So witzig startete der Dorstener Kultursommer

Comedy-Abend

Worüber unterhalten sich zwei Comedians in einer Pause zwischen zwei Auftritten? Die Gelegenheit, diese Frage zu klären, gab es am Freitagabend zum Start des Dorstener Kultursommers.

Dorsten

, 01.09.2018 / Lesedauer: 3 min
So witzig startete der Dorstener Kultursommer

Provokation gehört zum Programm von Dave Davis. © Ralf Pieper

Während Bauchredner Jörg Jará auf der Bühne versuchte, seinen Vogel Olga zu zähmen, standen Anka Zink und Dave Davis an der Seite, schauten zu und unterhielten sich. „Wir reden über die Ängste unserer Kindheit“, sagte Dave Davis. „Olga erinnert mich an die Figuren der Sesamstraße, und ich hatte als Kind eine wahnsinnige Angst vor Graf Zahl – und vor Helmut Kohl.“ Anka Zink erwiderte: „Das Gute an meiner Kindheit war, dass ich vor nichts Angst hatte – das kam erst, als ich erwachsen war.“

Kindheitserinnerungen, Kindheitsängste – ein ernstes Thema, während Jörg Jará mit Olga seine verbalen Kämpfe austrug und das Publikum Tränen lachte. Aber dann hieß es auch für Anka Zink und Dave Davis, den Schalter wieder umzulegen, denn der nächste Auftritt wartete, und das Publikum wollte lachen.

Ausverkaufter Marktplatz zum Auftakt

Wieder war der Marktplatz beim Comedy-Abend im Rahmen des Dorstener Kultursommers ausverkauft. Volles Haus sozusagen, nur ohne Haus. Nach der Begrüßung durch Jürgen Becker startete das Programm mit Anka Zink. Mit unschuldiger Mimik und bissigem Witz, den Schalk im Nacken, nahm sie ihr Publikum mit auf eine Reise durch das Kuriositätenkabinett des Lebens.

So witzig startete der Dorstener Kultursommer

Bissiger Humor: Anka Zink. © Ralf Pieper

Ein Zitat von Muhammad Ali gab sie den Kultursommer-Gästen als Richtlinie für deren weiteres Leben mit auf den Weg: „Es ist unfassbar schwer, bescheiden zu sein, wenn man so großartig ist wie ich.“

Danach der Auftritt von Jörg Jará. Auch Puppen haben demnach Probleme: Herr Jensen ist unzufrieden mit jedem und allem und schimpft in bester Muppets-Opa-Manier, die schräge Vogeldame Olga redet, wie ihr der Schnabel gewachsen ist und vermisst den Elektriker. Technisch brillant ließ Bauchredner Jörg Jará seine Puppen lebendig werden.

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Jörg Jará und Herr Jensen. © Ralf Pieper

Dave Davis knüpfte sich die Klischees der Deutschen vor

Provokation gehört zum Humor von Dave Davis. In bester Spiellaune knöpfte sich der Comedian gnadenlos spezielle Klischees der Deutschen vor. „Wohin führt der deutsche und westliche Lebensstil? Sorgen, Arbeit, Stress, Herzinfarkt.“

Nach seinem Auftritt lobte der Comedian: „Es ist eine tolle Atmosphäre hier auf dem Marktplatz. Und ein kluges Publikum. Bei den Pointen wird sofort gelacht – bei anderen Veranstaltungen musste ich schon mal länger warten, bis der Witz verstanden wurde.“

Basta bringt die Pointen musikalisch

Eine Pointe nach der anderen präsentierte die A-Capella-Formation Basta in musikalischer Form. Mit viel Sprachwitz und eingängigen Melodien sangen die fünf Herren über die Probleme der Menschheit: die richtige Ernährung, ADHS und ADAC. Und über nervige Gondoliere. ABBAs Hit „S.O.S.“ wurde bei Basta zur Hymne für gesunde Ernährung mit dem Titel: „Wenn ich bei Esso ess“.

Jürgen Becker moderierte nicht nur den Abend, sondern präsentierte sich natürlich auch wieder als Kabarettist. Er plauderte in rheinländischer Manier vor sich hin. Das Publikum folgte und am Ende stellte sich heraus, dass das, was wie eine unbedeutende Anekdote begann, doch am Ende einen tieferen Sinn hatte: mal satirisches Politkabarett mit intellektuellem Tiefgang, mal das Zwerchfell strapazierende Schenkelklopfer.

Das sagten Zuschauer über den Comedy-Abend

„Mir gefällt die Mischung“, sagte Ingrid Budde aus Dorsten. „Unterschiedliche Charaktere auf der Bühne, aber jeder auf seine Art einfach fantastisch.“ Auch Gerhard Möllemann ist begeisterter Kultursommer-Besucher von Anfang an: „Tolle Unterhaltung in schöner Atmosphäre“, meinte er.

So witzig startete der Dorstener Kultursommer

Voller Marktplatz beim 7. Kultursommer in Dorsten. © Ralf Pieper

Kritik gab es von einigen Besuchern wegen der begrenzten Sitzmöglichkeiten. Hannelore Sponheuer sagte: „Als wir kamen, waren alle Sitzplätze vergeben. Der Veranstalter sollte Sitzplätze verkaufen. Ich wäre bereit, dafür auch mehr zu zahlen. Aber das ist der einzige Minuspunkt für mich – das Programm ist toll.“

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