So sollten Eltern mit Taschengeld umgehen

Angelika Lischewski im Interview

Ein Comic, eine gemischte Tüte oder lieber eine Flasche Brause? An der Bude um die Ecke konnten Kinder ihr Taschengeld schon immer gut loswerden. Und: Für alles reicht es nie; man muss sich entscheiden. Ein wichtiger Lerneffekt im Umgang mit Taschengeld, findet Angelika Lischewski, Leiterin der Mobilen Jugendhilfe in Hervest, die hier Fragen rund ums Taschengeld beantwortet.

Dorsten

, 06.09.2016, 12:21 Uhr / Lesedauer: 3 min

Ab wann sollten Kinder Taschengeld bekommen?

Mit vier Jahren können Eltern langsam damit anfangen. Spätestens aber zum Start der Grundschule sollten Kinder Taschengeld bekommen.

Das ist ja sehr früh. Wieso ist Taschengeld so wichtig?

Es ist wichtig, dass Kinder den Umgang mit Geld lernen. Wir Fachkräfte erleben oft, dass gerade junge Menschen Anfang 20 verschuldet sind. Sie schließen Handyverträge ab, vereinbaren Ratenzahlungen und verlieren den Überblick. Mit Taschengeld lernen Kinder schon früh, wichtige Dinge über Geld. Zum Beispiel, dass man nicht alle Dinge sofort haben kann, dass man auf größere Dinge auch mal sparen muss. Und sie lernen, Entscheidungen zu treffen. Wofür möchte ich mein Geld ausgeben, was ist mir wichtig? Wenn ich mir jetzt die Bonbons an der Bude oder das Playstation-Spiel im Laden kaufe, dann ist das Geld der ganzen Wochen oder des ganzen Monats weg. Will ich das? Oder kaufe ich mir die Bonbons lieber im Supermarkt, weil sie dort billiger sind, und suche nach dem Spiel bei Ebay oder leihe es mir.

Wie viel Taschengeld ist angemessen?

Die Taschengeldtabelle der Jugendämter ist dafür ein guter Anhaltspunkt. Sie schlägt für vier- bis fünfjährige Kinder 50 Cent pro Woche vor, für 14- bis 15-Jährige 25 bis 30 Euro im Monat.

Die Tabelle ist übrigens nicht beziehungsweise nicht nur für Eltern, die wenig Geld haben, sondern auch für alle anderen. Mit zu viel Geld können Kinder nämlich gar nicht umgehen, es verliert an Wert.

Warum sollte das Taschengeld zunächst wöchentlich und dann monatlich ausgezahlt werden?

Kleine Kinder können die Zeitspanne eines Monats noch gar nicht überblicken. Da ist es besser, man zahlt das Geld zum Beispiel jeden Samstag aus. Das können sich die Kinder merken, weil da kein Kindergarten oder keine Schule ist. Wichtig: Das Kind muss sich darauf verlassen können, dass das Geld dann auch kommt.

Und auch nicht bei Unartigkeit gestrichen wird.

Taschengeld als Strafe zu streichen, davon halte ich nichts. Denn das Verhalten steht ja oft nicht mit dem Taschengeld in Zusammenhang. Ausnahme: Das Kind hat etwas absichtlich kaputt gemacht, dann kann ich einfordern, dass es von seinem Taschengeld den Ersatz kauft.

Sollten Kinder durch Hausarbeit ihr Taschengeld aufstocken können?

Ich finden, jeder sollte Aufgaben im Haushalt übernehmen. Wenn man zusammenlebt, muss eben der Müll runter gebracht und die Spülmaschine ausgeräumt werden. Für besondere Dinge wie den Hausflur putzen, kann man vielleicht eine kleine Bezahlung vereinbaren.

Was sollten Kinder von ihrem Taschengeld bezahlen?

Das Kind sollte Taschengeld nicht für Schul- oder Anziehsachen ausgeben müssen, sondern es soll sich davon genau das kaufen, was es sich wünscht. Eltern müssen dem Kind aber beratend zur Seite stehen.

Was heißt das?

Das bedeutet, dass Eltern dem Kind seine Optionen aufzeigen: Du kannst dir jetzt das von Geld kaufen, dann ist es aber für diese Woche weg. Oder du kannst es sparen und dir nächste Woche etwas Größeres kaufen. Die Entscheidung trifft aber letztlich das Kind. Denn wenn ich ihm diese Entscheidung abnehme, ist der Lerneffekt ja wieder weg.

Was, wenn es mal einen finanziellen Engpass in der Familie gibt und Taschengeld nicht mehr möglich ist?

Das sollte man mit dem Kind offen besprechen. Man sollte ihm dabei keine Existenzängste machen, sondern klar machen: Wir haben genug zu essen und die Wohnung, aber in bestimmten Dingen müssen wir uns jetzt einschränken. Natürlich muss das Kind dann auch sehen, dass die ganze Familie verzichtet, nicht nur es selbst auf das Taschengeld.

Was halten Sie von einem Konto fürs Kind?

Ab zwölf Jahren dürfen Kinder ja ein eigenes Konto haben. Es heißt, sie würden dann den Umgang mit dem Bankgeschäft lernen. Ich weiß nicht, ob das in dem Alter nötig ist. Das hängt auch vom Kind ab. Manche brauchen ja auch ein Konto, weil sie einen Nebenjob haben. Ansonsten würde ich das vom Kind und seinem Verantwortungsgefühl abhängig machen. Einen Dispo haben Kinder ja zum Glück nicht.

Weitere Informationen im . 

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