Soulafa (17) aus Syrien will Ärztin werden

Praktikum bei Dr. Fritz Geisthövel

Das Leid, das die 17-jährige Soulafa in ihrer Heimat Syrien erlebt hat, ist mit Worten nicht zu fassen. So redet das schüchterne Mädchen selbst auch nicht viel davon und von ihrer Flucht nach Deutschland. Sie erzählt lieber von dem Praktikum, das sie zurzeit in der Praxis von Dr. Fritz Geisthövel in Lembeck macht.

Lembeck

, 14.04.2016, 17:04 Uhr / Lesedauer: 2 min
Soulafa aus Syrien macht ein Praktikum bei Dr. Fritz Geisthövel und den Arzthelferinnen Bettina Wagner und Heike Ostkirchen.

Soulafa aus Syrien macht ein Praktikum bei Dr. Fritz Geisthövel und den Arzthelferinnen Bettina Wagner und Heike Ostkirchen.

Denn die Arbeit, die sie seit zwei Wochen kennenlernt, ist genau ihr Ding. „Ich will Ärztin werden“, sagt sie.

Dass sie das schafft, daran hat Dr. Fritz Geisthövel keine Zweifel: „Sie ist ziemlich clever und wenn sie ihr Abi an der Gesamtschule Wulfen macht, trau ich ihr auch das Medizinstudium zu.“ Dass die Sprache dafür das A und O ist, weiß die 17-Jährige selbst am besten. Deswegen lernt sie, seit sie vor vier Monaten nach Deutschland gekommen ist, fleißig diese „etwas schwierige Sprache“. Zwei Stunden pro Woche bekommt sie Sprachunterricht in der Schule, gemeinsam mit den 14 anderen geflüchteten Schülern in Wulfen.

Unterkunft in Holsterhausen

In ihrem vorübergehenden Zuhause – eine Flüchtlingsunterkunft in Holsterhausen – liest sie Bücher, um sich weiter zu verbessern. Mit Erfolg. „Ich könnte nach vier Monaten auf jeden Fall nicht so gut Arabisch“, sagt Arzthelferin Heike Ostkirchen anerkennend. Mit ihr und Kollegin Bettina Wagner verbringt Soulafa viel Zeit. Sie hat beim Blutabnehmen zugesehen und durfte auch schon selbst üben. Natürlich nicht ohne die Profis an ihrer Seite und das Einverständnis des Patienten. Während vorherige Praktikanten auch die Krankenhausberichte sortierten, ist das für Soulafa mit dem fremden Alphabet noch nicht so leicht. Dafür hilft sie dem Praxisteam ungemein bei einer sonst eher schwierigen Aufgabe: der Behandlung von anderen Flüchtlingen.

Ehemalige Laurentiusschule

Direkt gegenüber der Praxis sind in der ehemaligen Laurentiusschule Flüchtlinge untergebracht, die zu Fritz Geisthövel kommen. „Da ist sie meine kostenlose Dolmetscherin“, sagt der Arzt glücklich. Was sonst mit Händen, Füßen, ein bisschen Englisch und mit gebrachten Dolmetschern funktionieren muss, erledigt noch bis zum Ende ihres Praktikums nächsten Freitag Soulafa als Fachkraft vor Ort.

Kurdisch und Arabisch spricht das Mädchen aus Aleppo. Und bald wohl auch fließend Deutsch. Soulafa hat, wie ihre Tante, ihr Bruder und ihr Onkel, Asyl für drei Jahre bekommen. Bald ziehen sie in eine gemeinsame Wohnung. Und dann hat Soulafa nur noch einen Wunsch: „Vielleicht kann meine Mutter auch kommen.“

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