Ortslandwirt, der auch dem Milchausschuss des Kreises angehört, kann die Situation seiner Berufskollegen am besten beurteilen. Nicht zuletzt aus eigener Erfahrung, hat er doch 105 Milchkühe im Stall. Und wie er betreiben die meisten Höfe der Region Milchwirtschaft, die für viele Landwirte sogar die Haupteinnahmequelle ist.

Lange Zeit war das nicht unbedingt ein Vergnügen. Denn seit 1984 machte die Milchquote mit insgesamt 33 Anpassungen den Landwirten das Leben schwer. Nicht zuletzt wegen der hohen Strafzölle, die bei "Überproduktion" drohten. Dazu kam der Preisdruck der großen Discounter, die mangels Absatz-Alternativen den Landwirten die Daumenschrauben ansetzen konnten.

Dass diese mageren Jahre für die Milcherzeuger jetzt zu Ende gingen, zeichnete sich nur langsam ab. Zuerst wirkte sich die letzte Quoten-Anpassung aus. "Im Quotenjahr 2006/2007 gab es nur noch einen ganz leichten Überschuss", bilanziert Krampe. Dann machte sich der witterungsbedingte Ausfall von zwei Exportnationen (Neuseeland, Australien) auf dem Milchmarkt bemerkbar, wo zuletzt auch die steigende Nachfrage aus dem Ausland die deutschen Landwirte freute.

"Was nicht als Frischmilch oder Butter zu verkaufen war, endete früher oft als Molke im Viehfutter, jetzt öffnet der Bedarf der Chinesen an Milchpulver neue Perspektiven", sieht Hubert Krampe einen positiven Effekt der Globalisierung.

Höhere Kosten

Trotz allem sei der Erzeuger-Erlös für einen Liter Milch erst von 26 Cent auf zur Zeit 30 Cent gestiegen und werde zum Jahresende vielleicht bei 33 Cent liegen. Vom Mehrertrag müssten die Landwirte zudem höhere Futterkosten durch wetterbedingte Ernteausfälle auffangen. Wenn jetzt schon für die Butter ein Preisanstieg von 50% prophezeit werde, dürften sich Molkereien und Handel den größten Teil davon auf ihr Brot streichen. Hauptschuldiger in der Legendenbildung wird wohl dennoch der Landwirt sein - oder die brave Milchkuh. . . kdk

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